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Psalm 42

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42
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Erstes Buch

(Psalm 1 – 41)

Psalm 1

1 Wohl dem,[1]Andere Übersetzung: Glückselig ist der Mensch (vgl. Mt 5,3-12). der nicht wandelt nach dem Rat der Gottlosen,[2]Mit »Gottloser« (hebr. rascha, auch »Gesetzloser«, »Frevler« übersetzt) bezeichnet die Bibel jemand, der äußerlich zum Volk Gottes gehört und das Gesetz Gottes kennt, der sich aber bewußt gegen Gott auflehnt und sein Wort mißachtet (vgl. dazu Ps 50,16-22). noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, wo die Spötter sitzen,
2 sondern seine Lust hat am Gesetz[3]od. an der Weisung / Lehre (hebr. torah). Dieses Wort bezeichnet sowohl die Gebote und Anordnungen Gottes als auch seine Unterweisung und Lehre. Es wird öfters für das mosaische Gesetz bzw. die 5 Bücher Mose verwandt; hier und an anderen Stellen steht es für die ganze Gottesoffenbarung der Heiligen Schrift. des Herrn und über sein Gesetz nachsinnt[4]od. in seinem Gesetz forscht. Das hebr. Wort bezeichnet auch ein leises Reden; wer über die heiligen Schriften nachsann, las sie dabei halblaut. Tag und Nacht.
3 Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und alles, was er tut, gerät wohl.
4 Nicht so die Gottlosen, sondern sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.
5 Darum werden die Gottlosen nicht bestehen im Gericht, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.
6 Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten; aber der Weg der Gottlosen führt ins Verderben.

Psalm 2

1 Warum toben die Heiden[5]hebr. gojim; d.h. die Völker außerhalb des auserwählten Gottesvolkes Israel. und ersinnen die Völker[6]das Wort kann auch die Stämme Israels bezeichnen (vgl. Apg 4,25-28). Nichtiges?
2 Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Fürsten verabreden sich gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten[7]od. seinen Messias (hebr. maschiach; gr. Christus), d.h. der von Gott gesalbte Retter-König, der Israel am Ende der Zeiten erretten und der Welt Frieden bringen soll (vgl. Dan 9,25-26). :
3 »Laßt uns ihre Bande zerreißen und ihre Fesseln von uns werfen!«
4 Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet über sie.
5 Dann wird er zu ihnen reden in seinem Zorn und sie schrecken mit seinem Grimm:
6 »Ich habe meinen König eingesetzt[8]od. gesalbt. Die Salbung mit Öl war das Zeichen der göttlichen Berufung der Könige Israels (vgl. 1Sam 16,6-13). auf Zion, meinem heiligen Berg!« –
7 Ich will den Ratschluß des Herrn verkünden; er hat zu mir gesagt: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.
8 Erbitte von mir, so will ich dir die Heidenvölker zum Erbe geben und die Enden der Erde zu deinem Eigentum.
9 Du sollst sie mit eisernem Zepter zerschmettern, wie Töpfergeschirr sie zerschmeißen!«
10 So nehmt nun Verstand an, ihr Könige, und laßt euch warnen, ihr Richter der Erde!
11 Dient dem Herrn mit Furcht und frohlockt mit Zittern.
12 Küßt den Sohn,[9]d.h. küßt seine Füße; im Altertum ein Zeichen der Unterwerfung unter einen siegreichen, mächtigen König. damit er nicht zornig wird und ihr nicht umkommt auf dem Weg; denn wie leicht kann sein Zorn entbrennen! Wohl allen, die sich bergen bei ihm![10]w. die sich bergen / ihre Zuflucht suchen in ihm.

Psalm 3

1 Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Absalom floh.
2 Ach Herr, wie zahlreich sind meine Feinde! Viele erheben sich gegen mich;
3 viele sagen von meiner Seele: »Sie hat keine Hilfe[11]od. Rettung. bei Gott.« (Sela.[12]Sela bezeichnet eine Pause für den Gesang (ein Zeichen für den Einsatz eines instrumentalen Zwischenspiels), aber auch eine Aufforderung, das Herz und die Gedanken emporzuheben zu Gott. )
4 Aber du, Herr, bist ein Schild um mich, bist meine Herrlichkeit[13]od. Ehre (hebr. kabod); das Wort bedeutet ursprünglich »Schwere, Gewicht«, übertragen »Ehre / Ruhm / Majestät / Herrlichkeit«. und der mein Haupt emporhebt.
5 Ich rufe mit meiner Stimme zum Herrn, und er erhört mich von seinem heiligen Berg. (Sela.)
6 Ich legte mich nieder und schlief; ich bin wieder erwacht, denn der Herr hält mich.
7 Ich fürchte mich nicht vor den Zehntausenden des Volkes, die sich ringsum gegen mich gelagert haben.
8 Steh auf, o Herr! Hilf mir, mein Gott! Denn du schlägst alle meine Feinde auf den Kinnbacken, zerbrichst die Zähne der Gottlosen.[14]Andere Übersetzung: Ja, schlage alle meine Feinde … zerbrich 
9 Bei dem Herrn ist die Rettung[15]od. von dem Herrn kommt die Hilfe / das Heil (hebr. jeschuah; dieses Wort ist eng verwandt mit dem Namen Jehoschua = Der Herr ist Rettung; gr. Josua od. Jesus). . Dein Segen sei über deinem Volk! (Sela.)

Psalm 4

1 Dem Vorsänger.[16]od. dem Dirigenten / dem Leiter der Musik. Mit Saitenspiel. Ein Psalm Davids.
2 Antworte mir auf mein Schreien, du Gott meiner Gerechtigkeit[17]d.h. du, der Gott, von dem meine Gerechtigkeit kommt. Solche Wendungen (vgl. »du Gott meines Heils«) finden sich im Hebr. immer wieder. ! In der Bedrängnis hast du mir Raum gemacht; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet!
3 Ihr Männer, wie lange noch soll meine Ehre geschändet werden? Wie habt ihr das Nichtige so lieb und die Lüge so gern! (Sela.)
4 Erkennt doch, daß der Herr den Getreuen[18]hebr. chasid = der Fromme / Getreue; andere übersetzen: der Heilige. Das Wort bezeichnet einen Menschen, der Gott gegenüber Liebe und Treue erweist. für sich erwählt hat![19]od. für sich abgesondert hat. Der Herr wird hören, wenn ich zu ihm rufe.
5 Erzittert und sündigt nicht! Denkt nach in eurem Herzen auf eurem Lager und seid still! (Sela.)
6 Bringt Opfer der Gerechtigkeit und vertraut auf den Herrn!
7 Viele sagen: Wer wird uns Gutes sehen lassen? O Herr, erhebe über uns das Licht deines Angesichts!
8 Du hast mir Freude in mein Herz gegeben, die größer ist als ihre, wenn sie Korn und Most in Fülle haben.
9 Ich werde mich in Frieden niederlegen und schlafen; denn du allein, Herr, läßt mich sicher wohnen.

Psalm 5

1 Dem Vorsänger. Mit Flötenspiel. Ein Psalm Davids.
2 Vernimm, o Herr, meine Worte; achte auf mein Seufzen!
3 Höre auf die Stimme meines Schreiens, mein König und mein Gott; denn zu dir will ich beten!
4 Herr, in der Frühe[20]w. am Morgen. wirst du meine Stimme hören; in der Frühe werde ich dir zu Befehl sein[21]od. dir [meine Bitte] vorstellen / dir [ein Opfer] zurüsten. und Ausschau halten.
5 Denn du bist nicht ein Gott, dem Gesetzlosigkeit gefällt; wer böse ist, darf nicht bei dir wohnen.
6 Die Prahler bestehen nicht vor deinen Augen; du haßt alle Übeltäter.
7 Du vertilgst die Lügner; den Blutgierigen und Falschen verabscheut der Herr.
8 Ich aber darf durch deine große Gnade eingehen in dein Haus; ich will anbeten, zu deinem heiligen Tempel gewandt, in Ehrfurcht vor dir.[22]w. in deiner Furcht.
9 Herr, leite mich in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen; ebne[23]od. mache gerade. deinen Weg vor mir!
10 Denn in ihrem Mund ist nichts Zuverlässiges; ihr Inneres ist [voll] Bosheit, ihr Rachen ein offenes Grab, mit ihren Zungen heucheln sie.[24]w. sie machen ihre Zungen glatt.
11 Sprich sie schuldig,[25]od. Laß sie büßen. o Gott, laß sie fallen durch ihre Anschläge! Verstoße sie um ihrer vielen Übertretungen willen, denn sie haben sich gegen dich empört!
12 Aber alle werden sich freuen, die auf dich vertrauen; ewiglich werden sie jubeln, denn du wirst sie beschirmen; und fröhlich werden sein in dir, die deinen Namen lieben!
13 Denn du, Herr, segnest den Gerechten; du umgibst ihn mit Gnade wie mit einem Schild.

Psalm 6

1 Dem Vorsänger. Mit Saitenspiel; auf der Scheminith.[26]d.h. wohl: auf der unteren Oktave (in der Baßlage) zu singen. Ein Psalm Davids.
2 Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn, züchtige mich nicht in deinem Grimm!
3 Sei mir gnädig, o Herr, denn ich verschmachte! Heile mich, o Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken,
4 und meine Seele ist sehr erschrocken; und du, Herr, wie lange –?
5 Kehre doch wieder zurück[27]od. Wende dich wieder zu mir. , Herr, rette meine Seele! Hilf mir um deiner Gnade willen!
6 Denn im Tod gedenkt man nicht an dich; wer wird dir im Totenreich lobsingen?
7 Ich bin müde vom Seufzen; ich schwemme mein Bett die ganze Nacht, benetze mein Lager mit meinen Tränen.
8 Mein Auge ist verfallen vor Kummer, gealtert wegen all meiner Feinde.
9 Weicht von mir, ihr Übeltäter alle; denn der Herr hat die Stimme meines Weinens gehört!
10 Der Herr hat mein Flehen gehört, der Herr nimmt mein Gebet an!
11 Alle meine Feinde müssen zuschanden werden und sehr erschrecken; sie sollen sich plötzlich zurückziehen mit Schanden!

Psalm 7

1 Ein Klagelied Davids, das er dem Herrn sang wegen der Worte Kuschs, des Benjaminiters.
2 Herr, mein Gott, bei dir suche ich Zuflucht; hilf mir von allen meinen Verfolgern und rette mich,
3 daß er nicht wie ein Löwe meine Seele zerreißt und sie zerfleischt, weil kein Retter da ist.
4 Herr, mein Gott, habe ich solches getan, ist Unrecht an meinen Händen,
5 habe ich dem, der mit mir im Frieden war, mit Bösem vergolten und nicht vielmehr den errettet, der mich nun ohne Ursache bedrängt,
6 so verfolge der Feind meine Seele und ergreife sie und trete mein Leben zu Boden und lege meine Ehre[28]hebr. Bezeichnung für die Seele. in den Staub! (Sela.)
7 Steh auf, o Herr, in deinem Zorn; erhebe dich gegen den Übermut meiner Feinde! Wache auf um meinetwillen, [und schreite] zu dem Gericht, das du befohlen hast!
8 Die Versammlung der Völker umgebe dich, und über ihr kehre zur Höhe zurück!
9 Der Herr wird die Völker richten. Schaffe mir Recht, o Herr, nach meiner Gerechtigkeit und nach meiner Lauterkeit!
10 Laß doch die Bosheit der Gottlosen ein Ende nehmen und stärke den Gerechten, denn du prüfst die Herzen und Nieren, du gerechter Gott!
11 Mein Schild ist bei Gott, der den von Herzen Aufrichtigen[29]od. Rechtschaffenen; w. Geraden. hilft.
12 Gott ist ein gerechter Richter und ein Gott, der täglich zürnt[30]od. straft. .
13 Wenn man nicht umkehrt, so schärft er sein Schwert, hält seinen Bogen gespannt und zielt
14 und richtet auf jenen tödliche Geschosse; seine Pfeile steckt er in Brand.
15 Siehe, da liegt einer in Geburtswehen mit Bösem; er ist schwanger mit Unheil, doch er wird Trug gebären!
16 Er hat eine Grube gegraben und ausgehöhlt – und ist in die Grube gefallen, die er gemacht hat.
17 Das Unheil, das er angerichtet hat, kehrt auf sein eigenes Haupt zurück, und die Gewalttat, die er begangen hat, fällt auf seinen Scheitel.
18 Ich will dem Herrn danken für seine Gerechtigkeit, und dem Namen des Herrn, des Höchsten, will ich lobsingen[31]Das Wort, das in den Psalmen mit lobsingen übersetzt wird, kann auch Psalmen singen bedeuten, d.h. singen mit instrumentaler Begleitung. .

Psalm 8

1 Dem Vorsänger. Auf der Gittit[32]d.h. auf einem Instrument od. nach einer Melodie aus Gat. . Ein Psalm Davids.
2 Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit über die Himmel gesetzt hast!
3 Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du ein Lob bereitet[33]andere übersetzen: eine Macht gegründet (vgl. Mt 21,16). um deiner Bedränger willen, um den Feind und den Rachgierigen zum Schweigen zu bringen.
4 Wenn ich deinen Himmel betrachte, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:
5 Was ist der Mensch[34]hebr. enosch = Mensch (bed. der sündige, schwache, sterbliche Mensch). , daß du an ihn gedenkst, und der Sohn des Menschen[35]hebr. Adam (vgl. 1Mo 1 u. 2). »Sohn des Menschen« ist auch ein Titel des Messias (vgl. Dan 7,13; Mt 9,6). , daß du auf ihn achtest?
6 Du hast ihn ein wenig[36]od. für kurze Zeit. niedriger gemacht als die Engel;[37]hebr. elohim. Dieses Wort steht in der Regel für den ewigen Gott in seiner Allmacht als Schöpfer (man könnte übersetzen »der überaus Mächtige«) und wird dann »Gott« übersetzt; hier wie an gewissen anderen Stellen bezeichnet es jedoch Engelmächte (»Götter«, d.h. »Mächtige«); vgl. Hebr 2,7. mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt.
7 Du hast ihn zum Herrscher über die Werke deiner Hände gemacht; alles hast du unter seine Füße gelegt:
8 Schafe und Rinder allesamt, dazu auch die Tiere des Feldes;
9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, alles, was die Pfade der Meere durchzieht.
10 Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde!

Psalm 9

1 Dem Vorsänger. Auf Muth-Labben[38]bed. »Auf den Tod des Sohnes«. . Ein Psalm Davids.[39]Ps 9 u. 10 bilden eine Einheit. In lockerer Abfolge, die sich über beide Psalmen hin erstreckt, richten sich Anfangsbuchstaben von Satzanfängen nach dem hebräischen Alphabet.
2 Ich will den Herrn loben von ganzem Herzen, ich will alle deine Wunder erzählen.
3 Ich will mich freuen und frohlocken in dir, ich will deinem Namen lobsingen, du Höchster!
4 Als meine Feinde zurückwichen, da strauchelten sie und kamen um vor deinem Angesicht.
5 Denn du hast mein Recht und meine Sache geführt, du sitzt auf dem Thron als ein gerechter Richter!
6 Du hast die Heidenvölker gescholten, den Gesetzlosen umgebracht, ihren Namen ausgelöscht auf immer und ewig.
7 Der Feind – er ist völlig und für immer zertrümmert, und die Städte hast du zerstört; ihr Andenken ist dahin.
8 Aber der Herr thront auf ewig; er hat seinen Thron aufgestellt zum Gericht.
9 Ja, Er wird den Erdkreis richten in Gerechtigkeit und den Völkern das Urteil sprechen, wie es recht ist.
10 Und der Herr wird eine Zuflucht[40]w. hohe Burg. sein dem Unterdrückten, eine Zuflucht in Zeiten der Not.
11 Darum vertrauen auf dich, die deinen Namen kennen; denn du hast nicht verlassen, die dich, Herr, suchen!
12 Lobsingt dem Herrn, der in Zion wohnt, verkündigt seine Taten unter den Völkern!
13 Denn er forscht nach der Blutschuld und denkt daran; er vergißt das Schreien der Elenden nicht.
14 Herr, sei mir gnädig! Sieh, wie ich unterdrückt werde von denen, die mich hassen! Befreie mich[41]w. Hebe mich empor. aus den Toren des Todes,
15 damit ich all deinen Ruhm erzähle in den Toren der Tochter Zion[42]d.h. in den Toren Jerusalems. Die Tore einer Stadt waren der Ort der Rechtssprechung und der öffentlichen Zusammenkunft. , damit ich jauchze über dein Heil!
16 Die Heidenvölker sind versunken in der Grube, die sie gegraben haben; ihr Fuß hat sich gefangen in dem Netz, das sie heimlich stellten.
17 Der Herr hat sich zu erkennen gegeben, hat Gericht gehalten; der Gottlose ist verstrickt in dem Werk seiner Hände! (Saitenspiel – Sela.)
18 Die Gottlosen müssen ins Totenreich hinabfahren, alle Heidenvölker, die Gott vergessen.
19 Denn der Arme wird nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden[43]od. Gebeugten / Demütigen. Das Wort bezeichnet solche, die in der Bedrängnis ergeben und demütig bleiben und an Gott festhalten. wird nicht stets vergeblich sein.
20 Steh auf, o Herr, damit der Mensch[44]hebr. enosch = der sterbliche, sündige Mensch (vgl. Fn. zu Ps 8,5), ebenso V. 21. nicht die Oberhand gewinnt, daß die Heidenvölker gerichtet werden vor deinem Angesicht!
21 O Herr, lege doch Furcht auf sie, damit die Heidenvölker erkennen, daß sie [sterbliche] Menschen sind! (Sela.)

Psalm 10

1 Herr, warum stehst du so fern, verbirgst dich in Zeiten der Not[45]od. der Drangsal. ?
2 Vom Übermut des Gottlosen wird dem Elenden bange; mögen doch von der Arglist die betroffen werden, die sie ausgeheckt haben!
3 Denn der Gottlose rühmt sich der Gelüste seines Herzens, und der Habsüchtige sagt sich los vom Herrn und lästert[46]od. verschmäht. ihn.
4 Der Gottlose sagt in seinem Hochmut: »Er wird nicht nachforschen!« Alle seine Gedanken sind: »Es gibt keinen Gott«!
5 Seine Unternehmungen gelingen immer; hoch droben sind deine Gerichte,[47]od. Rechtsentscheidungen. fern von ihm; er tobt gegen alle seine Gegner.[48]w. er schnaubt alle seine Gegner an.
6 Er spricht in seinem Herzen: »Ich werde niemals wanken; nie und nimmer wird mich ein Unglück treffen!«
7 Sein Mund ist voll Fluchen, Trug und Bedrückung; unter seiner Zunge verbirgt sich Leid und Unheil.
8 Er sitzt im Hinterhalt in den Dörfern; im Verborgenen ermordet er den Unschuldigen; seine Augen spähen den Wehrlosen aus.
9 Er lauert im Verborgenen wie ein Löwe im dichten Gebüsch; er lauert, um den Elenden zu fangen; er fängt den Elenden und schleppt ihn fort in seinem Netz.
10 Er duckt sich, kauert nieder, und durch seine starken Pranken fallen die Wehrlosen.
11 Er spricht in seinem Herzen: »Gott hat es vergessen, er hat sein Angesicht verborgen, er sieht es niemals!«
12 Steh auf, o Herr!
12 Erhebe, o Gott, deine Hand! Vergiß die Elenden nicht!
13 Warum soll der Gottlose Gott lästern und in seinem Herzen denken, daß du nicht danach fragst?
14 Du hast es wohl gesehen! Denn du gibst auf Elend und Kränkung acht, um es in deine Hand zu nehmen; der Wehrlose überläßt es dir, der du der Helfer der Waisen bist!
15 Zerbrich den Arm des Gottlosen und des Bösen, suche seine Gottlosigkeit heim, bis du nichts mehr von ihm findest!
16 Der Herr ist König immer und ewig; die Heidenvölker sind verschwunden aus seinem Land.
17 Das Verlangen der Elenden hast du, o Herr, gehört; du machst ihr Herz fest[49]d.h. zuversichtlich und gewiß. , leihst ihnen dein Ohr,
18 um der Waise Recht zu schaffen und dem Unterdrückten, damit der Mensch[50]hebr. enosch (vgl. Fn. zu Ps 8,5). von der Erde nicht weiter Schrecken verbreite.

Psalm 11

1 Dem Vorsänger. Von David.
1 Bei dem Herrn habe ich Zuflucht gefunden! Wie sagt ihr denn zu meiner Seele: »Flieh wie ein Vogel auf eure Berge«?
2 Denn siehe, die Gottlosen spannen ihren Bogen; sie haben ihre Pfeile auf die Sehne gelegt, um im Verborgenen auf die zu schießen, welche aufrichtigen Herzens sind.
3 Wenn die Grundfesten eingerissen werden, was soll der Gerechte tun?
4 Der Herr ist in seinem heiligen Tempel. Der Thron des Herrn ist im Himmel; seine Augen spähen,
4 seine Blicke prüfen die Menschenkinder.
5 Der Herr prüft den Gerechten; aber den Gottlosen und den, der Frevel liebt, haßt seine Seele.
6 Er läßt Schlingen regnen über die Gottlosen; Feuer, Schwefel und Glutwind ist das Teil ihres Bechers.[51]d.h. wohl hier: des Zornesbechers des Herrn (vgl. Jes 51,17.22; Jer 25,15-29).
7 Denn der Herr ist gerecht, er liebt Gerechtigkeit; die Aufrichtigen werden sein Angesicht schauen.

Psalm 12

1 Dem Vorsänger. Auf der Scheminith.[52]vgl. Fn. zu Ps 6,1. Ein Psalm Davids.
2 Hilf, Herr; denn der Getreue ist dahin, die Treuen sind verschwunden unter den Menschenkindern!
3 Sie erzählen Lügen, jeder seinem Nächsten; mit schmeichelnder Lippe, mit hinterhältigem Herzen reden sie.
4 Der Herr möge ausrotten alle schmeichelnden Lippen, die Zunge, die großtuerisch redet,
5 sie, die sagen: »Wir wollen mit unserer Zunge herrschen, unsere Lippen stehen uns bei! Wer ist unser Herr?« –
6 »Weil die Elenden unterdrückt werden und die Armen seufzen, so will ich mich nun aufmachen«, spricht der Herr; »ich will den ins Heil versetzen, der sich danach sehnt!«
7 Die Worte des Herrn sind reine Worte, in irdenem Tiegel geschmolzenes Silber, siebenmal geläutert.
8 Du, o Herr, wirst sie bewahren, wirst sie behüten vor diesem Geschlecht ewiglich!
9 Es laufen überall Gottlose herum, wenn die Niederträchtigkeit sich der Menschenkinder bemächtigt.

Psalm 13

1 Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids.
2 Wie lange, o Herr, willst du mich ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir?
3 Wie lange soll ich Sorgen hegen in meiner Seele, Kummer in meinem Herzen tragen Tag für Tag? Wie lange soll mein Feind sich über mich erheben?
4 Schau her und erhöre mich, o Herr, mein Gott! Erleuchte meine Augen, daß ich nicht in den Todesschlaf versinke,
5 daß mein Feind nicht sagen kann: »Ich habe ihn überwältigt«, und meine Widersacher nicht frohlocken, weil ich wanke!
6 Ich aber vertraue auf deine Gnade; mein Herz soll frohlocken in deinem Heil. Ich will dem Herrn singen, weil er mir wohlgetan hat!

Psalm 14

1 Dem Vorsänger. Von David.[53]Dieser Psalm unterscheidet sich nur in geringfügigen, aber zu beachtenden Einzelheiten von Ps 53.
1 Der Narr[54]od. der Verderbte / Schändliche (hebr. nabal). Das Wort bezeichnet einen unverständigen Menschen, der töricht und böse gegen Gott handelt. spricht in seinem Herzen: »Es gibt keinen Gott!« Sie handeln verderblich, und abscheulich ist ihr Tun; da ist keiner, der Gutes tut.
2 Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob es einen Verständigen gibt, einen, der nach Gott fragt.
3 Sie sind alle abgewichen[55]od. abgefallen. , allesamt verdorben; es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen einzigen!
4 Haben denn die Übeltäter keine Einsicht, die mein Volk verschlingen, als äßen sie Brot? Den Herrn rufen sie nicht an.
5 Dann[56]d.h. wenn Gottes Zorn über sie kommen wird. erschrecken sie furchtbar, weil Gott bei dem Geschlecht der Gerechten ist!
6 Wollt ihr das Vorhaben des Elenden zuschanden machen, obwohl der Herr seine Zuflucht ist?
7 Ach, daß aus Zion die Rettung für Israel käme! Wenn der Herr das Geschick seines Volkes wendet, wird Jakob sich freuen und Israel fröhlich sein!

Psalm 15

1 Ein Psalm Davids.
1 Herr, wer darf weilen in deinem Zelt? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg?
2 Wer in Unschuld wandelt und Gerechtigkeit übt und die Wahrheit redet von Herzen;
3 wer keine Verleumdungen herumträgt auf seiner Zunge, wer seinem Nächsten nichts Böses tut und seinen Nachbarn nicht schmäht;
4 wer den Verworfenen als verächtlich ansieht, aber die ehrt, die den Herrn fürchten; wer, wenn er etwas zu seinem Schaden geschworen hat, es dennoch hält;
5 wer sein Geld nicht um Wucherzinsen gibt und keine Bestechung annimmt gegen den Unschuldigen; wer dies tut, wird ewiglich nicht wanken.

Psalm 16

1 Ein Miktam[57]Miktam wird übersetzt als »einprägsames Lied« / »Denkspruch« oder, von einem anderen Wort abgeleitet, als »goldenes Kleinod«. von David.
1 Bewahre mich, o Gott, denn ich vertraue auf dich!
2 [Meine Seele,] du hast zum Herrn gesagt: »Du bist mein Herr; es gibt für mich nichts Gutes[58]od. nichts Schönes / Wertvolles. außer dir!«[59]od. Kein Gut geht mir über dich.
3 Die Heiligen[60]d.h. die für Gott Abgesonderten. , die auf Erden sind, sie sind die Edlen, an denen ich all mein Wohlgefallen habe.
4 Zahlreich werden die Schmerzen derer sein, die einem anderen [Gott] nacheilen; an ihren Trankopfern von Blut will ich mich nicht beteiligen, noch ihre Namen auf meine Lippen nehmen!
5 Der Herr ist mein Erbteil und das [Teil] meines Bechers; du sicherst mir mein Los.
6 Die Meßschnüre sind mir in einer lieblichen Gegend gefallen, ja, mir wurde ein schönes Erbe zuteil.
7 Ich lobe den Herrn, der mir Rat gegeben hat; auch in der Nacht mahnt mich mein Inneres.[61]w. unterweisen / mahnen mich meine Nieren. Die Nieren stehen oft sinnbildlich für das Gewissen. Wie die Nieren unterscheiden zwischen Nutz- und Schadstoffen, so das Gewissen zwischen Gut und Böse.
8 Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht.
9 Darum freut sich mein Herz, und meine Seele frohlockt; auch mein Fleisch wird sicher ruhen,
10 denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich preisgeben und wirst nicht zulassen, daß dein Getreuer[62]od. Frommer / Heiliger (hebr. chasid). die Verwesung sieht.
11 Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen; vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle, liebliches Wesen zu deiner Rechten[63]od. Liebeserweise zu deiner Rechten. ewiglich!

Psalm 17

1 Ein Gebet Davids.
1 Höre, o Herr, die gerechte Sache! Vernimm meine Klage, achte auf mein Gebet, das nicht von falschen Lippen kommt!
2 Von dir gehe das Urteil über mich aus; deine Augen werden auf die Redlichkeit schauen!
3 Du hast mein Herz geprüft, mich in der Nacht durchforscht; du hast mich geläutert, und du hast nichts gefunden, worin ich mich vergangen hätte mit meinen Gedanken oder mit meinem Mund.
4 Beim Treiben der Menschen habe ich mich nach dem Wort deiner Lippen gehütet vor den Wegen des Gewalttätigen.
5 Senke meine Tritte ein in deine Fußstapfen, damit mein Gang nicht wankend sei!
6 Ich rufe zu dir, denn du, o Gott, wirst mich erhören; neige dein Ohr zu mir, höre meine Rede!
7 Erweise deine wunderbare Gnade, du Retter derer, die vor den Widersachern Zuflucht suchen bei deiner Rechten!
8 Behüte mich wie den Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel
9 vor den Gottlosen, die mir Gewalt antun wollen, vor meinen Todfeinden, die mich umringen!
10 Ihr fettes [Herz] verschließen sie; mit ihrem Mund reden sie übermütig.
11 Auf Schritt und Tritt umringen sie uns jetzt; sie haben es darauf abgesehen, uns zu Boden zu strecken.
12 Sie gleichen dem Löwen, der zerreißen will, dem Junglöwen, der lauert im Versteck.
13 Steh auf, o Herr, komm ihm zuvor, demütige ihn! Errette meine Seele von dem Gottlosen durch dein Schwert,
14 von den Leuten durch deine Hand, o Herr, von den Leuten dieser Welt, deren Teil in diesem Leben ist, und deren Bauch du füllst mit deinem Gut; sie haben Söhne genug und lassen, was sie übrig haben, ihren Kindern.
15 Ich aber werde dein Angesicht schauen in Gerechtigkeit, an deinem Anblick mich sättigen, wenn ich erwache[64]od. aufstehe; hierin kann man eine Anspielung auf die Auferstehungshoffnung sehen (vgl. Dan 12,2). .

Psalm 18

1 Für den Vorsänger. Von dem Knecht des Herrn, von David, der dem Herrn die Worte dieses Liedes sang, an dem Tag, als der Herr ihn aus der Hand aller seiner Feinde errettet hatte, auch aus der Hand Sauls. Er sprach:
2 Ich will dich von Herzen lieben, o Herr, meine Stärke!
3 Der Herr ist mein Fels,[65]w. Felsmassiv; das gleiche Wort wie in 4Mo 20,8.10-11, wo das Felsmassiv vorbildhaft auf den erhöhten Christus hinweist, der nicht geschlagen werden sollte. meine Burg und mein Retter; mein Gott ist mein Fels,[66]das gleiche Wort wie in 2Mo 17,6, wo der Felsblock vorbildhaft auf den erniedrigten Christus hinweist, der geschlagen werden sollte. in dem ich mich berge, mein Schild und das Horn meines Heils, meine sichere Festung[67]w. hohe Festung; die Lage in der Höhe war wichtig für die Sicherheit einer Festung. .
4 Den Herrn, den Hochgelobten, rief ich an – und ich wurde von meinen Feinden errettet!
5 Die Fesseln des Todes umfingen mich, die Ströme Belials[68]d.h. des Unheils, des Nichtswürdigen. schreckten mich;
6 die Fesseln des Totenreiches[69]od. Wehen / Schmerzen des Totenreiches. umschlangen mich, es ereilten mich die Fallstricke des Todes.
7 In meiner Bedrängnis rief ich den Herrn an und schrie zu meinem Gott; er hörte meine Stimme in seinem Tempel, mein Schreien vor ihm drang zu seinen Ohren.
8 Da bebte und erzitterte die Erde; die Grundfesten der Berge wurden erschüttert und bebten, weil er zornig war.
9 Rauch stieg auf von seiner Nase und verzehrendes Feuer aus seinem Mund; Feuersglut[70]od. feurige Kohlen; so auch V. 13 u. 14. sprühte daraus hervor.
10 Er neigte den Himmel und fuhr herab, und Dunkel war unter seinen Füßen.
11 Er fuhr auf dem Cherub und flog daher, er schwebte auf den Flügeln des Windes.
12 Er machte Finsternis zu seiner Hülle, dunkle Wasser, dichte Wolken zu seinem Zelt um sich her.
13 Aus dem Glanz vor ihm gingen seine Wolken über von Hagel und Feuersglut.
14 Dann donnerte der Herr in den Himmeln, der Höchste ließ seine Stimme erschallen – Hagel und Feuersglut.
15 Und er schoß seine Pfeile und zerstreute sie, er schleuderte Blitze und schreckte sie.
16 Da sah man die Gründe der Wasser, und die Grundfesten des Erdkreises wurden aufgedeckt von deinem Schelten, o Herr, von dem Schnauben deines grimmigen Zorns!
17 Er streckte [seine Hand] aus von der Höhe und ergriff mich, er zog mich aus großen Wassern;
18 er rettete mich von meinem mächtigen Feind und von meinen Hassern, die mir zu stark waren.
19 Sie hatten mich überfallen zur Zeit meines Unglücks; aber der Herr wurde mir zur Stütze.
20 Er führte mich auch heraus in die Weite; er befreite mich, denn er hatte Wohlgefallen an mir.
21 Der Herr hat mir vergolten nach meiner Gerechtigkeit, nach der Reinheit meiner Hände hat er mich belohnt;
22 denn ich habe die Wege des Herrn bewahrt und bin nicht abgefallen von meinem Gott,
23 sondern alle seine Verordnungen hatte ich vor Augen und stieß seine Satzungen nicht von mir,
24 und ich hielt es ganz mit ihm und hütete mich vor meiner Sünde.
25 Darum vergalt mir der Herr nach meiner Gerechtigkeit, nach der Reinheit meiner Hände vor seinen Augen.
26 Gegen den Gütigen erzeigst du dich gütig, gegen den Rechtschaffenen rechtschaffen,
27 gegen den Reinen erzeigst du dich rein, aber dem Hinterlistigen trittst du entgegen!
28 Denn du rettest das elende Volk und erniedrigst die stolzen Augen.
29 Ja, du zündest meine Leuchte an; der Herr, mein Gott, macht meine Finsternis licht;
30 denn mit dir kann ich gegen Kriegsvolk anrennen, und mit meinem Gott über die Mauer springen.
31 Dieser Gott – sein Weg ist vollkommen! Das Wort des Herrn ist geläutert; er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.
32 Denn wer ist Gott außer dem Herrn, und wer ist ein Fels außer unserem Gott?
33 Gott ist es, der mich umgürtet mit Kraft und meinen Weg unsträflich macht.
34 Er macht meine Füße denen der Hirsche gleich und stellt mich auf meine Höhen;
35 er lehrt meine Hände kämpfen und meine Arme den ehernen Bogen spannen.
36 Du gibst mir den Schild deines Heils, und deine Rechte stützt mich, und deine Herablassung[71]od. Herabneigung (vgl. 2Kor 8,9; Phil 2,6-8). macht mich groß.
37 Du machst mir Raum zum Gehen, und meine Knöchel wanken nicht.
38 Ich jagte meinen Feinden nach und holte sie ein und kehrte nicht um, bis sie aufgerieben waren;
39 ich zerschmetterte sie, daß sie nicht mehr aufstehen konnten; sie fielen unter meine Füße.
40 Du hast mich gegürtet mit Kraft zum Kampf; du hast unter mich gebeugt, die gegen mich aufstanden.
41 Du wandtest mir den Rücken meiner Feinde zu, und ich habe vertilgt, die mich hassen.
42 Sie schrieen, aber da war kein Retter; zum Herrn, aber er antwortete ihnen nicht.
43 Und ich zerrieb sie zu Staub vor dem Wind, warf sie hinaus wie Straßenkot.
44 Du hast mich gerettet aus den Streitigkeiten des Volkes und hast mich gesetzt zum Haupt der Heiden; ein Volk, das ich nicht kannte, dient mir;
45 sie gehorchen mir aufs Wort; die Söhne der Fremde[72]d.h. die Angehörigen fremder Völker. schmeicheln mir.
46 Die Söhne der Fremde verzagen und kommen zitternd aus ihren Burgen.
47 Der Herr lebt! Gepriesen sei mein Fels! Der Gott meines Heils sei hoch erhoben!
48 Der Gott, der mir Rache verlieh und die Völker unter mich zwang,
49 der mich meinen Feinden entkommen ließ. Ja, du hast mich erhöht über meine Widersacher und hast mich errettet von dem Mann der Gewalttat!
50 Darum will ich dich, o Herr, preisen unter den Heiden und deinem Namen lobsingen,
51 dich, der seinem König große Siege verliehen hat, und der Gnade erweist seinem Gesalbten[73]od. Messias (Christus). , David und seinem Samen bis in Ewigkeit.

Psalm 19

1 Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids.
2 Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung[74]d.h. das Firmament (vgl. 1Mo 1,6-8). verkündigt das Werk seiner Hände.
3 Es fließt die Rede Tag für Tag, Nacht für Nacht tut sich die Botschaft kund.[75]Andere Übersetzung: Ein Tag ruft dem andern die Botschaft zu, / und eine Nacht meldet der andern die Kunde.
4 Es ist keine Rede und es sind keine Worte, deren Stimme unhörbar wäre.[76]Andere übersetzen: unhörbar ist ihre Stimme.
5 Ihre Reichweite[77]w. ihre Meßschnur, d.h. die Reichweite ihrer Botschaft. erstreckt sich über die ganze Erde, und ihre Worte bis ans Ende des Erdkreises. Er hat der Sonne am Himmel[78]w. an ihm (vgl. V. 2). ein Zelt gemacht.
6 Und sie[79]Das hebr. Wort für die Sonne ist männlich. geht hervor wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, die Bahn zu durchlaufen.
7 Sie geht an einem Ende des Himmels auf[80]w. Ihr Ausgang ist  und läuft um bis ans andere Ende, und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen.
8 Das Gesetz[81]od. die Weisung / Unterweisung (hebr. torah). des Herrn ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig, es macht den Unverständigen[82]od. den Einfältigen; d.h. jemand, der für Einflüsse offen und daher leicht verführbar ist (vgl. Spr 1,4.22 u.a.). weise.
9 Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen.
10 Die Furcht des Herrn ist rein, sie bleibt in Ewigkeit; die Bestimmungen des Herrn sind Wahrheit, sie sind allesamt gerecht.
11 Sie sind begehrenswerter als Gold und viel Feingold, süßer als Honig und Honigseim[83]w. das aus der Honigwabe Ausfließende. .
12 Auch dein Knecht wird durch sie belehrt[84]od. ermahnt. , und wer sie befolgt, empfängt reichen Lohn.
13 Verfehlungen – wer erkennt sie? Sprich mich los von denen, die verborgen sind!
14 Auch vor mutwilligen bewahre deinen Knecht, damit sie nicht über mich herrschen; dann werde ich unsträflich sein und frei bleiben von großer Übertretung!
15 Laß die Worte meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig sein vor dir, Herr, mein Fels und mein Erlöser!

Psalm 20

1 Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids.
2 Der Herr antworte dir am Tag der Drangsal, der Name des Gottes Jakobs schütze dich!
3 Er sende dir Hilfe aus dem Heiligtum und stärke dich aus Zion;
4 er gedenke an alle deine Speisopfer und sehe dein Brandopfer wohlgefällig an.[85]w. und dein Brandopfer achte er für Fett. (Sela.)
5 Er gebe dir, was dein Herz begehrt, und lasse alle deine Vorhaben gelingen!
6 Wir wollen jauchzen über dein Heil und das Banner erheben im Namen unseres Gottes! Der Herr erfülle alle deine Bitten!
7 Nun weiß ich, daß der Herr seinem Gesalbten[86]od. seinem Messias (gr. Christus). hilft. Er antwortet ihm aus seinem heiligen Himmel mit rettenden Machttaten seiner Rechten.
8 Jene rühmen sich der Wagen und diese der Rosse; wir aber des Namens des Herrn, unseres Gottes.
9 Sie sind niedergesunken und gefallen; wir aber stehen fest und halten uns aufrecht.
10 O Herr, hilf! Der König antworte uns an dem Tag, da wir rufen!

Psalm 21

1 Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids.
2 O Herr, der König[87]hebr. melech; hier ist Christus, der Messias-König gemeint. freut sich in deiner Kraft, und wie frohlockt er so sehr über dein Heil!
3 Du hast ihm gegeben, was sein Herz wünschte, und ihm nicht verweigert, was seine Lippen begehrten. (Sela.)
4 Denn du kamst ihm entgegen mit köstlichen Segnungen, du hast eine Krone aus Feingold auf sein Haupt gesetzt.
5 Er bat dich um Leben, du hast es ihm gegeben; Dauer der Tage für immer und ewig.
6 Groß ist seine Herrlichkeit durch deine Rettung; Hoheit und Pracht hast du auf ihn gelegt.
7 Denn du setzt ihn zum Segen für immer, erquickst ihn mit Freude vor deinem Angesicht.
8 Denn der König vertraut auf den Herrn, und durch die Gnade des Höchsten wird er nicht wanken.
9 Deine Hand wird alle deine Feinde finden; deine Rechte wird die finden, welche dich hassen.
10 Du wirst sie machen wie einen feurigen Schmelzofen zur Zeit deines Erscheinens! Der Herr wird sie verschlingen in seinem Zorn, das Feuer wird sie fressen.
11 Ihre Frucht wirst du vom Erdboden vertilgen und ihren Samen[88]d.h. ihre Nachkommen. unter den Menschenkindern.
12 Denn sie sinnen Böses gegen dich; sie schmieden Pläne, die sie nicht ausführen können.
13 Denn du machst, daß sie sich zur Flucht wenden; mit deinen Bogen zielst du auf ihr Angesicht.
14 Erhebe dich, Herr, in deiner Kraft, so wollen wir deine Stärke besingen und preisen!

Psalm 22

1 Dem Vorsänger. Nach [der Melodie] »Hindin der Morgenröte«. Ein Psalm Davids.
2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?[89]Diese Worte spricht Jesus Christus am Kreuz (Mt 27,46). Ps 22 redet prophetisch von den Leiden des Messias als stellvertretendes Sühnopfer am Kreuz, als er das Zorngericht Gottes und den Hohn der Menschen erdulden muß. Warum bleibst du fern von meiner Rettung, von den Worten meiner Klage?
3 Mein Gott, ich rufe bei Tag, und du antwortest nicht, und auch bei Nacht, und ich habe keine Ruhe.
4 Aber du bist heilig, der du wohnst unter den Lobgesängen Israels!
5 Auf dich haben unsere Väter vertraut; sie vertrauten, und du hast sie errettet.
6 Zu dir riefen sie und haben Rettung gefunden; auf dich vertrauten sie und wurden nicht zuschanden.
7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
8 Alle, die mich sehen, spotten über mich; sie reißen den Mund auf und schütteln den Kopf:
9 »Er soll doch auf den Herrn vertrauen; der soll ihn befreien; der soll ihn retten, er hat ja Lust an ihm![90]od. wenn er Wohlgefallen an ihm hat (vgl. Mt 27,43). «
10 Ja, du hast mich aus dem Leib meiner Mutter gezogen, du warst meine Zuversicht schon an meiner Mutter Brust.
11 Auf dich bin ich geworfen vom Mutterschoß an; vom Leib meiner Mutter her bist du mein Gott.
12 Sei nicht fern von mir! Denn Drangsal ist nahe, und kein Helfer ist da.
13 Es umringen mich große Stiere, mächtige [Stiere] von Baschan[91]In Baschan gab es üppiges Weideland und Viehzucht. umzingeln mich.
14 Sie sperren ihr Maul gegen mich auf wie ein reißender und brüllender Löwe.
15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, und alle meine Gebeine sind ausgerenkt. Mein Herz ist geworden wie Wachs, zerschmolzen in meinem Innern.
16 Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und du legst mich in den Staub des Todes.
17 Denn Hunde umringen mich, eine Rotte von Übeltätern umgibt mich; sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben.
18 Ich kann alle meine Gebeine zählen; sie schauen her und sehen mich [schadenfroh] an.
19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los über mein Gewand.
20 Du aber, o Herr, sei nicht ferne! O meine Stärke, eile mir zu Hilfe!
21 Errette meine Seele von dem Schwert, meine einsame von der Gewalt der Hunde!
22 Errette mich aus dem Rachen des Löwen! – Ja, du hast mich erhört [und gerettet] von den Hörnern der Büffel!
23 So will ich meinen Brüdern deinen Namen verkündigen; inmitten der Gemeinde will ich dich loben!
24 Die ihr den Herrn fürchtet, lobt ihn! Ihr alle vom Samen Jakobs, ehrt ihn; und scheue dich vor ihm, du ganzer Same Israels!
25 Denn er hat nicht verachtet noch verabscheut das Elend des Armen,[92]Andere Übersetzung: des Elenden / Gebeugten. und hat sein Angesicht nicht vor ihm verborgen, und als er zu ihm schrie, erhörte er ihn.
26 Von dir soll mein Loblied handeln[93]od. Von dir kommt mein Loblied. in der großen Gemeinde; ich will meine Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten!
27 Die Elenden sollen essen und satt werden; die den Herrn suchen, werden ihn loben; euer Herz soll ewiglich leben!
28 Daran werden gedenken und zum Herrn umkehren alle Enden der Erde, und vor dir werden anbeten alle Geschlechter der Heiden.
29 Denn das Königreich gehört dem Herrn, und er ist Herrscher über die Nationen.
30 Es werden essen und anbeten alle Großen der Erde; vor ihm werden ihre Knie beugen alle, die in den Staub hinabfahren, und wer seine Seele nicht lebendig erhalten kann.
31 Ein Same wird ihm dienen, wird dem Herrn als Geschlecht zugezählt werden.
32 Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit verkündigen dem Volk, das geboren wird, daß er es vollbracht hat.[94]od. vollendet / getan hat (vgl. Joh 19,30).

Psalm 23

1 Ein Psalm Davids.
1 Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern.[95]Andere Übersetzung: Er läßt mich lagern auf grünen Auen; / er führt mich behutsam zu den Ruheplätzen am Wasser.
3 Er erquickt meine Seele; er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen. [96]od. Er bringt meine Seele wieder zurück [auch: stellt sie wieder her]; / Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit 
4 Und wenn ich auch wanderte durchs Tal des Todesschattens, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, die trösten mich.
5 Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über.
6 Nur Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar.

Psalm 24

1 Ein Psalm Davids.
1 Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner;
2 denn Er hat ihn gegründet über den Meeren und befestigt über den Strömen.
3 Wer darf[97]od. wird. auf den Berg des Herrn steigen? Und wer darf an seiner heiligen Stätte stehen?
4 Wer unschuldige Hände hat und ein reines Herz, wer seine Seele nicht auf Trug richtet und nicht falsch schwört.
5 Der wird Segen empfangen von dem Herrn und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.
6 Dies ist das Geschlecht derer, die nach ihm fragen, die dein Angesicht suchen – das ist Jakob! (Sela.)
7 Hebt eure Häupter[98]Das »Haupt« ist der obere, deckende Teil des Tores. empor, ihr Tore, und hebt euch, ihr ewigen Pforten, damit der König der Herrlichkeit einziehe!
8 Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Es ist der Herr, der Starke und Mächtige, der Herr, der Held im Streit!
9 Hebt eure Häupter empor, ihr Tore, ja, hebt [eure Häupter], ihr ewigen Pforten, damit der König der Herrlichkeit einziehe!
10 Wer ist denn dieser König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerscharen[99]hebr. Jahweh Zebaoth. , er ist der König der Herrlichkeit! (Sela.)

Psalm 25

1 Von David.[100]Die Anfangsbuchstaben der Verse in diesem Psalm folgen – mit kleinen Abweichungen – im Hebr. der alphabetischen Ordnung.
1 Zu dir, o Herr, erhebe ich meine Seele;[101]od. Nach dir, o Herr, verlangt mich.
2 mein Gott, ich vertraue auf dich! Laß mich nicht zuschanden werden, daß meine Feinde nicht frohlocken über mich!
3 Gar keiner wird zuschanden, der auf dich harrt; zuschanden werden, die ohne Ursache treulos handeln.
4 Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Pfade!
5 Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich, denn du bist der Gott meines Heils;[102]d.h. der Gott, von dem meine Rettung kommt. auf dich harre ich allezeit[103]od. den ganzen Tag. .
6 Gedenke, o Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Gnade, die von Ewigkeit her sind!
7 Gedenke nicht an die Sünden meiner Jugend und an meine Übertretungen; gedenke aber an mich nach deiner Gnade, um deiner Güte willen, o Herr!
8 Der Herr ist gut und gerecht[104]od. aufrichtig; w. gerade. , darum weist er die Sünder auf den Weg.
9 Er leitet die Elenden[105]od. Gebeugten / Sanftmütigen. in Gerechtigkeit und lehrt die Elenden seinen Weg.
10 Alle Pfade des Herrn sind Gnade und Wahrheit für die, welche seinen Bund und seine Zeugnisse bewahren.
11 Um deines Namens willen, o Herr, vergib meine Schuld; denn sie ist groß!
12 Wer ist der Mann, der den Herrn fürchtet? Er weist ihm den Weg, den er wählen soll.
13 Seine Seele wird im Guten wohnen, und sein Same[106]d.h. seine Nachkommen. wird das Land besitzen.
14 Das Geheimnis[107]Andere Übersetzung: der vertraute Umgang. des Herrn ist für die, welche ihn fürchten, und seinen Bund läßt er sie erkennen.
15 Meine Augen sind stets auf den Herrn gerichtet, denn er wird meine Füße aus dem Netz ziehen.
16 Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend!
17 Die Ängste meines Herzens haben sich vermehrt; führe mich heraus aus meinen Nöten!
18 Sieh an mein Elend und mein Leid, und vergib mir alle meine Sünden!
19 Sieh an meine Feinde, denn es sind viele, und sie hassen mich grimmig.
20 Bewahre meine Seele und rette mich! Laß mich nicht zuschanden werden, denn ich vertraue auf dich![108]od. denn bei dir suche ich Zuflucht.
21 Lauterkeit und Redlichkeit mögen mich behüten, denn auf dich harre ich.
22 O Gott, erlöse Israel aus allen seinen Nöten!

Psalm 26

1 Von David.
1 Schaffe mir Recht, o Herr! Denn ich bin in meiner Lauterkeit gewandelt und habe mein Vertrauen auf den Herrn gesetzt; ich werde nicht wanken.
2 Prüfe mich, Herr, und erprobe mich; läutere meine Nieren[109]vgl. Fn. zu Ps 16,7. und mein Herz!
3 Denn deine Gnade ist mir vor Augen, und ich wandle in deiner Wahrheit.
4 Ich sitze nicht bei falschen Leuten und gehe nicht um mit Hinterlistigen.
5 Ich hasse die Versammlung der Übeltäter und sitze nicht zusammen mit den Gottlosen.
6 Ich wasche meine Hände in Unschuld und umschreite deinen Altar, o Herr,
7 um dir zu danken mit lauter Stimme und alle deine Wunder zu verkünden.
8 Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Herrlichkeit wohnt!
9 Raffe meine Seele nicht hinweg mit den Sündern, noch mein Leben mit den Blutbefleckten,
10 an deren Händen Laster klebt und deren Rechte voll Bestechung ist.
11 Ich aber wandle in meiner Lauterkeit; erlöse mich[110]d.h. kaufe mich los, befreie mich. und sei mir gnädig!
12 Mein Fuß steht fest auf rechtem Grund; ich will den Herrn loben in den Versammlungen!

Psalm 27

1 Von David.
1 Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?
2 Wenn Übeltäter mir nahen, um mein Fleisch zu fressen, meine Widersacher und Feinde, so müssen sie straucheln und fallen.
3 Selbst wenn ein Heer sich gegen mich lagert, so fürchtet mein Herz sich dennoch nicht; wenn sich Krieg gegen mich erhebt, so bin ich auch dabei getrost.
4 Eines erbitte ich von dem Herrn, nach diesem will ich trachten: daß ich bleiben darf im Haus des Herrn mein ganzes Leben lang, um die Lieblichkeit des Herrn zu schauen und [ihn] zu suchen in seinem Tempel.[111]Andere Übersetzung: und zu forschen in seinem Tempel.
5 Denn er deckt mich in seiner Hütte zur Zeit des Unheils, er verbirgt mich im Schutz[112]od. in der Verborgenheit. seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.
6 Nun ragt mein Haupt hoch über meine Feinde, die um mich her sind, und ich will Jubelopfer bringen in seinem Zelt; ich will singen und spielen dem Herrn.
7 O Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!
8 Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Sucht mein Angesicht!« Dein Angesicht, o Herr, will ich suchen.
9 Verbirg dein Angesicht nicht vor mir; weise deinen Knecht nicht ab im Zorn! Meine Hilfe bist du geworden; verwirf mich nicht und verlaß mich nicht, du Gott meines Heils!
10 Wenn auch mein Vater und meine Mutter mich verlassen, so nimmt doch der Herr mich auf.[113]Andere Übersetzung: Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, / aber der Herr nimmt mich auf.
11 Zeige mir, Herr, deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen!
12 Gib mich nicht preis der Gier meiner Feinde, denn falsche Zeugen sind gegen mich aufgestanden und stoßen Drohungen aus.
13 Ach, wenn ich nicht gewiß wäre, daß ich die Güte des Herrn sehen werde im Land der Lebendigen –
14 Harre auf den Herrn![114]d.h. warte geduldig, hoffe zuversichtlich auf den Herrn. Sei stark[115]od. getrost / mutig. , und dein Herz fasse Mut, und harre auf den Herrn!

Psalm 28

1 Von David.
1 Zu dir, Herr, rufe ich; mein Fels, wende dich nicht schweigend ab von mir, damit ich nicht denen gleich werde, die in die Grube hinabfahren, wenn du dich verstummend von mir abwendest!
2 Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich zu dir rufe, wenn ich meine Hände aufhebe zum Sprachort deines Heiligtums[116]Eine Bezeichnung für das Allerheiligste im Tempel, von woher Gott redete (vgl. 2Mo 25,22; 1Kö 6,5). .
3 Laß mich nicht weggerafft werden mit den Gottlosen und mit den Übeltätern, die friedlich reden mit ihren Nächsten und doch Böses im Sinn haben!
4 Gib ihnen nach ihrem Tun und nach der Bosheit ihrer Handlungen; gib ihnen nach den Werken ihrer Hände, vergilt ihnen, wie sie es verdient haben!
5 Denn sie achten nicht auf die Taten des Herrn, noch auf das Werk seiner Hände; er möge sie zerstören und nicht bauen!
6 Gelobt sei der Herr, denn er hat erhört die Stimme meines Flehens!
7 Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hat mein Herz vertraut, und mir wurde geholfen. Darum frohlockt mein Herz, und ich will ihm danken mit meinem Lied.
8 Der Herr ist ihre Stärke und die rettende Festung seines Gesalbten.[117]od. seines Messias; d.h. des von ihm gesalbten Königs.
9 Rette dein Volk und segne dein Erbe; und weide und trage sie bis in Ewigkeit!

Psalm 29

1 Ein Psalm Davids.
1 Gebt dem Herrn, ihr Göttersöhne[118]od. Söhne der Mächtigen; verm. eine Bezeichnung für Engelmächte. , gebt dem Herrn Ehre und Lob!
2 Gebt dem Herrn die Ehre seines Namens, betet den Herrn an in heiligem Schmuck!
3 Die Stimme des Herrn schallt über den Wassern; der Gott der Herrlichkeit donnert, der Herr über großen Wassern.
4 Die Stimme des Herrn ist stark, die Stimme des Herrn ist herrlich.
5 Die Stimme des Herrn zerbricht die Zedern, der Herr zerbricht die Zedern des Libanon,
6 und er macht sie hüpfen wie ein Kalb, den Libanon und den Sirjon[119]eine andere Bezeichnung für den Berg Hermon. wie einen jungen Büffel.
7 Die Stimme des Herrn sprüht Feuerflammen,
8 die Stimme des Herrn erschüttert die Wüste, der Herr erschüttert die Wüste Kadesch.
9 Die Stimme des Herrn macht Hirschkühe gebären und entblättert die Wälder, und in seinem Tempel ruft alles »Herrlichkeit!«.
10 Der Herr thront über der Wasserflut, ja, der Herr thront als König in Ewigkeit.
11 Der Herr wird seinem Volk Kraft verleihen, der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden!

Psalm 30

1 Ein Psalm; ein Lied zur Einweihung des Hauses. Von David.
2 Ich will dich erheben[120]d.h. groß machen, deine Größe bekanntmachen. , o Herr, denn du hast mich herausgezogen, daß meine Feinde sich nicht freuen durften über mich.
3 Herr, mein Gott, zu dir habe ich geschrieen, und du hast mich geheilt.
4 Herr, du hast meine Seele aus dem Totenreich[121]hebr. Scheol; im AT der Aufenthaltsort der Toten bis zur Auferstehung oder dem endgültigen Gericht. heraufgebracht; du hast mich belebt aus denen, die in die Grube hinabfahren.
5 Lobsingt dem Herrn, ihr seine Getreuen, und preist seinen heiligen Namen!
6 Denn sein Zorn währt einen Augenblick, seine Gnade aber lebenslang; am Abend kehrt das Weinen ein und am Morgen der Jubel.
7 Und ich sprach, als es mir gut ging: »Ich werde ewiglich nicht wanken!«
8 Herr, durch deine Gnade hattest du meinen Berg fest hingestellt; als du aber dein Angesicht verbargst, wurde ich bestürzt.
9 Zu dir, Herr, rief ich; zu dem Herrn flehte ich [um Gnade]:
10 »Wozu ist mein Blut gut, wenn ich in die Grube fahre? Wird dir der Staub danken, wird er deine Treue verkündigen?
11 Höre, o Herr, und sei mir gnädig; Herr, sei du mein Helfer!«
12 Du hast mir meine Klage in einen Reigen verwandelt; du hast mein Trauergewand[122]w. mein Sacktuch. gelöst und mich mit Freude umgürtet,
13 damit man dir zu Ehren lobsinge und nicht schweige. O Herr, mein Gott, ich will dich ewiglich preisen!

Psalm 31

1 Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids.[123]Dieser Psalm weist prophetisch auf die Leiden des Messias (Christus); V. 6 spricht der sterbende Erlöser am Kreuz (Lk 23,46).
2 Bei dir, o Herr, habe ich Zuflucht gefunden; laß mich niemals[124]w. in Ewigkeit nicht. zuschanden werden; errette mich durch deine Gerechtigkeit!
3 Neige dein Ohr zu mir, rette mich rasch; sei mir ein starker Fels, eine feste Burg zu meiner Rettung!
4 Denn du bist mein Fels und meine Festung, führe und leite du mich um deines Namens willen!
5 Befreie mich aus dem Netz, das sie mir heimlich gestellt haben; denn du bist meine Schutzwehr.
6 In deine Hand befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott!
7 Ich hasse die, welche trügerische Götzen verehren,[125]w. welche Nichtigkeiten verehren. und ich, ich vertraue auf den Herrn.
8 Ich will frohlocken und mich freuen an deiner Gnade, denn du hast mein Elend angesehen, du hast auf die Nöte meiner Seele geachtet
9 und hast mich nicht ausgeliefert in die Hand des Feindes, sondern hast meine Füße in weiten Raum gestellt.
10 Sei mir gnädig, o Herr, denn mir ist angst; vor Gram sind schwach geworden mein Auge, meine Seele und mein Leib;
11 denn mein Leben ist dahingeschwunden in Kummer und meine Jahre mit Seufzen; meine Kraft ist gebrochen durch meine Schuld, und meine Gebeine sind schwach geworden.
12 Vor all meinen Feinden bin ich zum Hohn geworden, meinen Nachbarn allermeist, und ein Schrecken meinen Bekannten; die mich auf der Gasse sehen, fliehen vor mir.
13 Ich bin in Vergessenheit geraten, aus dem Sinn gekommen wie ein Toter; ich bin geworden wie ein zertrümmertes Gefäß.
14 Denn ich habe die Verleumdung vieler gehört – Schrecken ringsum! –, als sie sich miteinander berieten gegen mich; sie trachten danach, mir das Leben zu nehmen.
15 Aber ich vertraue auf dich, o Herr; ich sage: Du bist mein Gott!
16 In deiner Hand steht meine Zeit[126]w. sind meine Zeiten od. Geschicke. ; rette mich aus der Hand meiner Feinde und von meinen Verfolgern!
17 Laß dein Angesicht leuchten über deinem Knecht; rette mich durch deine Gnade!
18 Herr, laß mich nicht zuschanden werden, denn ich rufe dich an! Zuschanden werden sollen die Gottlosen, verstummen im Totenreich!
19 Die Lügenlippen sollen zum Schweigen gebracht werden, die frech reden gegen den Gerechten mit Hochmut und Verachtung!
20 Wie groß ist deine Güte, die du denen bewahrst, die dich fürchten, und die du an denen erzeigst, die bei dir Zuflucht suchen angesichts der Menschenkinder.
21 Du verbirgst sie im Schutz deines Angesichts[127]d.h. deiner Gegenwart. vor den Verschwörungen der Menschen; du verbirgst sie in einer Hütte vor dem Gezänk der Zungen.
22 Gelobt sei der Herr, denn er hat mir seine Gnade wunderbar erwiesen in einer festen Stadt!
23 Ich hatte zwar in meiner Bestürzung gesagt: »Ich bin verstoßen von deinen Augen!« Doch du hast die Stimme meines Flehens gehört, als ich zu dir schrie.
24 Liebt den Herrn, alle seine Frommen! Der Herr bewahrt die Treuen, und er vergilt reichlich dem, der hochmütig handelt.
25 Seid stark, und euer Herz fasse Mut, ihr alle, die ihr auf den Herrn harrt!

Psalm 32

1 Von David. Ein Maskil[128]bed. verm. Unterweisungsgedicht od. Weisheitslied (dasselbe hebr. Wort wie die »Verständigen« in Dan 11,33; 12,3.10). .
1 Wohl dem, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist!
2 Wohl dem Menschen, dem der Herr keine Schuld anrechnet, und in dessen Geist keine Falschheit ist!
3 Als ich es verschwieg, da verfielen meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag.
4 Denn deine Hand lag schwer auf mir Tag und Nacht, so daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürr wird. (Sela.)
5 Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg meine Schuld nicht; ich sprach: »Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen!« Da vergabst du mir meine Sündenschuld. (Sela.)
6 Darum soll jeder Getreue dich bitten zu der Zeit, da du zu finden bist; wenn dann große Wasser einherfluten, werden sie ihn gewiß nicht erreichen.
7 Du bist mein Schutz, du behütest mich vor Bedrängnis, du umgibst mich mit Rettungsjubel! (Sela.)
8 – »Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, auf dem du wandeln sollst; ich will dir raten, mein Auge auf dich richten.
9 Seid nicht wie das Roß und das Maultier, die keinen Verstand haben; mit Zaum und Gebiß, ihrem Geschirr, muß man sie bändigen, weil sie sonst nicht zu dir nahen!« –
10 Der Gottlose hat viele Plagen; wer aber dem Herrn vertraut, den wird er mit Gnade umgeben.
11 Freut euch an dem Herrn und seid fröhlich, ihr Gerechten[129]hebr. zaddik. , und jubelt alle, die ihr aufrichtigen Herzens seid!

Psalm 33

1 Jauchzt dem Herrn, ihr Gerechten! Den Aufrichtigen ziemt Lobgesang.
2 Preist den Herrn mit der Laute, lobsingt ihm auf der zehnsaitigen Harfe!
3 Singt ihm ein neues Lied, spielt gut mit Posaunenschall!
4 Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig[130]od. verläßlich / richtig; w. gerade. , und all sein Tun ist Treue.
5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist erfüllt von der Güte des Herrn.
6 Die Himmel sind durch das Wort des Herrn gemacht, und ihr ganzes Heer durch den Hauch[131]hebr. ruach (= Hauch / Wind / Geist). seines Mundes.
7 Er türmt die Wasser des Meeres auf wie einen Damm und sammelt die Fluten in Speicher.
8 Die ganze Erde fürchte den Herrn, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnt!
9 Denn er sprach, und es geschah; er gebot, und es stand da.
10 Der Herr macht den Ratschluß der Heiden zunichte, er vereitelt die Gedanken der Völker.
11 Der Ratschluß des Herrn bleibt ewig bestehen, die Gedanken seines Herzens von Geschlecht zu Geschlecht.
12 Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er sich zum Erbe erwählt hat!
13 Der Herr schaut herab vom Himmel, er sieht alle Menschenkinder;
14 von der Stätte seiner Wohnung schaut er auf alle Bewohner der Erde.
15 Er, der ihnen allen das Herz gebildet hat, er gibt auch acht auf alle ihre Werke.
16 Einem König ist nicht geholfen mit viel Heeresmacht, ein Held wird nicht gerettet durch große Kraft;
17 das Roß ist trügerisch und kann nicht retten, und trotz seiner großen Stärke kann man nicht entfliehen.
18 Siehe, das Auge des Herrn achtet auf die, welche ihn fürchten, die auf seine Gnade harren,
19 damit er ihre Seele vom Tod errette und sie am Leben erhalte in der Hungersnot.
20 Unsere Seele harrt auf den Herrn; er ist unsere Hilfe und unser Schild.
21 Ja, an ihm wird unser Herz sich freuen, denn wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.
22 Deine Gnade, o Herr, sei über uns, wie wir es von dir erhoffen![132]od. gleichwie wir auf dich hoffen / harren.

Psalm 34

1 Von David.[133]Die Anfangsbuchstaben der Verse 2-22 folgen, abgesehen von einer Auslassung, im Hebräischen der alphabetischen Ordnung. Als er sich wahnsinnig stellte vor Abimelech und dieser ihn von sich wegtrieb und er fortging.
2 Ich will den Herrn preisen allezeit, sein Lob soll immerzu in meinem Mund sein.
3 Meine Seele rühme sich des Herrn; die Elenden sollen es hören und sich freuen.
4 Erhebt mit mir den Herrn, und laßt uns miteinander seinen Namen erhöhen!
5 Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir und rettete mich aus allen meinen Ängsten.
6 Die auf ihn blicken, werden strahlen, und ihr Angesicht wird nicht beschämt.
7 Als dieser Elende rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten.
8 Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und er rettet sie.
9 Schmeckt und seht, wie freundlich[134]od. gütig / gut. der Herr ist; wohl dem, der auf ihn traut!
10 Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen; denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.
11 Junge Löwen leiden Not und Hunger; aber die den Herrn suchen, müssen nichts Gutes entbehren.
12 Kommt her, ihr Kinder, hört auf mich; ich will euch die Furcht des Herrn lehren!
13 Wer ist der Mann, der Leben begehrt, der sich Tage wünscht, an denen er Gutes schaut?
14 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, daß sie nicht betrügen;
15 weiche vom Bösen und tue Gutes, suche den Frieden und jage ihm nach!
16 Die Augen des Herrn achten auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien;
17 das Angesicht des Herrn steht gegen die, welche Böses tun, um ihr Andenken von der Erde zu vertilgen.
18 Wenn jene rufen, so hört der Herr und rettet sie aus all ihrer Bedrängnis.
19 Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und er hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind.
20 Der Gerechte muß viel Böses erleiden; aber aus allem rettet ihn der Herr.
21 Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, daß nicht eines von ihnen zerbrochen wird.
22 Den Gottlosen wird das Böse töten, und die den Gerechten hassen, müssen es büßen[135]od. müssen ihre Schuld tragen (vgl. dasselbe Wort in Ps 5,10). .
23 Der Herr erlöst die Seele seiner Knechte, und alle, die auf ihn vertrauen, werden es nicht zu büßen haben.

Psalm 35

1 Von David.
1 Herr, führe meine Sache gegen meine Widersacher, streite mit denen, die gegen mich streiten!
2 Ergreife Kleinschild und Langschild und erhebe dich, um mir zu helfen!
3 Zücke den Speer und tritt meinen Verfolgern entgegen; sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Rettung!
4 Es sollen beschämt und zuschanden werden, die mir nach dem Leben trachten; es sollen zurückweichen und schamrot werden, die mein Unglück wollen!
5 Sie sollen werden wie Spreu vor dem Wind, und der Engel des Herrn bringe sie zu Fall!
6 Ihr Weg sei finster und glatt, und der Engel des Herrn verfolge sie!
7 Denn ohne Ursache haben sie mir heimlich ihr Netz gestellt, ohne allen Grund meiner Seele eine Grube gegraben.
8 So soll ihn unversehens Verderben ereilen; und das Netz, das er heimlich gestellt hat, soll ihn selber fangen, so daß er ins Verderben stürzt.
9 Aber meine Seele soll sich freuen am Herrn und frohlocken über seine Rettung!
10 Alle meine Gebeine sollen sagen: Herr, wer ist dir gleich, der du den Elenden errettest von dem, der stärker ist als er, ja, den Elenden und Armen von dem, der ihn beraubt!
11 Es treten ungerechte Zeugen auf; sie stellen mich zur Rede über Dinge, von denen ich nichts weiß.
12 Sie vergelten mir Gutes mit Bösem; verwaist ist meine Seele.
13 Ich aber legte das Trauergewand an, als sie krank waren; ich beugte meine Seele mit Fasten und betete gesenkten Hauptes für sie;[136]w. und mein Gebet kehrte auf meine Brust zurück.
14 ich ging einher, als wäre es mein Freund, mein Bruder, und lief trauernd[137]w. schwarz gekleidet. gebeugt, wie einer, der um seine Mutter Leid trägt.
15 Dennoch freuen sie sich, wenn ich wanke, und rotten sich zusammen; Lästermäuler sammeln sich gegen mich, ich weiß nicht warum; sie lästern ohne Aufhören.
16 Mit gottlosen Schmarotzern fletschen sie die Zähne über mich.
17 O Herr, wie lange willst du zusehen? Befreie meine Seele von ihrem Gebrüll, meine einsame von den Löwen!
18 Ich will dir danken in der großen Gemeinde, unter zahlreichem Volk will ich dich rühmen.
19 Es sollen sich nicht über mich freuen, die mir ohne Ursache feind sind; es sollen nicht mit den Augen zwinkern, die mich ohne Grund hassen;
20 denn sie reden nicht, was zum Frieden dient, sondern ersinnen Verleumdungen gegen die Stillen im Land.
21 Sie sperren ihr Maul weit auf über mich und rufen: »Haha, haha! Nun sieht es unser Auge!«
22 Du hast es gesehen, o Herr; schweige nicht! Herr, sei nicht fern von mir!
23 Erhebe dich und erwache, um mir Recht zu schaffen, für meine Sache, mein Gott und mein Herr!
24 Schaffe mir Recht nach deiner Gerechtigkeit, Herr, mein Gott, daß sie sich nicht freuen dürfen über mich,
25 daß sie nicht sagen können in ihren Herzen: »Haha, so haben wir's gewollt!« Laß sie nicht sagen: »Wir haben ihn verschlungen!«
26 Es sollen alle zuschanden werden und sich schämen, die sich über mein Unglück freuen; in Scham und Schande sollen sich kleiden, die gegen mich großtun.
27 Aber jauchzen und fröhlich sein sollen alle, die meine Rechtfertigung wünschen; sie sollen allezeit sagen: Der Herr sei hochgelobt, der das Heil seines Knechtes will![138]od. der Wohlgefallen hat am Frieden / Wohlergehen seines Knechtes.
28 Und meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit, von deinem Lob allezeit!

Psalm 36

1 Dem Vorsänger. Von David, dem Knecht des Herrn.
2 Ein Urteil über die Abtrünnigkeit des Gottlosen [kommt] aus der Tiefe meines Herzens: Die Gottesfurcht gilt nichts vor seinen Augen!
3 Denn es schmeichelt ihm in seinen Augen, seine Missetat zu vollbringen, zu hassen.
4 Die Worte seines Mundes sind Lug und Trug; er hat aufgehört, verständig zu sein und Gutes zu tun.
5 Auf seinem Lager brütet er Bosheit aus, er stellt sich auf einen Weg, der nicht gut ist; das Böse verabscheut er nicht. –
6 Herr, deine Gnade reicht bis zum Himmel, deine Treue bis zu den Wolken!
7 Deine Gerechtigkeit ist wie die Berge Gottes, deine Gerichte sind wie die große Flut; du, o Herr, rettest Menschen und Tiere.
8 Wie köstlich ist deine Gnade, o Gott, daß Menschenkinder Zuflucht finden unter dem Schatten deiner Flügel!
9 Sie laben sich an den reichen Gütern deines Hauses, mit dem Strom deiner Wonne tränkst du sie.
10 Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht.
11 Erweise deine Gnade auch weiterhin denen, die dich kennen, und deine Gerechtigkeit denen, die aufrichtigen Herzens sind!
12 Laß den Fuß der Hochmütigen mich nicht erreichen, und die Hand der Gottlosen mich nicht vertreiben!
13 Dort sind die Übeltäter gefallen; sie wurden niedergestoßen und konnten nicht mehr aufstehen.

Psalm 37

1 Von David.[139]In diesem Psalm beginnen je 4 Verszeilen (6 in den Versen 14-15) mit demselben Buchstaben; die Folge der Anfangsbuchstaben entspricht dem hebr. Alphabet.
1 Erzürne dich nicht über die Bösen, und ereifere dich nicht über die Übeltäter!
2 Denn sie werden schnell verdorren wie das Gras und verwelken wie das grüne Kraut.
3 Vertraue auf den Herrn und tue Gutes, wohne im Land und übe Treue;
4 und habe deine Lust[140]od. dein Wohlgefallen / Verlangen. am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt!
5 Befiehl dem Herrn deinen Weg, und vertraue auf ihn, so wird er es vollbringen.
6 Ja, er wird deine Gerechtigkeit aufgehen lassen wie das Licht und dein Recht wie den hellen Mittag.
7 Halte still dem Herrn und warte auf ihn! Erzürne dich nicht über den, dessen Weg gelingt, über den Mann, der Arglist übt.
8 Steh ab vom Zorn und laß den Grimm; erzürne dich nicht! Es entsteht nur Böses daraus.
9 Denn die Übeltäter werden ausgerottet; die aber auf den Herrn harren, werden das Land erben.
10 Nur noch eine kurze Zeit, so wird der Gottlose nicht mehr sein, und wenn du dich nach seiner Wohnung erkundigst, ist er nicht mehr da.
11 Aber die Sanftmütigen[141]od. die Gebeugten / Elenden. werden das Land erben und sich großen Friedens erfreuen.
12 Der Gottlose heckt Pläne aus gegen den Gerechten und knirscht gegen ihn mit den Zähnen;
13 aber der Herr lacht über ihn; denn er sieht[142]Andere Übersetzung: hat dafür gesorgt. , daß sein Tag kommt.
14 Die Gottlosen haben das Schwert gezückt und ihren Bogen gespannt, um den Elenden und Armen zu fällen und die umzubringen, die aufrichtig[143]w. gerade. wandeln.
15 Ihr Schwert wird in ihr eigenes Herz dringen, und ihre Bogen werden zerbrechen!
16 Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser als der Überfluß vieler Gottloser.
17 Denn die Arme der Gottlosen werden zerbrochen, aber die Gerechten stützt der Herr.
18 Der Herr kennt die Tage der Rechtschaffenen, und ihr Erbe wird ewiglich bestehen.
19 Sie sollen nicht zuschanden werden zur bösen Zeit, sondern genug haben auch in den Tagen der Hungersnot.
20 Aber die Gottlosen werden umkommen, und die Feinde des Herrn sind wie die Pracht der Auen; sie vergehen, im Rauch vergehen sie.
21 Der Gottlose borgt und zahlt nicht zurück; der Gerechte aber ist barmherzig und gibt.
22 Denn die von Ihm Gesegneten werden das Land erben, aber die von Ihm Verfluchten sollen ausgerottet werden.
23 Vom Herrn werden die Schritte des Mannes bestätigt, wenn Ihm sein Weg gefällt.
24 Fällt er, so wird er nicht hingestreckt liegenbleiben; denn der Herr stützt seine Hand.
25 Ich bin jung gewesen und alt geworden, doch habe ich nie den Gerechten verlassen gesehen, oder seinen Samen[144]d.h. seine Nachkommen. um Brot betteln.
26 Er ist allezeit barmherzig und leiht gern, und sein Same wird zum Segen.
27 Weiche vom Bösen und tue Gutes, so wirst du ewiglich bleiben!
28 Denn der Herr hat das Recht lieb und verläßt seine Getreuen nicht; sie werden ewiglich bewahrt, aber der Same der Gottlosen wird ausgerottet.
29 Die Gerechten werden das Land erben und für immer darin wohnen.
30 Der Mund des Gerechten verkündet Weisheit, und seine Zunge redet Recht.
31 Das Gesetz[145]od. die Weisung / Lehre (hebr. torah). seines Gottes ist in seinem Herzen, und seine Schritte wanken nicht.
32 Der Gottlose lauert auf den Gerechten und sucht ihn zu töten.
33 Aber der Herr wird ihn nicht seiner Hand überlassen und ihn nicht verurteilen, wenn er gerichtet wird.
34 Harre auf den Herrn und bewahre seinen Weg, so wird er dich erhöhen, daß du das Land erbst. Wenn die Gottlosen ausgerottet werden, wirst du es sehen!
35 Ich sah einen Gottlosen, der war gewalttätig und breitete sich aus wie ein grünender, tiefwurzelnder Baum.
36 Aber als man wieder vorbeiging, da war er nicht mehr; ich suchte ihn, doch er war nicht mehr zu finden.
37 Achte auf den Unschuldigen und sieh auf den Aufrichtigen; denn für den Mann des Friedens gibt es eine Zukunft!
38 Die Übertreter jedoch werden allesamt vertilgt, und die Zukunft der Gottlosen wird abgeschnitten.
39 Die Rettung der Gerechten kommt von dem Herrn; er ist ihre Zuflucht zur Zeit der Drangsal.
40 Der Herr wird ihnen beistehen und sie erretten, er wird sie erretten von den Gottlosen und ihnen helfen; denn sie bergen sich bei ihm.

Psalm 38

1 Ein Psalm Davids. Zum Gedenken.
2 Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn, züchtige mich nicht in deinem Grimm!
3 Denn deine Pfeile haben mich getroffen, und deine Hand liegt schwer auf mir.
4 Es ist nichts Unversehrtes an meinem Fleisch vor deinem Zorn, nichts Heiles an meinen Gebeinen wegen meiner Sünde.
5 Denn meine Verschuldungen gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie, zu schwer für mich.
6 Meine Wunden stinken und eitern um meiner Torheit willen.
7 Ich bin tief gebeugt und niedergedrückt; ich gehe trauernd einher den ganzen Tag;
8 denn meine Lenden sind voll Brand, und es ist nichts Unversehrtes an meinem Fleisch.
9 Ich bin ganz kraftlos und zermalmt; ich schreie vor Unruhe meines Herzens.
10 O Herr, all mein Verlangen ist vor dir offenbar, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen!
11 Mein Herz pocht heftig, meine Kraft hat mich verlassen, und selbst das Licht meiner Augen ist mir geschwunden.
12 Meine Lieben und Freunde stehen abseits wegen meiner Plage, und meine Nächsten halten sich fern.
13 Die mir nach dem Leben trachten, legen mir Schlingen, und die mein Unglück suchen, besprechen meinen Untergang; sie ersinnen Lügen den ganzen Tag.
14 Ich aber bin wie ein Tauber und höre nichts, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut.
15 Ja, ich bin wie einer, der nichts hört, und in dessen Mund kein Widerspruch ist.
16 Denn auf dich, Herr, harre ich; du wirst antworten, o Herr, mein Gott!
17 Denn ich sagte: Daß sie nur nicht über mich frohlocken, nicht großtun gegen mich, wenn mein Fuß wankt!
18 Denn ich bin nahe daran zu fallen, und mein Schmerz ist stets vor mir.
19 Denn ich bekenne meine Schuld und bin bekümmert wegen meiner Sünde.
20 Meine Feinde aber gedeihen und sind mächtig, und zahlreich sind, die mich unter falschem Vorwand hassen.
21 Die mir Gutes mit Bösem vergelten sind meine Widersacher[146]od. befeinden mich durch Anklagen; das hebr. Wort ist eng mit Satan = »Widersacher / Verkläger« verwandt. , weil ich dem Guten nachjage.
22 Verlaß mich nicht, o Herr! Mein Gott, sei nicht fern von mir!
23 Eile zu meiner Hilfe, o Herr, mein Heil!

Psalm 39

1 Dem Vorsänger, dem Jeduthun. Ein Psalm Davids.
2 Ich habe gesagt: Ich will auf meine Wege achten, daß ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinen Mund im Zaum halten, solange der Gottlose vor mir ist.
3 Ich war gänzlich verstummt, schwieg auch vom Guten, aber mein Schmerz fraß in mir.
4 Mein Herz entbrannte in mir, durch mein Nachsinnen wurde ein Feuer entzündet, da redete ich mit meiner Zunge:
5 Laß mich mein Ende wissen, o Herr, und was das Maß meiner Tage ist, damit ich erkenne, wie vergänglich ich bin!
6 Siehe, nur Handbreiten lang hast du meine Tage gemacht, und die Dauer meines Lebens ist wie nichts vor dir. Wahrlich, jeder Mensch, wie fest er auch steht, ist nur ein Hauch! (Sela.)
7 Ja, als Schattenbild geht der Mensch einher; nur um Nichtigkeit machen sie so viel Lärm! Er häuft auf und weiß nicht, wer es einsammeln wird.
8 Und nun, Herr, worauf soll ich hoffen? Meine Hoffnung gilt dir allein!
9 Errette mich von allen meinen Übertretungen, mache mich nicht dem Narren zum Gespött!
10 Ich schweige und tue meinen Mund nicht auf; denn du hast es getan.[147]od. du, du hast es so gefügt.
11 Nimm deine Plage von mir, denn ich vergehe wegen der Schläge deiner Hand!
12 Wenn du jemand züchtigst mit Strafen um der Sünde willen, so läßt du seine Schönheit vergehen wie die Motte – jeder Mensch ist nur ein Hauch! (Sela.)
13 Herr, höre mein Gebet und vernimm mein Schreien! Schweige nicht zu meinen Tränen; denn ich bin ein Fremdling bei dir,[148]d.h. in Kanaan, dem Land Gottes (vgl. 3Mo 25,23). ein Gast wie alle meine Väter.
14 Blicke weg von mir, damit ich wieder froh werde, bevor ich dahinfahre und nicht mehr bin!

Psalm 40

1 Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids.
2 Beharrlich habe ich auf den Herrn geharrt, da neigte er sich zu mir und erhörte mein Schreien.
3 Er zog mich aus der Grube des Verderbens, aus dem schmutzigen Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels; er machte meine Schritte fest
4 und gab mir ein neues Lied in meinen Mund, ein Lob für unseren Gott. Das werden viele sehen und sich fürchten und werden auf den Herrn vertrauen.
5 Wohl dem, der sein Vertrauen auf den Herrn setzt und sich nicht zu den Aufgeblasenen wendet und zu den abtrünnigen Lügnern.
6 Herr, mein Gott, [wie] zahlreich sind die Wunder, die du getan hast, und deine Pläne, die du für uns gemacht hast; dir ist nichts gleich! Wollte ich sie verkündigen und davon reden – es sind zu viele, um sie aufzuzählen.
7 Opfer und Gaben[149]d.h. Friedensopfer (vgl. 3Mo 3) und Speisopfer (vgl. 3Mo 2). hast du nicht gewollt; Ohren aber hast du mir bereitet;[150]w. gegraben. Der Ausdruck weist hin auf die Bildung der Gehörgänge bei der Entwicklung des Kindes im Mutterleib. Hier steht das Ohr, das den Gehorsam betont, als Teil für das Ganze, den Leib. Im NT wird dieser Vers ausdeutend wiedergegeben mit: »… einen Leib aber hast du mir bereitet« (Hebr 10,5). Brandopfer und Sündopfer[151]vgl. 3Mo 1 bzw. 3Mo 4. hast du nicht verlangt.
8 Da sprach ich: Siehe, ich komme, in der Buchrolle steht von mir geschrieben;
9 deinen Willen zu tun, mein Gott, begehre ich, und dein Gesetz ist in meinem Herzen.
10 Ich habe Gerechtigkeit als frohe Botschaft verkündigt in der großen Gemeinde[152]d.h. in der Versammlung (hebr. kahal) des Volkes Israel (vgl. u.a. 1Chr 29,10; Ps 22,23.26; Joh 18,20). ; siehe, ich will meine Lippen nicht verschließen, Herr, das weißt du!
11 Deine Gerechtigkeit verbarg ich nicht in meinem Herzen, ich redete von deiner Wahrheit und von deinem Heil; deine Gnade und Wahrheit verschwieg ich nicht vor der großen Gemeinde.
12 Du, Herr, wollest dein Herz nicht vor mir verschließen; laß deine Gnade und deine Wahrheit mich allezeit behüten!
13 Denn Übel ohne Zahl haben mich umringt, meine Verschuldungen haben mich ergriffen; ich kann sie nicht überschauen; sie sind zahlreicher als die Haare meines Hauptes, und mein Mut hat mich verlassen.
14 Herr, laß es dir gefallen, mich zu retten; Herr, eile mir zu Hilfe!
15 Es sollen sich alle schämen und schamrot werden, die mir nach dem Leben trachten, um es wegzuraffen; es sollen zurückweichen und zuschanden werden, die mein Unglück suchen!
16 Erstarren sollen wegen ihrer eigenen Schmach, die zu mir sagen: »Haha, haha«!
17 Es sollen fröhlich sein und sich freuen in dir alle, die dich suchen; die dein Heil lieben, sollen allezeit sagen: »Der Herr ist groß!«
18 Bin ich auch elend und arm – für mich sorgt der Herr. Du bist meine Hilfe und mein Retter; mein Gott, säume nicht!

Psalm 41

1 Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids.
2 Wohl dem, der sich des Armen annimmt; der Herr wird ihn erretten zur bösen Zeit.
3 Der Herr wird ihn bewahren und am Leben erhalten, er wird glücklich gepriesen im Land; ja, du wirst ihn nicht der Gier seiner Feinde ausliefern!
4 Der Herr wird ihn erquicken[153]d.h. ihm helfen, ihn durchtragen und stärken. auf seinem Krankenlager; du machst, daß es ihm besser geht, wenn er krank ist.
5 Ich sprach: Herr, sei mir gnädig! Heile meine Seele, denn ich habe gegen dich gesündigt!
6 Meine Feinde wünschen mir Unglück: »Wann wird er sterben, daß sein Name untergeht?«
7 Und wenn einer kommt, um mich zu besuchen, so redet er Lügen; sein Herz sammelt sich Bosheit, er geht hinaus und spricht davon.
8 Alle, die mich hassen, flüstern miteinander über mich; sie haben mir Böses zugedacht:
9 »Ein Belialsspruch[154]od. eine nichtswürdige Sache. haftet ihm an; wenn er daliegt, steht er nicht wieder auf!«
10 Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß,[155]ein Zeichen der Gemeinschaft und eine Verpflichtung, Frieden zu halten (vgl. Jos 9,14). hat die Ferse gegen mich erhoben.
11 Du aber, Herr, sei mir gnädig und richte mich auf, so will ich es ihnen vergelten.
12 Daran erkenne ich, daß du Gefallen an mir hast, daß mein Feind nicht über mich triumphieren darf.
13 Mich aber hast du in meiner Lauterkeit erhalten und läßt mich vor deinem Angesicht stehen auf ewig.
14 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen, ja, Amen![156]Amen = »Das ist gewiß« / »So sei es«. V. 14 markiert als Refrain das Ende des ersten Psalmbuches (vgl. Ps 72,18-19; 89,53; 106,48).

Zweites Buch

(Psalm 42 – 72)

Psalm 42

1 Dem Vorsänger. Von den Söhnen Korahs. Ein Maskil.
2 Wie ein Hirsch lechzt[157]od. schreit / verlangt. nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele, o Gott, nach dir!
3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und vor Gottes Angesicht erscheinen?
4 Meine Tränen sind meine Speise bei Tag und bei Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist [nun] dein Gott?
5 Daran will ich denken, und meine Seele in mir ausschütten, wie ich dahinzog im Gedränge, mit ihnen feierlich dahinschritt zum Haus Gottes unter lautem Jubel und Lobgesang, in der feiernden Menge.
6 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken für die Rettung, die von seinem Angesicht kommt![158]w. für die Rettung / Hilfe (hebr. jeschuah) seines Angesichts; d.h. die von ihm persönlich, von seiner Gegenwart ausgeht.
7 Mein Gott, meine Seele ist betrübt in mir; darum gedenke ich an dich im Land des Jordan und der Hermongipfel, am Berg Mizar.
8 Eine Flut ruft der anderen beim Rauschen deiner Wasserstürze; alle deine Wellen und Wogen sind über mich gegangen.
9 Am Tag wird der Herr seine Gnade entbieten, und in der Nacht wird sein Lied bei mir sein, ein Gebet zu dem Gott meines Lebens.
10 Ich will sprechen zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muß ich trauernd einhergehen, weil mein Feind mich bedrängt?
11 Wie Zermalmung meiner Gebeine ist der Hohn meiner Bedränger, weil sie täglich zu mir sagen: Wo ist [nun] dein Gott?
12 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meine Rettung[159]w. die Rettung meines Angesichts; d.h. meine ganz persönliche Rettung; so auch Ps 43,5. und mein Gott ist!

Psalm 43

1 Schaffe mir Recht, o Gott, und führe meine Sache gegen ein unbarmherziges[160]od. treuloses / liebloses. Volk; errette mich von dem Mann der Lüge und des Unrechts!
2 Denn du bist der Gott, der mich schützt; warum verwirfst du mich? Warum muß ich trauernd einhergehen, weil mein Feind mich bedrängt?
3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten, mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen,
4 daß ich komme zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dich preise auf der Laute, o Gott, mein Gott!
5 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meine Rettung und mein Gott ist!

Psalm 44

1 Dem Vorsänger. Von den Söhnen Korahs. Ein Maskil.
2 O Gott, mit unseren eigenen Ohren haben wir es gehört, unsere Väter haben es uns erzählt, was du für Taten getan hast zu ihrer Zeit, in den Tagen der Vorzeit!
3 Du hast mit deiner Hand die Heidenvölker vertrieben, sie aber gepflanzt; du hast Völker zerschmettert, sie aber ausgebreitet.
4 Denn nicht mit ihrem Schwert haben sie das Land gewonnen, und nicht ihr Arm hat ihnen geholfen, sondern deine rechte Hand und dein Arm und das Licht deines Angesichts; denn du hattest Wohlgefallen an ihnen.
5 Du bist derselbe, mein König, o Gott; gebiete du Rettung für Jakob!
6 Durch dich wollen wir unsere Feinde niederstoßen; in deinem Namen wollen wir unsere Widersacher zertreten.
7 Denn ich verlasse mich nicht auf meinen Bogen, und mein Schwert kann mir nicht helfen;
8 sondern du rettest uns von unseren Feinden und machst zuschanden, die uns hassen.
9 In Gott rühmen wir uns alle Tage, und deinen Namen loben wir ewiglich. (Sela.)
10 Und doch hast du uns verworfen und zuschanden werden lassen und bist nicht ausgezogen mit unseren Heerscharen.
11 Du hast uns zurückweichen lassen vor dem Feind, und die uns hassen, haben sich Beute geraubt.
12 Du hast uns wie Schafe zum Fraß hingegeben und hast uns unter die Heiden zerstreut.
13 Du hast dein Volk um ein Geringes verkauft und hast nicht viel dafür verlangt.
14 Du hast uns der Beschimpfung unserer Nachbarn ausgesetzt, dem Spott und Hohn derer, die uns umgeben.
15 Du hast uns zum Sprichwort unter den Heiden gemacht, daß die Völker den Kopf über uns schütteln.
16 Alle Tage ist meine Schmach vor mir, und Scham bedeckt mein Angesicht
17 wegen der Stimme des Spötters und Lästerers, wegen des Feindes, des Rachgierigen.
18 Dies alles ist über uns gekommen, und doch haben wir dich nicht vergessen, noch treulos gehandelt gegen deinen Bund.
19 Unser Herz hat sich nicht zurückgewandt, noch sind unsere Schritte abgewichen von deinem Pfad;
20 dennoch hast du uns zermalmt am Ort der Schakale und uns mit Todesschatten bedeckt.
21 Hätten wir den Namen unseres Gottes vergessen und unsere Hände ausgestreckt zu einem fremden Gott,
22 würde Gott das nicht erforschen? Er kennt ja die Geheimnisse des Herzens.
23 Ja, um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir geachtet.
24 Herr, erhebe dich! Warum schläfst du? Wache auf und verstoße uns nicht für immer!
25 Warum verbirgst du dein Angesicht und vergißt unser Elend und unsere Bedrängnis?
26 Denn unsere Seele ist in den Staub gebeugt, und unser Leib klebt am Erdboden.
27 Mache dich auf und komm uns zu Hilfe, und erlöse uns um deiner Gnade willen!

Psalm 45

1 Dem Vorsänger. Nach [der Melodie] »Lilien«.[161]hebr. Schoschannim (vgl. Ps 60,1; 69,1; 80,1). Von den Söhnen Korahs. Ein Maskil; ein Lied der Liebe.[162]Dieser Psalm wird im NT auf den Messias (Christus) gedeutet (vgl. Hebr 1,8).
2 Mein Herz fließt über mit einem lieblichen Lied.[163]od. von einem schönen Wort. Ich sage: Meine Gedichte sind für den König bestimmt, meine Zunge ist der Griffel eines gewandten Schreibers.
3 Du bist schöner als die Menschenkinder; Gnade[164]od. Anmut / Huld (vgl. Lk 4,22). ist ausgegossen über deine Lippen; darum hat Gott dich gesegnet auf ewig.
4 Gürte dein Schwert an die Seite, du Held, deine Majestät und deine Pracht!
5 In deiner Pracht fahre siegreich einher[165]d.h. auf dem königlichen Streitwagen. für die Sache der Wahrheit, der Sanftmut und Gerechtigkeit, und deine Rechte lehre dich furchterregende Taten!
6 Deine Pfeile sind scharf, sie unterwerfen dir die Völker; sie dringen ins Herz der Feinde des Königs.
7 Dein Thron, o Gott, bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reiches[166]od. deiner Königsherrschaft. ist ein Zepter des Rechts!
8 Du liebst die Gerechtigkeit und haßt die Gesetzlosigkeit, darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl, mehr als deine Gefährten.
9 Nach Myrrhe, Aloe und Kassia duften deine Kleider; Saitenspiel erfreut dich aus Palästen von Elfenbein.
10 Königstöchter stehen in deinem Schmuck, die Gemahlin zu deiner Rechten in Gold von Ophir.
11 Höre, Tochter, schau her und neige dein Ohr; vergiß dein Volk und das Haus deines Vaters!
12 Und wird der König deine Schönheit begehren – denn er ist dein Herr –, so huldige ihm!
13 Und die Tochter Tyrus [wird kommen] mit Geschenken; die Reichsten des Volkes werden deine Gunst suchen.
14 Ganz herrlich ist die Königstochter im Innern; aus gewirktem Gold ist ihr Gewand.
15 In gestickten Kleidern wird sie dem König zugeführt; die Jungfrauen, die sie begleiten, ihre Gefährtinnen, sie werden zu dir gebracht.
16 Man führt sie mit Freuden und Frohlocken, und sie ziehen ein in den Palast des Königs.
17 An die Stelle deiner Väter werden deine Söhne treten, du wirst sie als Fürsten einsetzen im ganzen Land.
18 Ich will deinen Namen verkünden in allen Geschlechtern; darum werden dich die Völker preisen immer und ewiglich.

Psalm 46

1 Dem Vorsänger. Von den Söhnen Korahs. Auf Alamoth.[167]w. die Jungfrauen; d.h. wohl: auf der oberen Oktave (in der Tenorlage) zu singen. Ein Lied.
2 Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, ein Helfer, bewährt in Nöten.[168]Andere Übersetzung: ein Helfer, der in Nöten sehr gegenwärtig ist / sich leicht finden läßt.
3 Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die Erde umgekehrt wird und die Berge mitten ins Meer sinken,
4 wenn auch seine Wasser wüten und schäumen und die Berge zittern vor seinem Ungestüm. (Sela.)
5 Ein Strom mit seinen Bächen erfreut die Stadt Gottes, das Heiligtum der Wohnungen des Höchsten.
6 Gott ist in ihrer Mitte, sie wird nicht wanken; Gott wird ihr helfen, wenn der Morgen anbricht.
7 Die Völker toben, die Königreiche wanken; wenn Er seine Stimme erschallen läßt, dann zerschmilzt die Erde.
8 Der Herr der Heerscharen ist mit uns; der Gott Jakobs ist unsere sichere Burg! (Sela.)
9 Kommt her, schaut die Werke des Herrn, der Verwüstungen angerichtet hat auf Erden,
10 der den Kriegen ein Ende macht bis ans Ende der Erde, der den Bogen zerbricht, den Speer zerschlägt und die Wagen mit Feuer verbrennt!
11 »Seid still und erkennt, daß ich Gott bin; ich werde erhaben sein unter den Völkern, ich werde erhaben sein auf der Erde!«
12 Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsere sichere Burg! (Sela.)

Psalm 47

1 Dem Vorsänger. Von den Söhnen Korahs. Ein Psalm.
2 Klatscht in die Hände, ihr Völker alle! Jauchzt Gott zu mit fröhlichem Schall!
3 Denn der Herr, der Höchste, ist zu fürchten, ein großer König über die ganze Erde.
4 Er wird die Völker uns unterwerfen und die Nationen unter unsere Füße.
5 Er wird unser Erbteil für uns erwählen, den Stolz Jakobs, den er geliebt hat. (Sela.)
6 Gott ist aufgefahren mit Jauchzen, der Herr mit Hörnerschall.
7 Lobsingt Gott, lobsingt! Lobsingt unserem König, lobsingt!
8 Denn Gott ist König der ganzen Erde; lobsingt mit Einsicht!
9 Gott herrscht über die Völker; Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.
10 Die Edlen der Völker haben sich versammelt [und] das Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Schilde[169]ein bildhaftes Wort für Herrscher. der Erde; er ist sehr erhaben.

Psalm 48

1 Ein Lied; ein Psalm. Von den Söhnen Korahs.
2 Groß ist der Herr und hoch zu loben in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berg.
3 Schön erhebt sich, die Freude der ganzen Erde,[170]od. des ganzen Landes. der Berg Zion auf der Seite des Nordens – die Stadt des großen Königs.[171]Der Berg Zion in Jerusalem erhebt sich – von der Davidsstadt am Südabhang aus gesehen – in nördlicher Richtung. Auf dem höchsten Punkt befand sich das Allerheiligste des Tempels. Jerusalem ist die Stadt des Messias-Königs.
4 Gott hat in ihren Palästen als sichere Burg sich kundgetan.
5 Denn siehe, die Könige hatten sich verbündet und waren miteinander herangezogen.
6 Sie sahen – da staunten sie; sie erschraken und flohen ängstlich davon.
7 Zittern ergriff sie dort, Wehen wie eine Gebärende.
8 Du zerbrichst die Tarsisschiffe durch einen Sturm von Osten.
9 Wie wir es gehört haben, so haben wir es gesehen in der Stadt des Herrn der Heerscharen, in der Stadt unsres Gottes. Gott wird sie erhalten bis in Ewigkeit! (Sela.)
10 Wir gedenken, o Gott, an deine Gnade inmitten deines Tempels.
11 Wie dein Name, o Gott, so reicht auch dein Ruhm bis an die Enden der Erde; deine Rechte ist voller Gerechtigkeit.
12 Der Berg Zion freut sich, die Töchter Judas frohlocken um deiner Gerichte willen.
13 Geht rings um Zion, geht rings um sie herum, zählt ihre Türme!
14 Beachtet ihre Bollwerke, durchschreitet ihre Paläste, damit ihr es erzählt dem künftigen Geschlecht,
15 daß dieser Gott unser Gott ist für immer und ewig; er führt uns über den Tod hinaus!

Psalm 49

1 Dem Vorsänger. Von den Söhnen Korahs. Ein Psalm.
2 Hört dies, ihr Völker alle, horcht doch auf, alle Bewohner der Welt,
3 ihr Menschenkinder und Herrensöhne, alle miteinander, reich und arm!
4 Mein Mund soll Weisheit reden und das Denken meines Herzens verständig sein.
5 Ich will mein Ohr zu einer Gleichnisrede neigen und beim Lautenspiel mein Rätsel eröffnen.
6 Warum sollte ich mich fürchten zur bösen Zeit, wenn mich die Missetat meiner Verfolger umringt?
7 Sie verlassen sich auf ihr Vermögen und prahlen mit ihrem großen Reichtum.
8 Und doch vermag kein Bruder den anderen zu erlösen;[172]d.h. kein Mensch kann den anderen loskaufen aus seiner Schuld und dem göttlichen Gericht (vgl. 2Mo 21,30; Mi 6,7; Hi 33,24). er kann Gott das Lösegeld nicht geben
9 – zu teuer ist die Erlösung ihrer Seelen, er muß davon abstehen auf ewig! –,
10 damit er für immer leben könnte, die Grube nicht sähe.
11 Denn er sieht ja, daß die Weisen sterben; der Tor und der Narr kommen miteinander um und müssen ihr Vermögen andern überlassen.
12 Ihr Trachten ist, daß ihre Häuser ewig bestehen sollen, ihre Wohnungen auf alle Geschlechter hin; sie nennen Ländereien nach ihrem Namen.
13 Aber der Mensch in seiner Pracht bleibt nicht; er gleicht dem Vieh, das umgebracht wird.
14 Dieser ihr Weg ist ihre Torheit, und doch haben ihre Nachkommen Wohlgefallen an ihren Worten. (Sela.)
15 Herdenweise sinken sie ins Totenreich hinab; der Tod weidet sie, und die Redlichen werden am Morgen über sie herrschen. Das Totenreich verzehrt ihre Gestalt fern von ihrer Wohnung.
16 Aber Gott wird meine Seele aus der Gewalt des Totenreichs erlösen; denn er wird mich aufnehmen![173]od. denn er wird mich hinwegnehmen (vgl. 1Mo 5,24). (Sela.)
17 Fürchte dich nicht, wenn einer reich wird, wenn die Herrlichkeit seines Hauses groß wird;
18 denn bei seinem Tod nimmt er das alles nicht mit, seine Herrlichkeit fährt ihm nicht nach!
19 Denn er preist sich glücklich, solange er lebt – und man lobt dich, wenn es dir gut geht! –,
20 bis auch er eingehen wird zum Geschlecht seiner Väter, die in Ewigkeit das Licht nicht sehen.
21 Der Mensch, der in [seiner] Pracht lebt und doch ohne Einsicht ist, er gleicht dem Vieh, das umgebracht wird!

Psalm 50

1 Ein Psalm Asaphs[174]Asaph bed. »Sammler«. .
1 Der Mächtige, Gott der Herr[175]hebr. El, Elohim Jahweh. , er redet und ruft die Erde vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
2 Aus Zion, der Schönheit Vollendung, erscheint Gott im Lichtglanz.
3 Unser Gott kommt und schweigt nicht; verzehrendes Feuer geht vor ihm her, und rings um ihn stürmt es gewaltig.
4 Er ruft dem Himmel droben zu und der Erde, damit er sein Volk richte:
5 »Versammelt mir meine Getreuen, die den Bund mit mir schlossen über dem Opfer!«
6 Und der Himmel verkündet seine Gerechtigkeit, daß Gott selbst Richter ist. (Sela.)
7 »Höre, mein Volk, so will ich reden; Israel, ich lege gegen dich Zeugnis ab! Ich bin Gott, dein Gott.
8 Deiner Opfer wegen will ich dich nicht tadeln, sind doch deine Brandopfer stets vor mir.
9 Ich will keinen Stier aus deinem Haus nehmen, keine Böcke aus deinen Hürden;
10 denn mir gehören alle Tiere des Waldes, das Vieh auf tausend Bergen.
11 Ich kenne alle Vögel auf den Bergen, und was sich auf dem Feld regt, ist mir bekannt.
12 Wenn ich hungrig wäre, so würde ich es dir nicht sagen; denn mir gehört der Erdkreis und was ihn erfüllt.
13 Sollte ich etwa Stierfleisch essen oder Blut von Böcken trinken?
14 Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde;
15 und rufe mich an am Tag der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich ehren!«
16 Zu dem Gottlosen aber spricht Gott: »Was zählst du meine Satzungen auf und nimmst meinen Bund in deinen Mund,
17 da du doch Zucht[176]od. Zurechtweisung / Unterweisung. haßt und meine Worte verwirfst[177]od. mißachtest; w. hinter dich wirfst. ?
18 Siehst du einen Dieb, so freundest du dich mit ihm an, und mit Ehebrechern hast du Gemeinschaft;
19 deinen Mund läßt du Böses reden, und deine Zunge knüpft Betrug.
20 Du sitzt da und redest gegen deinen Bruder; den Sohn deiner Mutter verleumdest du.
21 Das hast du getan, und ich habe geschwiegen; da meintest du, ich sei gleich wie du. Aber ich will dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen!
22 Seht doch das ein, die ihr Gott vergeßt, damit ich nicht hinwegraffe, und keiner rettet!
23 Wer Dank opfert, der ehrt mich, und wer [seinen] Weg [recht] ausrichtet,[178]od. in Ordnung bringt; d.h. wer bereit ist, umzukehren und seinen Weg und Lebenswandel nach Gottes Willen auszurichten. dem zeige ich das Heil Gottes!«

Psalm 51

1 Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids.
2 Als der Prophet Nathan zu ihm kam, weil er zu Bathseba eingegangen war:
3 O Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte; tilge meine Übertretungen nach deiner großen Barmherzigkeit!
4 Wasche mich völlig [rein] von meiner Schuld und reinige mich von meiner Sünde;
5 denn ich erkenne meine Übertretungen, und meine Sünde ist allezeit vor mir.
6 An dir allein habe ich gesündigt und getan, was böse ist in deinen Augen, damit du recht behältst, wenn du redest, und rein dastehst, wenn du richtest.
7 Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.
8 Siehe, du verlangst nach Wahrheit im Innersten[179]w. in den Nieren; d.h. wohl: nach Aufrichtigkeit und Wahrheit im Gewissen (vgl. Fn. zu Ps 16,7). : so laß mich im Verborgenen Weisheit erkennen!
9 Entsündige mich mit Ysop[180]Der Ysop wurde zum Besprengen mit Blut verwendet (vgl. 2Mo 12,22; 3Mo 14,6; Hebr 9,19-22). Evtl. auch eine Anspielung auf 4Mo 19,17-18. , so werde ich rein; wasche mich, so werde ich weißer als Schnee!
10 Laß mich Freude und Wonne hören, damit die Gebeine frohlocken, die du zerschlagen hast.
11 Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden und tilge alle meine Missetaten!
12 Erschaffe mir, o Gott, ein reines Herz,[181]Das Wort erschaffe wird im Hebr. im Sinn einer Neuschöpfung und nur von Gott gebraucht; es steht auch in 1Mo 1,1. und gib mir von neuem einen festen Geist[182]od. erneuere einen gewissen / beständigen Geist. in meinem Innern!
13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.
14 Gib mir wieder die Freude an deinem Heil, und stärke mich mit einem willigen Geist!
15 Ich will die Abtrünnigen deine Wege lehren, daß sich die Sünder zu dir bekehren.
16 Errette mich von Blutschuld, o Gott, du Gott meines Heils, so wird meine Zunge deine Gerechtigkeit jubelnd rühmen.
17 Herr, tue meine Lippen auf, damit mein Mund dein Lob verkündige!
18 Denn an Schlachtopfern[183]In V. 19 u. 21 mit »Opfer« übersetzt. hast du kein Wohlgefallen, sonst wollte ich sie dir geben; Brandopfer gefallen dir nicht.
19 Die Opfer, die Gott gefallen,[184]w. Die Opfer Gottes. sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten.
20 Tue wohl an Zion nach deiner Gnade, baue die Mauern Jerusalems!
21 Dann wirst du Gefallen haben an Opfern der Gerechtigkeit, an Brandopfern und Ganzopfern; dann wird man Stiere darbringen auf deinem Altar!

Psalm 52

1 Dem Vorsänger. Ein Maskil von David.
2 Als Doeg, der Edomiter, kam und Saul anzeigte: David ist in das Haus Achimelechs gegangen!
3 Was rühmst du dich des Bösen, du Tyrann? Die Gnade Gottes ist den ganzen Tag da.
4 Deine Zunge trachtet nach Schaden wie ein scharfes Schermesser, du Betrüger;
5 du ziehst das Böse dem Guten vor, redest lieber Lüge als Gerechtigkeit! (Sela.)
6 Du liebst alle verderblichen Worte, du trügerische Zunge!
7 So wird auch Gott dich stürzen für immer; er wird dich wegraffen und herausreißen aus dem Zelt, und dich ausrotten aus dem Land der Lebendigen! (Sela.)
8 Das werden die Gerechten sehen und sich fürchten, und sie werden über ihn lachen:
9 »Seht, das ist der Mann, der Gott nicht zu seiner Zuflucht machte, sondern sich auf seinen großen Reichtum verließ und durch seine Habgier mächtig wurde!«
10 Ich aber bin wie ein grüner Ölbaum im Haus Gottes; ich vertraue auf die Gnade Gottes für immer und ewig.
11 Ich preise dich ewiglich, denn du hast es vollbracht, und in der Gegenwart deiner Getreuen harre ich auf deinen Namen, weil er so gut ist.

Psalm 53

1 Dem Vorsänger. Nach Machalat.[185]d.h. nach einer schwermütigen Melodie zu singen. Ein Maskil von David.[186]Dieser Psalm unterscheidet sich nur in geringfügigen, aber zu beachtenden Einzelheiten von Ps 14.
2 Der Narr spricht in seinem Herzen: »Es gibt keinen Gott!« Sie handeln verderblich und begehen abscheulichen Frevel; da ist keiner, der Gutes tut.
3 Gott schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob es einen Verständigen gibt, einen, der nach Gott fragt.
4 Sie sind alle abgewichen, allesamt verdorben; es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen einzigen!
5 Haben denn die Übeltäter keine Einsicht, die mein Volk verschlingen, als äßen sie Brot? Gott rufen sie nicht an.
6 Dann aber überfällt sie Furcht, wo nichts zu fürchten ist; denn Gott zerstreut die Gebeine deiner Belagerer; du machst sie zuschanden, denn Gott hat sie verworfen.
7 Ach, daß aus Zion die Rettung für Israel käme! Wenn Gott das Geschick seines Volkes wendet, wird Jakob sich freuen und Israel fröhlich sein.

Psalm 54

1 Dem Vorsänger. Mit Saitenspiel. Ein Maskil von David.
2 Als die Siphiter kamen und zu Saul sprachen: Hält sich nicht David bei uns verborgen?
3 O Gott, rette mich durch deinen Namen, und schaffe mir Recht durch deine Macht!
4 O Gott, erhöre mein Gebet, und achte auf die Reden meines Mundes!
5 Denn Fremde haben sich gegen mich erhoben, und Gewalttätige trachten mir nach dem Leben; sie haben Gott nicht vor Augen. (Sela.)
6 Siehe, Gott ist mein Helfer; der Herr ist es, der mein Leben erhält.
7 Er wird meinen Feinden ihre Bosheit vergelten; vertilge sie nach deiner Treue!
8 Ich will dir opfern aus freiem Trieb; deinen Namen, o Herr, will ich loben, denn er ist gut!
9 Denn er hat mich errettet aus aller Not, und mein Auge sieht seine Lust an meinen Feinden.

Psalm 55

1 Dem Vorsänger. Mit Saitenspiel. Ein Maskil von David.
2 Schenke meinem Gebet Gehör, o Gott, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen!
3 Höre auf mich und antworte mir! Ich bin unruhig in meiner Klage und stöhne
4 vor dem Brüllen des Feindes, vor der Bedrückung des Gottlosen; denn sie wollen Unheil über mich bringen und befeinden mich grimmig!
5 Mein Herz bebt in mir, und die Schrecken des Todes haben mich überfallen;
6 Furcht und Zittern kommt mich an, und Schauder bedeckt mich.
7 Und ich sprach: O daß ich Flügel hätte wie die Taube; ich würde davonfliegen, bis ich Ruhe fände!
8 Siehe, ich wollte weit weg fliehen, mich in der Wüste aufhalten; (Sela.)
9 ich wollte zu meinem Zufluchtsort eilen vor dem brausenden Wind, vor dem Sturm.
10 Vertilge sie, Herr, entzweie sie in ihren Absprachen,[187]w. teile ihre Zunge; d.h. vereitle ihre Ratschläge durch Uneinigkeit. denn ich sehe Gewalttat und Streit in der Stadt!
11 Tag und Nacht gehen sie umher auf ihren Mauern, und in ihrem Inneren ist Unheil und Verderben.
12 Bosheit herrscht in ihrer Mitte, und von ihrem Markt weichen nicht Bedrückung und Betrug.
13 Denn es ist nicht mein Feind, der mich schmäht; das könnte ich ertragen. Nicht mein Hasser tut groß gegen mich; vor dem wollte ich mich verbergen.
14 Aber du bist es, ein Mensch meinesgleichen, mein Freund und mein Vertrauter!
15 [Dabei] hatten wir innige Gemeinschaft miteinander, sind zum Haus Gottes gegangen mit der Menge! –
16 Der Tod überfalle sie! Sie sollen lebendig ins Totenreich fahren, denn Bosheit ist in ihren Wohnungen, in ihrem Inneren.
17 Ich aber rufe zu Gott, und der Herr wird mir helfen.
18 Abends, morgens und mittags will ich beten und ringen,[188]od. will ich klagen und seufzen. so wird er meine Stimme hören.
19 Er hat meine Seele erlöst und ihr Frieden verschafft vor denen, die mich bekriegten; denn viele sind gegen mich gewesen.
20 Gott wird hören und sie demütigen, er, der auf dem Thron sitzt von Urzeit her. (Sela.)
20 Denn sie ändern sich nicht, und sie fürchten Gott nicht. –
21 Er[189]d.h. der Gottlose. hat seine Hand ausgestreckt gegen die, welche in Frieden mit ihm lebten; seinen Bund hat er entweiht.
22 Seine Reden sind glatt wie Butter, aber Krieg hat er im Sinn. Seine Worte sind sanfter als Öl, aber doch gezückte Schwerter.
23 Wirf dein Anliegen auf den Herrn, und er wird für dich sorgen; er wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen!
24 Ja, du, o Gott, wirst sie in die Grube des Verderbens hinunterstoßen; die Blutgierigen und Falschen werden es nicht bis zur Hälfte ihrer Tage bringen. Ich aber vertraue auf dich!

Psalm 56

1 Dem Vorsänger. Nach [der Melodie]: »Die stumme Taube unter den Fremden.« Ein Miktam Davids; als ihn die Philister in Gat ergriffen.
2 O Gott, sei mir gnädig, denn der Mensch wütet gegen mich; den ganzen Tag bekriegt und bedrängt er mich!
3 Meine Widersacher wüten gegen mich den ganzen Tag, ja, viele bekriegen mich voller Hochmut.
4 Wenn mir angst ist, vertraue ich auf dich!
5 In Gott[190]od. durch Gott; d.h. mit Gottes Hilfe; so auch V. 11. will ich rühmen sein Wort; auf Gott vertraue ich und fürchte mich nicht; was kann ein Mensch[191]w. Fleisch. mir antun?
6 Täglich verdrehen sie meine Worte, auf mein Unglück gehen alle ihre Gedanken;
7 sie rotten sich zusammen, verbergen sich; sie beobachten meine Tritte, weil sie auf mein Leben lauern.
8 Sollten sie bei ihrer Bosheit entkommen? O Gott, stürze die Völker nieder im Zorn!
9 Du zählst, wie oft ich fliehen muß; sammle meine Tränen in deinen Schlauch! Stehen sie nicht in deinem Buch?
10 An dem Tag, da ich rufe, weichen meine Feinde zurück; das weiß ich, daß Gott für mich ist.
11 In Gott will ich rühmen das Wort, im Herrn will ich rühmen das Wort.
12 Auf Gott vertraue ich und fürchte mich nicht; was kann ein Mensch mir antun?
13 Die Gelübde, die ich dir, o Gott, gelobte, liegen auf mir; ich will dir Dankopfer entrichten!
14 Denn du hast meine Seele vom Tod gerettet, meine Füße vom Gleiten, damit ich wandle vor dem Angesicht Gottes im Licht des Lebens.[192]od. der Lebendigen.

Psalm 57

1 Dem Vorsänger. »Verdirb nicht.« Von David, ein Miktam, als er vor Saul in die Höhle floh.
2 Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig! Denn bei dir birgt sich meine Seele, und ich nehme Zuflucht unter dem Schatten deiner Flügel, bis das Verderben vorübergezogen ist.
3 Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meine Sache hinausführt.
4 Er wird mir vom Himmel Rettung senden, wird den zum Hohn machen, der gegen mich wütet. (Sela.) Gott wird seine Gnade und Wahrheit senden.
5 Meine Seele ist mitten unter Löwen, ich liege zwischen Feuerbränden, wohne unter Menschenkindern, deren Zähne Speere und Pfeile und deren Zungen scharfe Schwerter sind.
6 Erhebe dich über die Himmel, o Gott, über der ganzen Erde sei deine Herrlichkeit!
7 Sie haben meinen Füßen ein Netz gestellt, meine Seele niedergebeugt; sie haben eine Grube gegraben vor mir – und sie sind selbst hineingefallen! (Sela.)
8 Mein Herz ist getrost, o Gott, mein Herz ist getrost, ich will singen und spielen.
9 Wach auf, meine Seele, Harfe und Laute, wacht auf! Ich will die Morgenröte wecken.
10 Herr, ich will dich preisen unter den Völkern, ich will dir lobsingen unter den Nationen!
11 Denn groß bis zum Himmel ist deine Gnade, und deine Treue bis zu den Wolken!
12 Erhebe dich über die Himmel, o Gott, über der ganzen Erde sei deine Herrlichkeit!

Psalm 58

1 Dem Vorsänger. »Verdirb nicht.« Von David, ein Miktam.
2 Seid ihr denn wirklich stumm, wo ihr Recht sprechen, wo ihr ein richtiges Urteil fällen solltet, ihr Menschenkinder?
3 Statt dessen schmiedet ihr Unrecht im Herzen; im Land teilen eure Hände Gewalttat aus.
4 Die Gottlosen sind abtrünnig von Mutterleib an, die Lügner gehen auf dem Irrweg von Geburt an.
5 Ihr Gift ist wie Schlangengift, sie sind wie eine taube Otter, die ihr Ohr verschließt,
6 die nicht hört auf die Stimme der Beschwörer, des Zauberers, der kundig ist in Zaubersprüchen.
7 O Gott, zerbrich ihnen die Zähne im Maul; Herr, zerschmettere den jungen Löwen das Gebiß!
8 Laß sie zerrinnen wie Wasser, das sich verläuft! Legt er seine Pfeile an, so seien sie wie abgeschnitten!
9 Sie sollen sein wie eine Schnecke, die dahingeht und zerfließt, wie die Fehlgeburt einer Frau, welche nie die Sonne sah!
10 Ehe noch eure Töpfe heiß werden vom Dornfeuer, wird er sie hinwegfegen, sei es roh, sei es in Gluthitze.
11 Der Gerechte wird sich freuen, wenn er die Rache sieht, und wird seine Füße baden im Blut des Gottlosen.
12 Und die Leute werden sagen: Der Gerechte empfängt doch seine Frucht; es gibt doch einen Gott, der richtet auf Erden!

Psalm 59

1 Dem Vorsänger. »Verdirb nicht.« Von David, ein Miktam, als Saul das Haus bewachen ließ, um ihn zu töten.
2 Mein Gott, rette mich von meinen Feinden, beschütze mich vor meinen Widersachern!
3 Rette mich von den Übeltätern, und hilf mir gegen die Blutgierigen![193]od. rette mich von den Männern des Blutes.
4 Denn siehe, sie lauern auf mein Leben, Starke sammeln sich gegen mich, ohne mein Verschulden und ohne daß ich gesündigt hätte, o Herr!
5 Gegen einen Unschuldigen laufen und rüsten sie sich; erwache, komm mir entgegen und sieh!
6 Ja, du, Herr, Gott der Heerscharen, du Gott Israels, erwache, um alle Heiden heimzusuchen; sei keinem der ruchlosen Verräter gnädig! (Sela.)
7 Sie kommen jeden Abend, heulen wie die Hunde und laufen in der Stadt umher.
8 Siehe, sie geifern mit ihrem Mund, Schwerter sind auf ihren Lippen; denn [sie denken:] »Wer hört es?«
9 Du aber, o Herr, lachst über sie, du spottest über alle Heiden.
10 Angesichts ihrer Macht[194]w. seiner [d.h. des Feindes] Macht. will ich auf dich harren; denn Gott ist meine sichere Burg.
11 Mein Gott wird mir entgegenkommen mit seiner Gnade; Gott wird mich meine Lust sehen lassen an meinen Feinden.
12 Töte sie nicht, damit mein Volk es nicht vergißt; laß sie umherirren durch deine Macht und stürze sie nieder, Herr, unser Schild!
13 Das Wort ihres Mundes ist nichts als Sünde; sie sollen sich verstricken in ihrem Hochmut wegen des Fluches und wegen der Lüge, die sie aussprechen.
14 Vertilge sie im Zorn, vertilge sie, damit sie nicht mehr sind, damit man erkennt, daß Gott in Jakob herrscht bis an die Enden der Erde! (Sela.)
15 Jeden Abend kommen sie wieder, heulen wie die Hunde und laufen in der Stadt umher;
16 sie irren umher nach Fraß; wenn sie nicht satt werden, so bleiben sie über Nacht.
17 Ich aber will deine Macht besingen und jeden Morgen deine Gnade rühmen, daß du mir eine sichere Burg warst, und ein Zufluchtsort am Tag meiner Bedrängnis.
18 Ich will dir lobsingen, meine Stärke; denn Gott ist meine sichere Burg, der Gott, der mir Gnade erweist!

Psalm 60

1 Dem Vorsänger. Nach [der Melodie] »Lilie«. Ein Zeugnis. Ein Miktam von David; zum Lehren.
2 Als er mit den Aramäern von Naharajim und mit den Aramäern von Zoba gekämpft hatte, und Joab zurückkehrte und die Edomiter im Salztal schlug, zwölftausend Mann.
3 O Gott, du hast uns verworfen, du hast uns zerstreut, du bist zornig gewesen; stelle uns wieder her!
4 Du hast das Land erschüttert und zerspalten; heile seine Brüche; denn es wankt!
5 Du hast dein Volk Hartes sehen lassen; du tränktest uns mit Taumelwein.
6 Du hast denen, die dich fürchten, ein Banner gegeben,[195]od. ein Feldzeichen (als Signal für eine Armee). Andere Übersetzung: Gib denen,  daß sie sich erheben um der Wahrheit willen. (Sela.)
7 Damit deine Geliebten befreit werden, rette durch deine Rechte und erhöre uns!
8 Gott hat gesprochen in seinem Heiligtum: »Ich will frohlocken! Ich will Sichem verteilen und das Tal Sukkoth ausmessen;
9 Gilead gehört mir, und Manasse gehört mir, und Ephraim ist die Festung meines Hauptes, Juda mein Herrscherstab;
10 Moab ist mein Waschbecken, auf Edom werfe ich meinen Schuh,[196]Eine zeichenhafte Handlung, die die Unterwerfung des Landes anzeigt. jauchze mir zu, Philisterland!«
11 Wer führt mich in die feste Stadt, wer geleitet mich nach Edom?
12 Hast du uns, o Gott, nicht verstoßen, und ziehst nicht aus, o Gott, mit unseren Heeren?
13 Schaffe uns Hilfe in der Drangsal; Menschenhilfe ist ja nichtig!
14 Mit Gott werden wir Gewaltiges vollbringen, und er wird unsere Feinde zertreten.

Psalm 61

1 Dem Vorsänger. Mit Saitenspiel. Von David.
2 Höre, o Gott, mein Schreien, achte auf mein Gebet!
3 Vom Ende der Erde rufe ich zu dir, da mein Herz verschmachtet: Führe du mich auf den Felsen, der mir zu hoch ist!
4 Denn du bist meine Zuflucht geworden, ein starker Turm vor dem Feind.[197]Andere Übersetzung: Sei du meine Zuflucht 
5 Laß mich ewiglich wohnen in deinem Zelt, mich bergen im Schatten deiner Flügel! (Sela.)
6 Denn du, o Gott, hast auf meine Gelübde gehört, du hast mir das Erbteil derer gegeben, die deinen Namen fürchten.
7 Verleihe dem König langes Leben, daß seine Jahre Geschlechter überdauern![198]w. Füge Tage hinzu zu den Tagen des Königs, / daß seine Jahre seien wie Geschlecht und Geschlecht.
8 Er bleibe ewiglich vor Gottes Angesicht; gib, daß Gnade und Treue ihn behüten!
9 So will ich deinem Namen lobsingen allezeit, um meine Gelübde zu erfüllen Tag für Tag.

Psalm 62

1 Dem Vorsänger. Für Jeduthun. Ein Psalm Davids.
2 Nur auf Gott wartet still meine Seele; von ihm kommt meine Rettung.
3 Nur er ist mein Fels und mein Heil, meine sichere Burg; ich werde nicht allzusehr wanken.
4 Wie lange lauft ihr alle Sturm gegen einen Mann und wollt ihn zertrümmern wie eine überhängende Wand, eine rissige Mauer?
5 Sie planen nur, ihn von seiner Höhe hinabzustoßen; sie haben Wohlgefallen an Lüge; mit ihrem Mund segnen sie, aber im Herzen fluchen sie. (Sela.)
6 Nur auf Gott wartet still meine Seele; denn von ihm kommt meine Hoffnung.
7 Nur er ist mein Fels und mein Heil, meine sichere Burg; ich werde nicht wanken.
8 Auf Gott ruht mein Heil und meine Ehre; der Fels meiner Stärke,[199]od. mein starker Fels. meine Zuflucht ist in Gott.
9 Vertraue auf ihn allezeit, o Volk, schüttet euer Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuflucht. (Sela.)
10 Nur ein Hauch sind die Menschenkinder, ein Trug die Herrensöhne[200]d.h. die hochgestellten Leute. ; auf der Waage steigen sie empor, sind allesamt leichter als ein Hauch!
11 Verlaßt euch nicht auf erpreßtes Gut und setzt nicht trügerische Hoffnung auf Raub; wenn der Reichtum sich mehrt, so hängt euer Herz nicht daran!
12 Eines hat Gott geredet, zweierlei ist's, was ich gehört habe: daß die Macht bei Gott steht;
13 bei dir, o Herr, steht aber auch die Gnade, denn du vergiltst einem jeden nach seinem Tun!

Psalm 63

1 Ein Psalm Davids, als er in der Wüste Juda war.
2 O Gott, du bist mein Gott; früh[201]od. ernstlich. suche ich dich! Meine Seele dürstet nach dir; mein Fleisch schmachtet nach dir in einem dürren, lechzenden Land ohne Wasser,
3 daß ich deine Macht und Herrlichkeit sehen darf, gleichwie ich dich schaute im Heiligtum.
4 Denn deine Gnade ist besser als Leben; meine Lippen sollen dich rühmen.
5 So will ich dich loben mein Leben lang, in deinem Namen meine Hände aufheben.
6 Meine Seele wird satt wie von Fett und Mark, und mit jauchzenden Lippen lobt dich mein Mund,
7 wenn ich an dich gedenke auf meinem Lager, in den Nachtwachen nachsinne über dich.
8 Denn du bist meine Hilfe geworden, und ich juble unter dem Schatten deiner Flügel.
9 An dir hängt meine Seele; deine Rechte hält mich aufrecht.
10 Jene aber, die meine Seele verderben wollen, werden hinabfahren in die untersten Örter der Erde.
11 Man wird sie der Gewalt des Schwertes preisgeben, eine Beute der Schakale werden sie sein!
12 Der König aber wird sich freuen in Gott; wer bei ihm schwört, wird sich glücklich preisen, doch der Mund der Lügenredner wird gestopft!

Psalm 64

1 Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids.
2 O Gott, höre meine Stimme, wenn ich seufze; behüte meine Seele, wenn der Feind mich schreckt!
3 Verbirg mich vor dem geheimen Rat der Bösen, vor der Rotte der Übeltäter,
4 die ihre Zunge geschärft haben wie ein Schwert, die mit giftigen Worten zielen wie mit Pfeilen,
5 um damit heimlich auf den Unschuldigen zu schießen; plötzlich schießen sie auf ihn ohne Scheu.
6 Sie ermutigen sich zu einer bösen Sache, verabreden sich, heimlich Schlingen zu legen; sie sagen: »Wer wird sie sehen?«
7 Sie ersinnen Tücken: »Wir sind fertig, ersonnen ist der Plan! Und das Innere eines jeden, ja, sein Herz ist unergründlich!«
8 Aber Gott schießt einen Pfeil auf sie, plötzlich werden sie verwundet,
9 und ihre eigene Zunge bringt sie zu Fall, so daß sich jedermann entsetzt, der sie sieht.
10 Da werden sich alle Menschen fürchten und sagen: »Das hat Gott getan!« und erkennen, daß es sein Werk ist.
11 Der Gerechte wird sich freuen im Herrn und auf ihn vertrauen, und alle aufrichtigen Herzen werden sich glücklich preisen.

Psalm 65

1 Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids; ein Lied.
2 Auf dich harrt der Lobgesang, o Gott, in Zion, und dir wird das Gelübde erfüllt werden!
3 Du erhörst Gebet; darum kommt alles Fleisch zu dir.
4 Missetaten überwältigen mich; unsere Übertretungen – du wirst sie sühnen.
5 Wohl dem, den du erwählst und zu dir nahen läßt, daß er wohne in deinen Vorhöfen! Wir werden uns sättigen von den Gütern deines Hauses, deines heiligen Tempels!
6 Du wirst uns antworten durch furchtgebietende [Taten] in Gerechtigkeit, du Gott unseres Heils, du Zuversicht aller Enden der Erde und des fernsten Meeres;
7 der du die Berge gründest in deiner Kraft, der du mit Macht umgürtet bist;
8 der du das Brausen der Meere stillst, das Brausen ihrer Wellen und das Toben der Völker,
9 damit vor deinen Wunderzeichen sich fürchten, die an den Enden [der Erde] wohnen; du läßt jubeln den Osten und den Westen.[202]w. die Ausgänge des Morgens und des Abends.
10 Du suchst das Land[203]od. die Erde. heim und bewässerst es und machst es sehr reich; der Strom Gottes hat Wasser in Fülle. Du läßt ihr Getreide gut geraten, denn so bereitest du [das Land] zu;
11 du tränkst seine Furchen, feuchtest seine Schollen; mit Regenschauern machst du es weich und segnest sein Gewächs.
12 Du krönst das Jahr mit deiner Güte, und deine Fußstapfen triefen von Fett.
13 Es triefen Auen in der Steppe, und mit Jubel gürten sich die Hügel.
14 Die Weiden kleiden sich mit Schafen, und die Täler bedecken sich mit Korn; sie jauchzen, ja, sie singen.

Psalm 66

1 Dem Vorsänger. Ein Lied, ein Psalm.
1 Jauchzt Gott, alle Welt![204]w. ganze Erde (ebenso V. 4).
2 Besingt die Herrlichkeit seines Namens, macht herrlich sein Lob!
3 Sprecht zu Gott: Wie furchtgebietend sind deine Werke! Wegen der Größe deiner Macht schmeicheln dir deine Feinde.
4 Alle Welt wird dich anbeten und dir lobsingen, sie wird deinem Namen lobsingen! (Sela.)
5 Kommt her und schaut die Großtaten Gottes, dessen Tun an den Menschenkindern so furchtgebietend ist!
6 Er verwandelte das Meer in trockenes Land, durch den Strom gingen sie zu Fuß; dort freuten wir uns in ihm.
7 Er herrscht ewiglich in seiner Macht; seine Augen haben acht auf die Heiden. Die Widerspenstigen sollen sich ja nicht [gegen ihn] erheben! (Sela.)
8 Preist unseren Gott, ihr Völker, laßt laut sein Lob erschallen,
9 der unsere Seelen am Leben erhielt und unsere Füße nicht wanken ließ!
10 Denn du hast uns geprüft, o Gott, und hast uns geläutert, wie man Silber läutert.
11 Du hast uns ins Gefängnis geführt, hast unseren Lenden eine schwere Last auferlegt;
12 du hast Menschen über unser Haupt fahren lassen; wir sind in Feuer und Wasser gekommen, aber du hast uns herausgeführt in die Fülle.
13 Ich will mit Brandopfern in dein Haus kommen, will dir meine Gelübde erfüllen,
14 zu denen sich meine Lippen aufgetan hatten, und die mein Mund geredet hatte in meiner Not.
15 Brandopfer von fetten [Schafen] will ich dir darbringen samt dem Rauch von Widdern; Rinder samt Böcken will ich zurichten. (Sela.)
16 Kommt her, hört zu, ihr alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an meiner Seele getan hat!
17 Zu ihm rief ich mit meinem Mund, und [sein] Ruhm war auf meiner Zunge.
18 Hätte ich Unrecht vorgehabt in meinem Herzen, so hätte der Herr nicht erhört;
19 doch wahrlich, Gott hat erhört, er hat geachtet auf die Stimme meines Flehens.
20 Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht abgewiesen noch seine Gnade von mir gewendet hat!

Psalm 67

1 Dem Vorsänger. Mit Saitenspiel. Ein Psalmlied.
2 Gott sei uns gnädig und segne uns; er lasse sein Angesicht leuchten über[205]w. bei uns. uns, (Sela)
3 damit man auf Erden deinen Weg erkenne, unter allen Heidenvölkern dein Heil.
4 Es sollen[206]od. es werden; so auch V. 5 u. 6. dir danken die Völker, o Gott, alle Völker sollen dir danken!
5 Die Nationen sollen sich freuen und jauchzen, weil du die Völker recht richtest und die Nationen auf Erden führst. (Sela.)
6 Es sollen dir danken die Völker, o Gott; alle Völker sollen dir danken!
7 Das Land[207]Andere Übersetzung: die Erde. gibt sein Gewächs; es segne uns Gott, unser Gott.
8 Es segne uns Gott, und alle Enden der Erde sollen ihn fürchten!

Psalm 68

1 Dem Vorsänger. Von David. Ein Psalmlied.
2 Gott wird sich erheben; seine Feinde werden sich zerstreuen, und die ihn hassen, werden vor ihm fliehen![208]od. Gott möge aufstehen. / Seine Feinde sollen sich zerstreuen, / und die ihn hassen, sollen vor ihm fliehen.
3 Wie Rauch vertrieben wird, so wirst du sie vertreiben; wie Wachs vor dem Feuer zerschmilzt, so werden die Gottlosen vergehen vor dem Angesicht Gottes!
4 Die Gerechten aber werden sich freuen und fröhlich sein vor Gottes Angesicht und jubeln vor Freude.
5 Singt Gott, lobsingt seinem Namen! Macht Bahn dem, der durch die Steppen fährt, Herr ist sein Name,[209]w. in Jah ist sein Name. und frohlockt vor ihm!
6 Ein Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen ist Gott, der in seinem Heiligtum wohnt;
7 ein Gott, der Vereinsamten ein Heim gibt, der Gefangene hinausführt ins Glück; aber die Widerspenstigen wohnen in dürrem Land.
8 O Gott, als du auszogst vor deinem Volk her, als du durch die Wüste schrittest, (Sela)
9 da erbebte die Erde, auch die Himmel troffen vor Gottes Angesicht, der Sinai dort vor Gott, dem Gott Israels.
10 Regen in Fülle hast du ausgegossen, o Gott; dein Erbe, das ermattet war, hast du erquickt.
11 Deine Herde wohnte darin; in deiner Güte, o Gott, hast du es für die Elenden zubereitet!
12 Der Herr erläßt sein Wort[210]od. seine Verheißung. ; groß ist die Schar der Siegesbotinnen.
13 Die Könige der Heerscharen, sie fliehen, ja, sie fliehen; und die Bewohnerin des Hauses teilt Beute aus!
14 Wollt ihr zwischen den Hürden liegen? Die Flügel der Taube sind mit Silber überzogen und ihr Gefieder mit schimmerndem Gold!
15 Als der Allmächtige die Könige dort zerstreute, da schneite es auf dem Zalmon[211]ein Berg bei Sichem (vgl. Ri 9,48). .
16 Das Gebirge Baschan ist ein Gottesberg, das Gebirge Baschan ist ein gipfelreicher Berg.
17 Warum beneidet ihr gipfelreichen Berge den Berg, den Gott zu seiner Wohnung begehrt hat, den der Herr auch ewiglich bewohnen wird?
18 Gottes Wagen sind zehntausendmal zehntausend, tausende und abertausende; der Herr ist unter ihnen – [wie am] Sinai in Heiligkeit.[212]d.h. eine Kundgebung der Heiligkeit Gottes wie am Sinai, 2Mo 19.
19 Du bist zur Höhe emporgestiegen, hast Gefangene weggeführt;[213]od. hast die Gefangenschaft gefangen geführt. du hast Gaben empfangen unter den Menschen, auch den Widerspenstigen, damit Gott, der Herr, eine Wohnung habe.
20 Gepriesen sei der Herr! Tag für Tag trägt er unsere Last, Gott ist unser Heil! (Sela.)
21 Gott ist für uns ein Gott der Rettung, und Gott, der Herr,[214]hebr. Jahweh Adonai. hat Auswege aus dem Tod.
22 Gewiß wird Gott das Haupt seiner Feinde zerschmettern, den Haarscheitel dessen, der in seinen Sünden einhergeht.
23 Der Herr hat gesagt: Ich will [sie] von Baschan zurückbringen, ich will [sie] zurückbringen aus den Tiefen des Meeres,
24 damit du sie zerschmetterst, damit dein Fuß im Blut [watet], damit die Zunge deiner Hunde ihr Teil bekommt von den Feinden!
25 Man sieht, o Gott, deinen Einzug, den Einzug meines Gottes, meines Königs, ins Heiligtum:
26 Die Sänger gehen voran, danach die Saitenspieler, inmitten der Jungfrauen, die die Handpauken schlagen.
27 Preist Gott, den Herrn, in den Versammlungen, ihr aus Israels Quell!
28 Dort ist Benjamin, der kleine, [mit] ihrem Herrscher, die Fürsten von Juda mit ihrer Schar, die Fürsten von Sebulon, die Fürsten von Naphtali!
29 Dein Gott hat geboten, daß du stark seist; stärke, o Gott, was du für uns gewirkt hast!
30 Um deines Tempels in Jerusalem willen werden Könige dir Gaben bringen.
31 Schelte das Tier im Schilf,[215]Wohl ein bildhafter Hinweis auf Ägypten (vgl. Hes 29,3-4). die Rotte der starken Stiere samt den Kälbern der Völker,[216]d.h. die Führer der Völker mit ihrer Gefolgschaft. damit sie sich unterwerfen und Silberbarren als Tribut bringen! Zerstreue die Völker, die gerne Krieg führen!
32 Vornehme aus Ägypten werden kommen, Kusch[217]ein Name für die Region von Äthiopien / Sudan / Eritrea. wird eilends seine Hände nach Gott ausstrecken.
33 Ihr Königreiche der Erde, singt Gott, lobsingt dem Herrn, (Sela)
34 dem, der einherfährt am Himmel, am uralten Himmel![218]w. am Himmel der Himmel der Urzeit; der Ausdruck »der Himmel der Himmel« bezeichnet insbesondere das Weltall (vgl. 1Kö 8,27; 2Chr 2,6; 6,18; Neh 9,6; Ps 148,4). Siehe, er läßt seine Stimme erschallen, seine gewaltige Stimme!
35 Gebt Gott das Lob! Seine Hoheit waltet über Israel und seine Macht in den Wolken.
36 Furchtgebietend erweist du dich, o Gott, von deinem Heiligtum aus! Der Gott Israels verleiht seinem Volk Macht und Stärke. Gepriesen sei Gott!

Psalm 69

1 Dem Vorsänger. Nach [der Melodie] »Lilien«. Von David.[219]Das NT bezeugt, daß sich dieser Psalm prophetisch auf die Leiden des Herrn Jesus Christus bezieht (vgl. V. 5 mit Joh 15,25 und V. 10 mit Joh 2,17 und Röm 15,3).
2 Hilf mir, o Gott, denn die Wasser gehen mir bis an die Seele![220]od. bis an den Hals.
3 Ich bin versunken in tiefem Schlamm und habe keinen Stand; ich bin in tiefes Wasser geraten, und die Flut überströmt mich;
4 ich bin müde von meinem Schreien, meine Kehle ist vertrocknet; meine Augen sind verschmachtet im Harren auf meinen Gott.
5 Die mich ohne Ursache hassen, sind zahlreicher als die Haare auf meinem Haupt; die mich verderben wollen, sind mächtig, die ohne Grund mir feind sind; was ich nicht geraubt habe, das soll ich erstatten!
6 O Gott, du kennst meine Torheit, und meine Verschuldungen sind dir nicht verborgen.[221]Am Kreuz wurde Jesus Christus »zur Sünde« gemacht (2Kor 5,21). Dadurch hat er, der Vollkommene und Sündlose, fremde Schuld derart auf sich genommen, als hätte er sie begangen.
7 Laß nicht zuschanden werden an mir, die auf dich hoffen, o du Herrscher[222]od. Herr (hebr. Adonai). , Herr der Heerscharen; laß nicht meinetwegen beschämt werden, die dich suchen, du Gott Israels!
8 Denn um deinetwillen trage ich Schmach, und Schande bedeckt mein Angesicht.
9 Entfremdet bin ich meinen Brüdern und ein Fremder geworden den Söhnen meiner Mutter.
10 Denn der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.
11 Als meine Seele fastete und weinte, wurde ich deshalb beschimpft,
12 und als ich mich mit Sacktuch kleidete, haben sie mich zum Sprichwort gemacht.
13 Die im Tor sitzen, schwatzen von mir, und die Zecher singen von mir beim Saitenspiel.
14 Ich aber bete zu dir, o Herr, zur angenehmen Zeit; o Gott, nach deiner großen Gnade erhöre mich mit deiner treuen Hilfe!
15 Reiße mich aus dem Schlamm, daß ich nicht versinke! Laß mich Rettung finden vor denen, die mich hassen, und aus den Wassertiefen,
16 daß mich die Wasserflut nicht überströmt und mich die Tiefe nicht verschlingt, noch die Grube sich über mir schließt!
17 Erhöre mich, Herr, denn deine Gnade ist freundlich; wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit
18 und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knecht, denn ich bin in Not; erhöre mich eilends!
19 Nahe dich meiner Seele, erlöse sie; um meiner Feinde willen befreie mich!
20 Du weißt um meine Schmach, um meine Schande und Beschimpfung; meine Widersacher sind alle vor dir.
21 Die Schmach hat mein Herz gebrochen, und ich bin elend; ich wartete auf Mitleid, aber da war keines, und auf Tröster, aber ich fand sie nicht.
22 Und sie gaben mir Galle zur Speise und Essig zu trinken in meinem Durst.
23 Ihr Tisch vor ihnen soll zur Schlinge werden und zum Fallstrick den Sorglosen!
24 Ihre Augen sollen finster werden, daß sie nicht mehr sehen, und ihre Lenden sollen allezeit wanken.
25 Gieße deinen Grimm über sie aus, und die Glut deines Zorns erfasse sie;
26 ihre Wohnstätte soll verwüstet werden, und in ihren Zelten wohne niemand mehr!
27 Denn sie verfolgen den, welchen du geschlagen hast, und haben sich unterhalten über die Schmerzen deiner Verwundeten[223]od. deiner Durchbohrten. .
28 Füge Schuld zu ihrer Schuld, und laß sie nicht zu deiner Gerechtigkeit gelangen!
29 Tilge sie aus dem Buch des Lebens; sie sollen nicht eingeschrieben sein mit den Gerechten!
30 Ich aber bin elend und voller Schmerzen; deine Rettung, o Gott, berge mich in der Höhe!
31 Ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied und ihn erheben mit Dank.
32 Das wird dem Herrn angenehmer sein als ein Stier, als ein Jungstier, der Hörner und gespaltene Hufe hat.
33 Wenn das die Elenden sehen, werden sie sich freuen. Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz soll aufleben!
34 Denn der Herr hört auf die Armen und verachtet seine Gefangenen nicht.
35 Himmel und Erde sollen ihn rühmen, die Meere und alles, was sich in ihnen regt!
36 Denn Gott wird Zion retten und die Städte Judas bauen, und man wird dort wohnen und sie besitzen;
37 und der Same seiner Knechte wird sie erben, und die seinen Namen lieben, werden darin wohnen.

Psalm 70

1 Dem Vorsänger. Von David. Zum Gedenken.[224]vgl. Ps 40,14-18.
2 Eile, o Gott, mich zu retten, o Herr, mir zu helfen!
3 Es sollen sich schämen und schamrot werden, die mir nach dem Leben trachten; es sollen zurückweichen und zuschanden werden, die mein Unglück suchen!
4 Es sollen sich zurückziehen wegen ihrer eigenen Schande, die sagen: »Haha, haha!«.
5 Es sollen fröhlich sein und sich an dir freuen alle, die dich suchen; und die dein Heil lieben, sollen allezeit sagen: Gott ist groß!
6 Ich aber bin elend und arm; o Gott, eile zu mir! Meine Hilfe und mein Retter bist du; o Herr, säume nicht!

Psalm 71

1 Bei dir, Herr, suche ich Zuflucht;[225]od. Dir, o Herr, habe ich vertraut. laß mich niemals zuschanden werden!
2 Errette mich durch deine Gerechtigkeit und befreie mich; neige dein Ohr zu mir und hilf mir!
3 Sei mir ein Felsenhorst, zu dem ich stets fliehen kann, der du verheißen hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg.
4 Mein Gott, befreie mich aus der Hand des Gottlosen, aus der Faust des Ungerechten und Gewalttätigen!
5 Denn du bist meine Hoffnung, o Herr, du Herrscher,[226]hebr. Adonai Jahweh. meine Zuversicht von meiner Jugend an.
6 Auf dich habe ich mich verlassen vom Mutterleib an, vom Mutterschoß an hast du für mich gesorgt; mein Rühmen gilt dir allezeit.
7 Ich bin für viele wie ein Wunderzeichen, und du bist meine starke Zuflucht.
8 Mein Mund soll erfüllt sein von deinem Lob, von deiner Verherrlichung allezeit!
9 Verwirf mich nicht in den Tagen des Alters, verlaß mich nicht, wenn meine Kraft abnimmt!
10 Denn meine Feinde reden von mir, und die meiner Seele auflauern, ratschlagen miteinander
11 und sagen: »Gott hat ihn verlassen! Jagt ihm nach und ergreift ihn; denn es gibt keinen Retter!«
12 O Gott, sei nicht fern von mir! Mein Gott, eile mir zu Hilfe!
13 Es sollen sich schämen und vertilgt werden, die meine Seele anfeinden; in Schimpf und Schande sollen sich hüllen, die mein Unglück suchen!
14 Ich aber will beständig harren und noch mehr hinzufügen zu all deinem Ruhm.
15 Mein Mund soll erzählen von deiner Gerechtigkeit, von deinen Hilfserweisen Tag für Tag, die ich nicht zu zählen weiß.
16 Ich will kommen in der Kraft[227]od. Ich gehe in der Kraft  des Herrn, des Herrschers; ich will rühmen deine Gerechtigkeit, dich allein!
17 O Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf, und bis hierher verkündige ich deine Wunder.
18 Und auch wenn ich alt werde, wenn mein Haar ergraut, verlaß mich nicht, o Gott, bis ich deinen Arm verkündige dem künftigen Geschlecht, deine Macht allen, die noch kommen sollen.
19 Und deine Gerechtigkeit, o Gott, reicht bis zur Höhe, denn du hast Großes getan; o Gott, wer ist dir gleich?
20 Der du uns viel Not und Unglück hast sehen lassen, du machst uns wieder lebendig und holst uns wieder herauf aus den Tiefen der Erde.
21 Du machst mich um so größer und tröstest mich wiederum.
22 Darum will auch ich dir danken mit der Harfe, will deine Treue, o mein Gott, besingen, dir auf der Laute spielen, du Heiliger Israels!
23 Meine Lippen sollen jubeln, wenn ich dir lobsinge, und meine Seele, die du erlöst hast.
24 Auch meine Zunge soll täglich von deiner Gerechtigkeit reden; denn beschämt und schamrot wurden, die mein Unglück suchen.

Psalm 72

1 Für Salomo.[228]Andere übersetzen: Von Salomo. Dieser Psalm ist im prophetischen Ausblick auf das herrliche Friedensreich des Messias am Ende der Geschichte Israels geschrieben worden.
1 O Gott, gib deine Rechtssprüche dem König und deine Gerechtigkeit dem Königssohn,
2 damit er dein Volk richte mit Gerechtigkeit und deine Elenden nach dem Recht.
3 Laß die Berge dem Volk Frieden[229]od. Wohlergehen / Heil. spenden und auch die Hügel, durch Gerechtigkeit.
4 Er schaffe den Elenden des Volkes Recht; er helfe den Kindern der Armen und zertrete den Gewalttätigen.
5 So wird man dich fürchten, solange die Sonne besteht, und der Mond, von Geschlecht zu Geschlecht.
6 Er wird herabkommen wie Regen auf die Aue, wie Regenschauer, die das Land bewässern.
7 In seinen Tagen wird der Gerechte blühen, und Fülle von Frieden wird sein, bis der Mond nicht mehr ist.
8 Und er wird herrschen von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden der Erde.
9 Vor ihm werden sich die Wüstenvölker beugen, und seine Feinde werden Staub lecken.
10 Die Könige von Tarsis[230]Tarsis lag in Spanien. und von den Inseln werden Gaben bringen, die Könige von Saba und Seba[231]verm. eine Nation in Süd-Arabien (Saba) bzw. Äthiopien / Nubien (Seba). werden Tribut entrichten.
11 Alle Könige werden sich vor ihm niederwerfen, alle Heidenvölker werden ihm dienen.
12 Denn er wird den Armen retten, wenn er um Hilfe schreit, und den Elenden, der keinen Helfer hat.
13 Über den Geringen und Armen wird er sich erbarmen, und die Seelen der Armen retten.
14 Er wird ihre Seele erlösen aus Bedrückung und Gewalt, und ihr Blut wird kostbar sein in seinen Augen.
15 Und er wird leben, und man wird ihm vom Gold aus Saba geben; und man wird allezeit für ihn beten, täglich wird man ihn segnen[232]od. preisen. .
16 Es wird Überfluß an Getreide sein im Land, bis hinauf zu den Bergeshöhen; wie der Libanon werden seine Fruchtbäume rauschen, und sie werden hervorblühen aus der Stadt wie das Gras auf dem Land.
17 Sein Name bleibt ewiglich; sein Ruhm wird wachsen[233]od. sein Name wird sprossen. , solange die Sonne scheint; in ihm werden gesegnet sein alle Heiden, sie werden ihn glücklich preisen!
18 Gepriesen sei Gott, der Herr, der Gott Israels, der allein Wunder tut!
19 Ja, gepriesen sei sein herrlicher Name ewiglich, und die ganze Erde sei erfüllt von seiner Herrlichkeit! Amen, ja, Amen!
20 Zu Ende sind die Gebete Davids, des Sohnes Isais.

Drittes Buch

(Psalm 73 – 89)

Psalm 73

1 Ein Psalm Asaphs.
1 Nur[234]od. Fürwahr, gut  gut ist Gott gegen Israel, gegen die, welche reinen Herzens sind.
2 Ich aber – fast wäre ich gestrauchelt mit meinen Füßen, wie leicht hätte ich einen Fehltritt getan!
3 Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah.
4 Denn sie leiden keine Qual bis zu ihrem Tod, und ihr Leib ist wohlgenährt.
5 Sie leben nicht in der Not der Sterblichen und sind nicht geplagt wie andere Menschen.
6 Darum ist Hochmut ihr Halsschmuck, und Gewalttat ist das Gewand, das sie umhüllt.
7 Ihr Gesicht strotzt von Fett; sie bilden sich sehr viel ein.[235]w. Ihr Auge schaut aus dem Fett heraus, / die Gedanken ihres Herzens wallen über.
8 Sie höhnen und reden boshaft von Bedrückung, hochfahrend reden sie.
9 Sie reden, als käme es vom Himmel; was sie sagen, muß gelten auf Erden.[236]w. sie setzen ihren Mund in den Himmel; / ihre Zunge ergeht sich auf der Erde.
10 Darum wendet sich auch sein Volk ihnen zu, und es wird von ihnen viel Wasser aufgesogen.[237]d.h. die Worte der Gesetzlosen werden von der Volksmasse bereitwillig aufgenommen.
11 Und sie sagen: »Wie sollte Gott es wissen? Hat denn der Höchste Kenntnis davon?«
12 Siehe, das sind die Gottlosen; denen geht es immer gut, und sie werden reich!
13 Ganz umsonst habe ich mein Herz rein erhalten und meine Hände in Unschuld gewaschen;
14 denn ich bin doch den ganzen Tag geplagt worden, und meine Züchtigung war jeden Morgen da!
15 Wenn ich gesagt hätte: »Ich will ebenso reden!« – siehe, so hätte ich treulos gehandelt am Geschlecht deiner Söhne.
16 So sann ich denn nach, um dies zu verstehen; aber es war vergebliche Mühe in meinen Augen
17 – bis ich in das Heiligtum Gottes ging[238]Andere Übersetzung: bis ich eindrang in das heilige Walten (w. die heiligen Dinge / die Heiligtümer) Gottes. und auf ihr Ende achtgab.
18 Fürwahr, du stellst sie auf schlüpfrigen Boden; du läßt sie fallen, daß sie in Trümmer sinken.
19 Wie sind sie so plötzlich verwüstet worden! Sie sind untergegangen und haben ein Ende mit Schrecken genommen.
20 Wie man einen Traum nach dem Erwachen verschmäht, so wirst du, o Herr, wenn du dich aufmachst,[239]d.h. wenn du aufstehst und dich aufmachst, Gericht zu üben (vgl. Ps 59,5-6). ihr Bild verschmähen.
21 Als mein Herz verbittert war und ich in meinen Nieren das Stechen fühlte,
22 da war ich töricht und verstand nichts; ich verhielt mich wie ein Vieh gegen dich.
23 Und dennoch bleibe ich stets bei dir; du hältst mich bei meiner rechten Hand.
24 Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich danach in Herrlichkeit auf!
25 Wen habe ich im Himmel [außer dir]? Und neben dir begehre ich nichts auf Erden!
26 Wenn mir auch Leib und Seele vergehen, so bleibt doch Gott ewiglich meines Herzens Fels und mein Teil.
27 Denn siehe, die fern von dir sind, gehen ins Verderben; du vertilgst alle, die dir hurerisch die Treue brechen.[240]w. die von dir weg huren. Hurerei (Unzucht) ist im AT häufig ein Bild für geistliche Untreue Gott gegenüber.
28 Mir aber ist die Nähe Gottes köstlich; ich habe Gott, den Herrn, zu meiner Zuflucht gemacht, um alle deine Werke zu verkünden.

Psalm 74

1 Ein Maskil. Von Asaph.
1 O Gott, warum hast du [uns] verworfen für immer, warum raucht dein Zorn gegen die Schafe deiner Weide?
2 Gedenke an deine Gemeinde, die du vorzeiten erworben, an den Stamm deines Erbteils, den du erlöst hast, an den Berg Zion, auf dem du Wohnung genommen hast!
3 Erhebe deine Schritte zu dem Ort, der so lange in Trümmern liegt! Alles hat der Feind verderbt im Heiligtum!
4 Deine Widersacher brüllen in deiner Versammlungsstätte; sie haben ihre Banner als Zeichen aufgestellt.
5 Es sieht aus, als schwänge man oben im Dickicht des Waldes die Axt;
6 und jetzt zerschlagen sie all ihr[241]bezieht sich auf die »Versammlungsstätte« von V. 4, den Tempel in Jerusalem. Schnitzwerk mit Beilen und mit Hämmern.
7 Sie stecken dein Heiligtum in Brand, sie entweihen die Wohnung deines Namens bis auf den Grund!
8 Sie sprechen in ihren Herzen: »Laßt uns sie alle unterdrücken!« Sie verbrennen alle Versammlungsstätten Gottes im Land.
9 Unsere eigenen Zeichen sehen wir nicht; es ist kein Prophet mehr da, und niemand bei uns weiß, wie lange.
10 O Gott, wie lange darf der Widersacher schmähen? Soll der Feind deinen Namen immerfort lästern?
11 Warum ziehst du deine Hand zurück, deine Rechte? [Ziehe sie] hervor aus deinem Gewand, mache ein Ende!
12 Gott ist ja mein König von Urzeit her, der Rettung gab in diesem Land.
13 Du teiltest das Meer durch deine Kraft, du zerschlugst die Köpfe der Drachen auf dem Wasser;
14 du zerschmettertest die Häupter des Leviathan, du gabst ihn dem Volk der Wüstenbewohner zur Speise.
15 Du ließest Quellen und Bäche hervorbrechen, du legtest Ströme trocken, die sonst beständig fließen.
16 Dein ist der Tag, dein ist auch die Nacht, du hast den Mond und die Sonne bereitet.
17 Du hast alle Grenzen des Landes festgesetzt; Sommer und Winter hast du gemacht.
18 Gedenke daran, Herr, wie der Feind dich schmäht, und wie ein schändliches Volk deinen Namen lästert!
19 Gib die Seele deiner Turteltaube[242]eine symbolische Bezeichnung für Israel (vgl. Ps 68,14). nicht dem Raubtier preis, und vergiß das Leben deiner Elenden[243]od. Gebeugten / Demütigen. nicht für immer!
20 Schau hin auf den Bund! Denn die Schlupfwinkel des Landes sind voll Räuberhöhlen[244]w. Wohnungen der Gewalttat. .
21 Laß den Unterdrückten nicht beschämt davongehen, sondern laß die Elenden und Armen deinen Namen preisen!
22 Steh auf, o Gott, führe deine Sache hinaus! Gedenke an die Schmach, die dir täglich von dem Schändlichen widerfährt!
23 Vergiß nicht das Geschrei deiner Widersacher, den Lärm deiner Feinde, der ständig emporsteigt!

Psalm 75

1 Dem Vorsänger. »Verdirb nicht.«[245]vgl. 5Mo 9,26; Ps 58,1; 59,1; Jes 65,8; Röm 14,15. Ein Psalmlied, von Asaph.
2 Wir danken dir, o Gott, wir danken dir, denn nahe ist dein Name; man verkündet deine Wundertaten![246]od. deine Wundertaten verkünden es.
3 »Wenn ich finde, daß die Zeit da ist,[247]w. wenn ich die bestimmte Zeit erfassen werde. so werde ich recht richten.
4 Mag die Erde wanken und alle ihre Bewohner – Ich habe ihre Säulen festgestellt!« (Sela.)
5 Ich sprach zu den Übermütigen: Seid nicht übermütig! und zu den Gottlosen: Erhebt nicht das Horn![248]d.h. brüstet euch nicht in eurer Macht. Das Horn ist ein Zeichen der Stärke und Herrschermacht (vgl. auch V. 11).
6 Erhebt euer Horn nicht hoch, redet nicht mit frech emporgerecktem Hals!
7 Denn weder von Osten noch von Westen, auch nicht von der Wüste her kommt Erhöhung;
8 sondern Gott ist der Richter; den einen erniedrigt, den anderen erhöht er.
9 Denn ein Becher ist in der Hand des Herrn, gefüllt mit schäumendem Würzwein; davon schenkt er ein: sogar seine Hefen[249]d.h. den Bodensatz. müssen schlürfen und trinken alle Gottlosen auf Erden.
10 Ich aber will es ewig verkünden; dem Gott Jakobs will ich lobsingen.
11 Und alle Hörner der Gottlosen will ich abhauen; aber die Hörner des Gerechten sollen erhöht werden!

Psalm 76

1 Dem Vorsänger. Mit Saitenspiel. Ein Psalmlied, von Asaph.
2 Gott ist in Juda bekannt, sein Name ist groß in Israel;
3 in Salem ist sein Zelt[250]od. seine Hütte. Der Tempel in Jerusalem wird als Nachfolger des Zeltes der Zusammenkunft (der Stiftshütte) auch als »Zelt« bzw. »Hütte« bezeichnet (vgl. Jes 4,6; Ps 27,5; 31,21; Hebr 9,6-8; 13,10). und seine Wohnung in Zion.
4 Dort zerbricht er die Blitze[251]bildhaft für Pfeile. des Bogens, Schild, Schwert und Kriegsgerät. (Sela.)
5 Glanzvoll bist du, Mächtiger, über den Bergen von Beute!
6 Die Tapferen werden ausgeplündert; sie sinken in ihren Schlaf, und den Kriegsleuten versagen die Hände.
7 Von deinem Schelten, o Gott Jakobs, sinken Roß und Reiter in tiefen Schlaf!
8 Du bist zu fürchten, und wer kann vor deinem Angesicht bestehen, wenn dein Zorn entbrennt?
9 Wenn du das Urteil vom Himmel erschallen läßt, erschrickt die Erde und hält sich still,
10 wenn Gott sich erhebt zum Gericht, um zu retten alle Elenden im Land. (Sela.)
11 Denn der Zorn des Menschen muß dich preisen, mit dem Rest der Zornesflammen gürtest du dich.
12 Legt Gelübde ab und erfüllt sie dem Herrn, eurem Gott; von allen Seiten soll man Geschenke bringen dem Furchtgebietenden!
13 Er beschneidet den Mut der Fürsten und ist furchtbar gegen die Könige auf Erden.

Psalm 77

1 Dem Vorsänger. Für Jeduthun. Ein Psalm Asaphs.
2 Ich rufe zu Gott und will schreien; zu Gott rufe ich, und er wolle auf mich hören!
3 Zur Zeit meiner Not[252]od. Am Tag meiner Drangsal. suche ich den Herrn; meine Hand ist bei Nacht ausgestreckt und ermüdet nicht, meine Seele will sich nicht trösten lassen.
4 Denke ich an Gott, so muß ich seufzen, sinne ich nach, so ermattet mein Geist. (Sela.)
5 Du hältst meine Augenlider offen; ich werfe mich hin und her und kann nicht reden.
6 Ich gedenke an die alte Zeit, an die Jahre der Urzeit;
7 ich gedenke an mein Saitenspiel in der Nacht, ich sinne in meinem Herzen nach, und es forscht mein Geist:
8 Wird denn der Herr auf ewig verstoßen und niemals wieder gnädig sein?
9 Ist's denn ganz und gar aus mit seiner Gnade, und ist die Verheißung zunichte für alle Geschlechter?
10 Hat denn Gott vergessen, gnädig zu sein, und im Zorn seine Barmherzigkeit verschlossen? (Sela.)
11 Und ich sage: Ich will das erleiden, die Änderungen, welche die rechte Hand des Höchsten getroffen hat.[253]w. Dies ist mein Schmerz: / daß sich geändert hat die rechte Hand des Höchsten; d.h. daß Gottes Rechte nicht mehr schützend und helfend eingreift.
12 Ich will gedenken an die Taten des Herrn; ja, ich gedenke an deine Wunder aus alter Zeit,
13 und ich sinne nach über alle deine Werke und erwäge deine großen Taten:
14 O Gott, dein Weg ist heilig![254]od. dein Weg ist im Heiligtum. Wer ist ein so großer Gott wie du, o Gott?
15 Du bist der Gott, der Wunder tut; du hast deine Macht erwiesen an den Völkern!
16 Du hast dein Volk erlöst mit deinem Arm, die Kinder Jakobs und Josephs. (Sela.)
17 Als dich, o Gott, die Wasser sahen, als dich die Wasser sahen, da brausten sie; ja, das Meer wurde aufgeregt.
18 Die Wolken gossen Wasser aus, es donnerte im Gewölk, und deine Pfeile fuhren daher.
19 Deine Donnerstimme erschallte im Wirbelwind, Blitze erhellten den Erdkreis; die Erde erbebte und zitterte.
20 Dein Weg führte durch das Meer und dein Pfad durch gewaltige Fluten, und deine Fußstapfen waren nicht zu erkennen.
21 Du führtest dein Volk wie eine Herde durch die Hand von Mose und Aaron.

Psalm 78

1 Ein Maskil; von Asaph.
1 Höre, mein Volk, meine Lehre; neigt eure Ohren zu den Reden meines Mundes!
2 Ich will meinen Mund zu einer Gleichnisrede[255]od. zu einem Spruch. öffnen, will Rätsel vortragen aus alter Zeit.
3 Was wir gehört und gelernt haben und was unsere Väter uns erzählt haben,
4 das wollen wir ihren Kindern nicht vorenthalten, sondern den Ruhm des Herrn erzählen dem späteren Geschlecht, seine Macht und seine Wunder, die er getan hat.
5 Denn er hat ein Zeugnis aufgerichtet in Jakob und ein Gesetz gegeben in Israel; und er gebot unseren Vätern, es ihren Kindern zu verkünden,
6 damit das spätere Geschlecht es wisse, die Kinder, die noch geboren werden sollten, damit auch sie aufständen und es ihren Kindern erzählten;
7 damit diese auf Gott ihr Vertrauen setzten und die Taten Gottes nicht vergäßen und seine Gebote befolgten
8 und nicht würden wie ihre Väter, ein trotziges und widerspenstiges Geschlecht, ein Geschlecht, das kein festes Herz hatte, und dessen Geist nicht treu war gegen Gott.
9 Die Söhne Ephraims [waren wie] gerüstete Bogenschützen, die sich umwenden am Tag der Schlacht.
10 Sie bewahrten den Bund Gottes nicht und weigerten sich, nach seinem Gesetz zu wandeln.
11 Und sie vergaßen seine Taten und seine Wunder, die er sie hatte sehen lassen.
12 Vor ihren Vätern hatte er Wunder getan im Land Ägypten, im Gebiet von Zoan.
13 Er spaltete das Meer und führte sie hindurch und türmte die Wasser auf wie einen Damm.
14 Er leitete sie bei Tag mit einer Wolke und mit dem Licht eines Feuers durch die ganze Nacht.
15 Er spaltete Felsen in der Wüste und tränkte sie wie mit großen Fluten;
16 er ließ Bäche aus dem Felsen hervorspringen und Wasser herabfließen in Strömen.
17 Dennoch fuhren sie fort, gegen ihn zu sündigen und den Höchsten zu erzürnen in der Wüste.
18 Und sie versuchten Gott in ihrem Herzen, indem sie Speise forderten für ihr Gelüste.
19 Und sie redeten gegen Gott und sprachen: »Kann Gott uns wohl einen Tisch bereiten in der Wüste?
20 Siehe, er hat den Felsen geschlagen, daß Wasser flossen und Bäche sich ergossen. Kann er aber auch Brot geben? Wird er seinem Volk Fleisch verschaffen?«
21 Darum, als der Herr das hörte, da wurde er zornig, und Feuer entbrannte gegen Jakob, ja, Zorn stieg auf über Israel,
22 weil sie Gott nicht glaubten und nicht auf seine Rettung vertrauten.
23 Und doch hatte er den Wolken droben geboten und die Türen des Himmels geöffnet;
24 und hatte Manna auf sie regnen lassen zum Essen und ihnen Himmelskorn gegeben.
25 Der Mensch aß das Brot der Starken; er sandte ihnen Speise, bis sie satt waren.
26 Er ließ den Ostwind am Himmel hinfahren und führte durch seine Kraft den Südwind herbei;
27 er ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub und Geflügel wie Sand am Meer,
28 und ließ sie mitten in ihr Lager fallen, rings um ihre Wohnung her.
29 Da aßen sie und wurden völlig satt; er gewährte ihnen, wonach sie gelüstet hatten.
30 Sie hatten ihre Begierde noch nicht gestillt, und ihre Speise war noch in ihrem Mund,
31 da erhob sich der Zorn Gottes gegen sie; und er tötete die Vornehmsten[256]od. die Kräftigen. unter ihnen, und die auserwählten [Krieger] Israels streckte er nieder.
32 Trotz alledem sündigten sie weiter und glaubten nicht an seine Wunder.
33 Darum ließ er ihre Tage wie einen Hauch vergehen und ihre Jahre in Schrecken.
34 Wenn er sie schlug, so fragten sie nach ihm und kehrten wieder um und suchten Gott;
35 und sie gedachten daran, daß Gott ihr Fels ist, und Gott, der Höchste, ihr Erlöser.
36 Aber sie heuchelten vor ihm mit ihrem Mund und logen mit ihren Zungen;
37 denn ihr Herz war nicht aufrichtig gegen ihn, und sie hielten nicht treu an seinem Bund fest.
38 Er aber war barmherzig und vergab[257]od. sühnte / bedeckte. die Schuld und vertilgte sie nicht; und oftmals wandte er seinen Zorn ab und erweckte nicht seinen ganzen Grimm;
39 denn er dachte daran, daß sie Fleisch sind,[258]d.h. sterbliche, sündige Menschen. ein Hauch, der dahinfährt und nicht wiederkehrt.
40 Wie oft lehnten sie sich gegen ihn auf in der Wüste und betrübten ihn in der Einöde!
41 Und sie versuchten Gott immer wieder und bekümmerten den Heiligen Israels.
42 Sie gedachten nicht an seine Hand, an den Tag, als er sie von dem Feind erlöste;
43 als er seine Zeichen tat in Ägypten und seine Wunder im Gebiet von Zoan;
44 als er ihre Ströme in Blut verwandelte und ihre Bäche, so daß man nicht trinken konnte;
45 als er Ungeziefer unter sie sandte, das sie fraß, und Frösche, die sie verderbten;
46 als er dem Vertilger[259]ein anderes Wort für die Heuschrecke. ihren Ertrag gab und der Heuschrecke die Frucht ihrer Arbeit;
47 als er ihre Weinstöcke mit Hagel schlug und ihre Maulbeerbäume durch eine verheerende Wasserflut,
48 und ihr Vieh dem Hagel preisgab und ihre Herden den Blitzen;
49 als er gegen sie die Glut seines Zornes entsandte, Wut und Grimm und Drangsal, eine ausgesandte Schar verderbenbringender Engel;
50 als er seinem Zorn den Lauf ließ, ihre Seele nicht vor dem Tod bewahrte, sondern ihr Leben der Pest preisgab;
51 als er alle Erstgeburt in Ägypten schlug, die Erstlinge der Kraft in den Zelten Hams.
52 Und er ließ sein Volk ausziehen wie Schafe und leitete sie wie eine Herde in der Wüste
53 und führte sie sicher, daß sie sich nicht fürchteten; ihre Feinde aber bedeckte das Meer.
54 Und er brachte sie in sein heiliges Land,[260]od. in die Grenzen seines Heiligtums. zu diesem Berg, den seine Rechte erworben hat.
55 Und er vertrieb die Heiden vor ihnen her und teilte ihnen das Erbe aus mit der Meßschnur und ließ in ihren Zelten die Stämme Israels wohnen.
56 Aber sie versuchten Gott, den Höchsten, und waren widerspenstig gegen ihn und bewahrten seine Zeugnisse nicht,
57 sondern sie wichen zurück und fielen ab wie ihre Väter; sie gingen fehl wie ein trügerischer Bogen.
58 Und sie reizten ihn zum Zorn durch ihre Höhen und zur Eifersucht durch ihre Götzenbilder.
59 Gott hörte es und geriet in Zorn, und er verabscheute Israel sehr.
60 Und er verließ[261]od. verwarf. seine Wohnung in Silo, das Zelt, das er unter den Menschen aufgeschlagen hatte;
61 und er gab seine Macht in Gefangenschaft und seine Herrlichkeit in Feindeshand.
62 Er überlieferte sein Volk dem Schwert und war zornig über sein Erbe.
63 Seine jungen Männer verzehrte das Feuer, und seine Jungfrauen mußten ohne Brautlied bleiben.
64 Seine Priester fielen durchs Schwert, und seine Witwen konnten keine Totenklage halten.
65 Da erwachte der Herr wie ein Schlafender, wie ein Held, der aufjauchzt vom Wein.
66 Und er schlug seine Feinde in die Flucht, ewige Schande fügte er ihnen zu.
67 Und er verwarf das Zelt Josephs und erwählte nicht den Stamm Ephraim,
68 sondern er erwählte den Stamm Juda, den Berg Zion, den er liebt.
69 Und er baute sein Heiligtum gleich Himmelshöhen, gleich der Erde, die er auf ewig gegründet hat.
70 Und er erwählte seinen Knecht David und nahm ihn von den Schafhürden weg.
71 Als er den tragenden Schafen nachging, holte Er ihn, daß er Jakob weiden sollte, sein Volk, und Israel, sein Erbe.
72 Und er weidete sie mit aller Treue seines Herzens und leitete sie mit weiser Hand.

Psalm 79

1 Ein Psalm Asaphs.
1 O Gott, es sind Heiden in dein Erbteil eingedrungen! Sie haben deinen heiligen Tempel verunreinigt und Jerusalem zu Trümmerhaufen gemacht!
2 Sie haben die Leichname deiner Knechte den Vögeln des Himmels zur Speise gegeben, das Fleisch deiner Getreuen den wilden Tieren;
3 sie haben ihr Blut vergossen wie Wasser, rings um Jerusalem her, und niemand hat sie begraben.
4 Wir sind ein Hohn geworden für unsere Nachbarn, zu Spott und Schande denen, die uns umgeben!
5 Wie lange, o Herr? Willst du ewiglich zürnen? Soll dein Eifer wie Feuer brennen?
6 Gieße deinen Grimm über die Heiden aus, die dich nicht kennen, und über die Königreiche, die deinen Namen nicht anrufen!
7 Denn man hat Jakob gefressen, und seine Wohnung haben sie verwüstet.
8 Rechne uns nicht die Verschuldungen unserer Vorfahren an; dein Erbarmen komme uns eilends entgegen, denn wir sind sehr geschwächt!
9 Hilf uns, du Gott unseres Heils, um der Ehre deines Namens willen, und rette uns und vergib uns unsere Sünden um deines Namens willen!
10 Warum sollen die Heiden sagen: »Wo ist [nun] ihr Gott?« Laß unter den Heiden offenbar werden vor unseren Augen die Rache für das vergossene Blut deiner Knechte!
11 Laß vor dich kommen das Seufzen des Gefangenen; bewahre durch deinen gewaltigen Arm die dem Tod Geweihten,[262]w. die Kinder des Todes.
12 und vergilt unseren Nachbarn siebenfältig in ihren Schoß ihren Hohn, womit sie dich, Herr, verhöhnt haben!
13 Wir aber, dein Volk und die Schafe deiner Weide[263]d.h. die Herde, die du als Hirte weidest. , wir wollen dir ewiglich danken und deinen Ruhm erzählen von Geschlecht zu Geschlecht.

Psalm 80

1 Dem Vorsänger. Nach der [Melodie] »Lilien«. Ein Zeugnis[264]vgl. Ps 60,1. von Asaph. Ein Psalm.
2 Du Hirte Israels, höre, der du Joseph führst wie Schafe; der du thronst über[265]od. zwischen. den Cherubim, leuchte hervor[266]od. erscheine im Lichtglanz. !
3 Erwecke deine Macht vor Ephraim, Benjamin und Manasse, und komme zu unserer Rettung!
4 O Gott, stelle uns wieder her, und laß dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet!
5 O Herr, Gott der Heerscharen, wie lange noch raucht dein Zorn beim Gebet deines Volkes?
6 Du speist sie mit Tränenbrot und tränkst sie mit einem großen Krug voll Tränen.
7 Du machst uns zum Zankapfel für unsere Nachbarn, und unsere Feinde spotten untereinander.
8 O Gott der Heerscharen, stelle uns wieder her; und laß dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet!
9 Einen Weinstock hast du aus Ägypten herausgebracht;[267]w. herausgerissen. du hast die Heidenvölker vertrieben und ihn gepflanzt.
10 Du machtest Raum vor ihm, daß er Wurzeln schlug und das Land erfüllte;
11 sein Schatten bedeckte die Berge und seine Ranken die Zedern Gottes;
12 er streckte seine Zweige aus bis ans Meer und seine Schoße bis zum Strom.
13 Warum hast du nun seine Mauer niedergerissen, daß alle ihn zerpflücken, die vorübergehen?
14 Der Eber aus dem Wald zerwühlt ihn, und die wilden Tiere des Feldes weiden ihn ab.
15 O Gott der Heerscharen, kehre doch zurück! Blicke vom Himmel herab und sieh, und nimm dich dieses Weinstocks[268]Der Weinstock ist ein Bild für Israel (vgl. Jer 2,21; Hos 10,1). an
16 und des Setzlings, den deine Rechte gepflanzt, des Sohnes, den du dir großgezogen hast!
17 Er ist mit Feuer verbrannt, er ist abgeschnitten, vor dem Schelten deines Angesichts sind sie umgekommen!
18 Deine Hand sei über dem Mann deiner Rechten,[269]d.h. sei zum Schutz und zur Bestätigung (vgl. 5Mo 34,9; Esr 7,6.9) über dem Mann, der zu deiner Rechten ist (vgl. Mk 16,19; Hebr 1,3). über dem Sohn des Menschen, den du dir großgezogen hast,[270]In V. 16 wird Israel als »Sohn« bezeichnet, hier der Messias, »der Sohn des Menschen« (vgl. Ps 8,5; Dan 7,13; Mt 8,20; 26,64), der sich als den »wahren Weinstock« bezeichnete (Joh 15,1).
19 so werden wir nicht von dir weichen. Belebe uns, so wollen wir deinen Namen anrufen!
20 O Herr, Gott der Heerscharen, stelle uns wieder her! Laß dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet!

Psalm 81

1 Dem Vorsänger. Auf der Gittit. Von Asaph.
2 Singt fröhlich Gott, der unsere Stärke ist, jauchzt dem Gott Jakobs!
3 Stimmt ein Lied an und nehmt das Tamburin zur Hand, die liebliche Laute samt der Harfe!
4 Stoßt am Neumond[271]Der Tag des Neumondes, der erste des Monats, wurde nach dem Gesetz als Fest gefeiert (4Mo 28,11-15). Hier geht es um den Monatsanfang des Passahmonats Nisan bzw. Abib (vgl. V. 5-6), dem Neujahrstag des religiösen Jahres (vgl. 2Mo 12,1-2). in das Horn[272]hebr. schophar (ein Tierhorn, vom Widder oder einem anderen rituell reinen Tier, das zu besonderen Anlässen geblasen wurde). , am Vollmond,[273]d.h. in der Nacht des 15. Nisan, in der das Passahlamm gegessen werden mußte. zum Tag unseres Festes!
5 Denn das ist eine Satzung für Israel, es ist eine Verordnung des Gottes Jakobs.[274]Andere Übersetzung: das ist eine Pflicht für Israel; / der Gott Jakobs hat ein Anrecht darauf.
6 Er setzte es ein als Zeugnis für Joseph, als er auszog gegen das Land Ägypten. – Eine Sprache, die ich nicht kannte, höre ich:
7 »Ich habe die Last von seiner Schulter genommen, seine Hände sind den Tragkorb losgeworden.
8 Als du mich anriefst in der Not, da brachte ich dir Rettung; ich antwortete dir im Donnergewölk und prüfte dich am Haderwasser.[275]od. am Wasser von Meriba (vgl. 2Mo 17,7; 4Mo 20,13; 27,14; 5Mo 32,51; 33,8). (Sela.)
9 Höre, mein Volk, ich will dich ermahnen[276]od. gegen dich Zeugnis ablegen. ; Israel, wenn du mir doch Gehör schenken wolltest!
10 Kein anderer Gott soll bei dir sein, und einen fremden Gott bete nicht an!
11 Ich bin der Herr, dein Gott, der dich heraufgeführt hat aus dem Land Ägypten. Tue deinen Mund weit auf, so will ich ihn füllen!
12 Aber mein Volk hat meiner Stimme nicht gehorcht, und Israel war mir nicht zu Willen.
13 Da gab ich sie dahin in die Verstocktheit ihres Herzens, daß sie wandelten nach ihrem eigenen Rat.
14 O daß doch mein Volk mir gehorsam wäre, und Israel in meinen Wegen wandelte!
15 Wie bald wollte ich ihre Feinde demütigen und meine Hand wenden gegen ihre Widersacher!
16 Die den Herrn hassen, müßten sich ihm schmeichelnd unterwerfen; ihre Zeit aber würde ewiglich währen!
17 Und Er würde sie mit dem besten Weizen speisen; ja, mit Honig aus dem Felsen würde ich dich sättigen!«

Psalm 82

1 Ein Psalm Asaphs.
1 Gott steht in der Gottesversammlung[277]Andere Übersetzung: in der Versammlung der Mächtigen. , inmitten der Mächtigen[278]Gute und böse Engel sowie Richter und Fürsten der Völker werden aufgrund ihrer von Gott gegebenen Herrschaftsstellung auch als »Mächtige« od. »Götter« (elohim) bezeichnet (vgl. Ps 8,6 sowie Joh 10, 34-36). richtet er:
2 »Wie lange wollt ihr ungerecht richten und die Person des Gottlosen ansehen[279]d.h. begünstigen. ? (Sela.)
3 Schafft Recht dem Geringen und der Waise, den Elenden und Armen laßt Gerechtigkeit widerfahren!
4 Befreit den Geringen und Bedürftigen, errettet ihn aus der Hand der Gottlosen!«
5 Aber sie erkennen nichts und verstehen nichts, sondern wandeln in der Finsternis; es wanken alle Grundfesten der Erde![280]od. alle Stützen des Landes.
6 »Ich habe gesagt: Ihr seid Götter und allesamt Söhne des Höchsten;
7 dennoch sollt ihr sterben wie ein Mensch und fallen wie einer der Fürsten!«
8 Mache dich auf, o Gott, richte die Erde; denn du bist Erbherr über alle Völker!

Psalm 83

1 Ein Psalmlied; von Asaph.
2 Bleibe nicht ruhig, o Gott, schweige nicht und sei nicht still, o Gott!
3 Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt.
4 Sie machen listige Anschläge[281]od. halten hinterlistigen Rat / Geheimberatungen. gegen dein Volk, verabreden sich gegen deine Schutzbefohlenen[282]od. gegen die bei dir Geborgenen / Verborgenen. .
5 Sie sprechen: »Kommt, wir wollen sie vertilgen, daß sie kein Volk mehr seien, daß an den Namen Israel nicht mehr gedacht werde!«
6 Ja, sie haben einen einmütigen Beschluß gefaßt, sie haben einen Bund gegen dich geschlossen:
7 die Zelte Edoms und die Ismaeliter, Moab und die Hagariter,
8 Gebal und Ammon und Amalek, das Philisterland samt den Bewohnern von Tyrus.
9 Auch Assur hat sich ihnen angeschlossen und ist den Söhnen Lots ein Beistand geworden. (Sela.)
10 Mach es mit ihnen wie mit Midian, wie mit Sisera, wie mit Jabin am Bach Kison,
11 die vertilgt wurden in Endor, zu Dünger wurden fürs Ackerfeld!
12 Mache ihre Edlen wie Oreb und Seb, wie Sebach und Zalmunna alle ihre Fürsten,
13 sie, die sagen: »Wir wollen für uns in Besitz nehmen die Wohnungen Gottes!«
14 Mein Gott, laß sie sein wie ein Blätterwirbel, mache sie wie Stoppeln vor dem Wind!
15 Wie ein Feuer, das den Wald verbrennt, und wie eine Flamme, welche die Berge versengt,
16 so verfolge sie mit deinem Ungewitter und schrecke sie mit deinem Sturmwind!
17 Bedecke ihr Angesicht mit Schande, daß sie nach deinem Namen fragen, o Herr!
18 Laß sie beschämt und erschreckt werden für immer, laß sie schamrot werden und umkommen,
19 damit sie erkennen, daß du, dessen Name Herr ist, allein der Höchste bist über die ganze Erde!

Psalm 84

1 Dem Vorsänger. Auf der Gittit. Von den Söhnen Korahs. Ein Psalm.
2 Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr der Heerscharen!
3 Meine Seele verlangte und sehnte sich nach den Vorhöfen des Herrn; nun jubeln mein Herz und mein Leib dem lebendigen Gott zu!
4 Hat doch der Sperling ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für sich, wo sie ihre Jungen hinlegen kann: deine Altäre, o Herr der Heerscharen, mein König und mein Gott!
5 Wohl denen, die in deinem Haus wohnen; sie preisen dich allezeit! (Sela.)
6 Wohl dem Menschen, dessen Stärke in dir liegt, [wohl denen], in deren Herzen gebahnte Wege sind![283]Andere Übersetzung: die von Herzen [dir] nachwandeln.
7 Wenn solche durch das Tal der Tränen[284]das sprichwörtliche »Jammertal« Luthers; hebr. Emek Baka (»Tränental« od. »Balsambaumtal«); vgl. als Gegensatz in 2Chr 20,26 Emek Beraka (»Lobetal« od. »Segenstal«). gehen, machen sie es zu lauter Quellen, und der Frühregen bedeckt es mit Segen.
8 Sie schreiten von Kraft zu Kraft, erscheinen vor Gott in Zion.
9 Herr, Gott der Heerscharen, höre mein Gebet; du Gott Jakobs, achte darauf! (Sela.)
10 O Gott, unser Schild, sieh doch; blicke auf das Angesicht deines Gesalbten[285]hebr. maschiach (= Messias / Christus). !
11 Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend; ich will lieber an der Schwelle im Haus meines Gottes stehen, als wohnen in den Zelten der Gottlosen![286]od. des Frevels (vgl. 4Mo 16).
12 Denn Gott, der Herr, ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Herrlichkeit, wer in Lauterkeit wandelt, dem versagt er nichts Gutes.
13 O Herr der Heerscharen, wohl dem Menschen, der auf dich vertraut!

Psalm 85

1 Dem Vorsänger. Von den Söhnen Korahs. Ein Psalm.
2 Herr, du hast deinem Land [einst] Gnade gewährt, hast das Geschick Jakobs gewendet,
3 hast vergeben die Schuld deines Volkes, hast alle ihre Sünde zugedeckt. (Sela.)
4 Du hast all deinen Grimm hinweggetan, hast dich abgewandt von der Glut deines Zornes:
5 so stelle uns wieder her,[287]od. führe uns zurück. du Gott unsres Heils, laß ab von deinem Unmut gegen uns!
6 Oder willst du ewig mit uns zürnen, deinen Zorn währen lassen von Geschlecht zu Geschlecht?
7 Willst du uns nicht wieder neu beleben, damit dein Volk sich an dir erfreuen kann?
8 Herr, laß uns deine Gnade schauen und schenke uns dein Heil!
9 Ich will hören, was Gott, der Herr, reden wird; denn er wird Frieden zusagen seinem Volk und seinen Getreuen – nur daß sie sich nicht wieder zur Torheit wenden!
10 Gewiß ist seine Rettung denen nahe, die ihn fürchten, damit die Herrlichkeit in unserem Land wohne.
11 Gnade und Wahrheit sind einander begegnet, Gerechtigkeit und Friede haben sich geküßt.
12 Die Wahrheit wird aus der Erde sprossen und Gerechtigkeit vom Himmel herabschauen.
13 Dann wird der Herr auch das Gute geben, und unser Land wird seinen Ertrag abwerfen;
14 Gerechtigkeit wird vor Ihm hergehen und den Weg bereiten für seine Tritte.

Psalm 86

1 Ein Gebet Davids.
1 Neige dein Ohr, o Herr, und erhöre mich, denn ich bin elend und arm;
2 bewahre meine Seele, denn ich bin dir zugetan; hilf du, mein Gott, deinem Knecht, der sich auf dich verläßt!
3 Sei mir gnädig, o Herr; denn zu dir rufe ich allezeit!
4 Erfreue die Seele deines Knechtes; denn zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele!
5 Denn du, Herr, bist gut und vergibst gern; und du bist reich an Gnade für alle, die dich anrufen.
6 Vernimm, o Herr, mein Gebet, und achte auf die Stimme meines Flehens!
7 Am Tag meiner Not rufe ich dich an, denn du erhörst mich.
8 Dir, Herr, ist keiner gleich unter den Göttern, und nichts gleicht deinen Werken!
9 Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, o Herr, und deinem Namen Ehre geben;
10 denn du bist groß und tust Wunder, du bist Gott, du allein!
11 Weise mir, Herr, deinen Weg, damit ich wandle in deiner Wahrheit; richte mein Herz auf das Eine, daß ich deinen Namen fürchte![288]w. einige mein Herz zur Furcht deines Namens.
12 Ich will dich preisen, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen, und deinem Namen Ehre erweisen auf ewig.
13 Denn deine Gnade ist groß über mir[289]od. mir gegenüber. , und du hast meine Seele errettet aus[290]od. vor. der Tiefe des Totenreichs.
14 O Gott, es sind Vermessene gegen mich aufgestanden, und eine Rotte von Gewalttätigen trachtet mir nach dem Leben; sie haben dich nicht vor Augen.
15 Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn[291]od. langmütig. und von großer Gnade und Treue.
16 Wende dich zu mir und sei mir gnädig! Verleihe deinem Knecht deine Stärke, und hilf dem Sohn deiner Magd!
17 Tue an mir ein Zeichen zum Guten, damit meine Hasser es zu ihrer Beschämung sehen, daß du, Herr, mir geholfen und mich getröstet hast.

Psalm 87

1 Von den Söhnen Korahs. Ein Psalmlied.
1 Er hat sie gegründet auf heiligen Bergen;
2 der Herr liebt die Tore Zions mehr als alle Wohnungen Jakobs.
3 Herrliches ist über dich verheißen, du Stadt Gottes! (Sela.)
4 Ich nenne Rahab[292]Bezeichnung für Ägypten (Jes 30,7: »Ungetüm« bzw. »Großtuer« = hebr. Rahab; Jes 51,9) und Babel denen, die mich kennen; siehe, Philisterland und Tyrus und Kusch[293]vgl. Fn. zu Ps 68,32. : »Dieser ist dort geboren.«
5 Aber von Zion wird man sagen: »Mann für Mann ist in ihr geboren«, und der Höchste selbst wird sie befestigen.
6 Der Herr wird zählen, wenn er die Völker verzeichnet: »Dieser ist dort geboren.« (Sela.)
7 Und sie singen beim Reigen: »Alle meine Quellen sind in dir!«

Psalm 88

1 Ein Psalmlied. Von den Söhnen Korahs. Dem Vorsänger. Nach Machalat-Leannot[294]machalat = nach einer schwermütigen Melodie zu singen; Leannot = mit gedämpfter Stimme vorzutragen. . Ein Maskil Hemans, des Esrachiters.
2 O Herr, du Gott meines Heils[295]d.h. du Gott, von dem mein Heil kommt; du Gott, der mich rettet. , ich schreie Tag und Nacht vor dir!
3 Laß mein Gebet vor dich kommen, neige dein Ohr zu meinem Flehen!
4 Denn meine Seele ist gesättigt vom Leiden, und mein Leben ist dem Totenreich nahe.
5 Ich werde schon zu denen gerechnet, die in die Grube hinabfahren; ich bin wie ein Mann, der keine Kraft mehr hat.
6 Ich liege unter den Toten, bin den Erschlagenen gleich, die im Grab ruhen, an die du nicht mehr gedenkst und die von deiner Hand abgeschnitten sind.
7 Du hast mich in die unterste Grube gelegt, in die Finsternis, in die Tiefen.
8 Auf mir lastet dein Grimm, und du bedrängst mich mit allen deinen Wogen. (Sela.)
9 Du hast meine Bekannten von mir entfremdet, du hast mich ihnen zum Abscheu[296]Andere Übersetzung: Greuel. gemacht; ich bin eingeschlossen und kann nicht heraus.
10 Mein Auge ist verschmachtet vor Elend; ich rufe dich, Herr, täglich an, strecke meine Hände aus nach dir.
11 Wirst du an den Toten Wunder tun, oder werden die Schatten auferstehen und dich preisen? (Sela.)
12 Wird man im Grab deine Gnade verkündigen, deine Wahrheit im Abgrund[297]od. am Ort des Untergangs; hebr. Abaddon (vgl. Hi 26,6; 28,22; 31,12; Offb 9,11) ?
13 Werden deine Wunder in der Finsternis bekannt, deine Gerechtigkeit im Land der Vergessenheit?
14 Ich aber schreie zu dir, Herr, und am Morgen kommt dir mein Gebet entgegen.
15 Warum, o Herr, verwirfst du meine Seele, verbirgst dein Angesicht vor mir?
16 Von Jugend auf bin ich elend und dem Tod nahe, ich trage deine Schrecken und weiß mir keinen Rat.
17 Deine Zorngerichte ergehen über mich, deine Schrecknisse vernichten mich.
18 Sie umgeben mich wie Wasser den ganzen Tag, sie umringen mich allesamt.
19 Freunde und Gefährten hast du von mir weggetan, meine Vertrauten [in die] Finsternis.[298]od. mein Vertrauter ist die Finsternis.

Psalm 89

1 Ein Maskil. Von Etan, dem Esrachiter.
2 Die Gnadenerweise des Herrn will ich ewiglich besingen, von Geschlecht zu Geschlecht deine Treue mit meinem Mund verkünden.
3 Ich sage: Auf ewig wird die Gnade gebaut, deine Treue gründest du fest in den Himmeln:
4 »Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten, habe meinem Knecht David geschworen:
5 Auf ewig will ich deinen Samen[299]d.h. deine Nachkommenschaft. fest gründen und für alle Geschlechter deinen Thron bauen!« (Sela.)
6 Und die Himmel werden deine Wundertat preisen, o Herr, ja, deine Treue in der Gemeinde der Heiligen!
7 Denn wer in den Wolken ist dem Herrn zu vergleichen, wer ist dem Herrn ähnlich unter den Göttersöhnen[300]hebr. bnei elim; eine Bezeichnung für Engelwesen (Elim = Mehrzahl von El; man könnte übersetzen »Söhne der Mächtigen«). ?
8 Gott ist sehr gefürchtet im Kreis[301]od. im vertrauten Rat (vgl. Ps 82,1). der Heiligen und furchtgebietend über alle um ihn her.
9 O Herr, Gott der Heerscharen, wer ist mächtig wie du, Herr? Und deine Treue ist um dich her!
10 Du beherrschst das ungestüme Meer; wenn sich seine Wogen erheben, so stillst du sie.
11 Du hast Rahab[302]vgl. Fn. zu Ps 68,32. zermalmt wie einen Erschlagenen, deine Feinde zerstreut mit deinem starken Arm.
12 Dein sind die Himmel, dir gehört auch die Erde, der Erdkreis[303]Bezeichnung für das bewohnte Festland der Erde. und was ihn erfüllt; du hast es alles gegründet.
13 Norden und Süden hast du erschaffen, Tabor und Hermon jauchzen über deinen Namen.
14 Du hast einen Arm voll Kraft; stark ist deine Hand, hoch erhoben deine Rechte.
15 Recht und Gerechtigkeit sind die Grundfeste deines Thrones, Gnade und Wahrheit gehen vor deinem Angesicht her.
16 Wohl dem Volk, das den Jubelschall kennt! O Herr, im Licht deines Angesichts wandeln sie;
17 über deinen Namen frohlocken sie allezeit, und durch deine Gerechtigkeit werden sie erhöht;
18 denn du bist ihr mächtiger Ruhm, und durch deine Gnade wird unser Horn erhöht.[304]d.h. empfangen wir Stärke und Macht.
19 Denn der Herr ist unser Schild[305]Bezeichnung für den König als Schirmherr und Beschützer des Volkes (vgl. Ps 47,10). , ja, der Heilige Israels ist unser König.
20 Damals hast du durch ein Gesicht geredet mit deinem Getreuen, und gesprochen: »Ich habe die Hilfe einem Helden übertragen, einen Auserwählten aus dem Volk erhöht;
21 ich habe meinen Knecht David gefunden und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt.
22 Meine Hand soll beständig mit ihm sein, und mein Arm soll ihn stärken.
23 Kein Feind soll ihn überlisten, und der Sohn der Ungerechtigkeit soll ihn nicht unterdrücken;
24 sondern ich will seine Widersacher vor ihm zermalmen und niederstoßen, die ihn hassen.
25 Und meine Treue und meine Gnade sollen mit ihm sein, und in meinem Namen soll sein Horn erhöht werden.
26 Und ich will seine Hand auf das Meer legen und seine Rechte auf die Ströme.
27 Er wird zu mir rufen: Du bist mein Vater, mein Gott und der Fels meines Heils!
28 Und ich will ihn zum Erstgeborenen machen, zum Höchsten der Könige auf Erden.
29 Auf ewig bewahre ich ihm meine Gnade, und mein Bund soll ihm fest bleiben.
30 Und ich setze seinen Samen[306]d.h. seinen Nachkommen, hier auf den Messias bezogen. auf ewig ein und mache seinen Thron wie die Tage des Himmels.
31 Wenn seine Söhne mein Gesetz verlassen und nicht in meinen Verordnungen wandeln,
32 wenn sie meine Satzungen entheiligen und meine Gebote nicht beachten,
33 so will ich ihre Abtrünnigkeit[307]od. Übertretung. mit der Rute heimsuchen und ihre Missetat mit Schlägen;
34 aber meine Gnade will ich ihm nicht entziehen und meine Treue nicht verleugnen;
35 meinen Bund will ich nicht ungültig machen[308]od. entweihen. und nicht ändern, was über meine Lippen gekommen ist.
36 Einmal habe ich bei meiner Heiligkeit geschworen; niemals werde ich David belügen![309]w. wenn ich David belügen werde,  (hebr. Schwurformel).
37 Sein Same soll ewig bleiben und sein Thron wie die Sonne vor mir;
38 wie der Mond soll er ewig bestehen, und wie der Zeuge in den Wolken zuverlässig sein!« (Sela.)
39 Und doch hast du verstoßen und verworfen und bist zornig geworden über deinen Gesalbten;
40 du hast den Bund mit deinem Knecht preisgegeben und trittst seine Krone zu Boden;
41 du hast alle seine Mauern niedergerissen und seine Festungen in Trümmer gelegt.
42 Es berauben ihn alle, die vorüberziehen; er ist seinen Nachbarn zum Gespött geworden.
43 Du hast die rechte Hand seiner Widersacher erhöht, hast allen seinen Feinden Freude gemacht;
44 du ließest sein scharfes Schwert zurückweichen und schenktest ihm keinen Sieg im Krieg;
45 du hast seinem Glanz ein Ende gemacht und seinen Thron zu Boden gestürzt;
46 du hast die Tage seiner Jugend verkürzt und ihn mit Schande bedeckt. (Sela.)
47 Wie lange, o Herr, willst du dich ständig verbergen, soll dein Zorn wie Feuer brennen?
48 Gedenke, wie kurz meine Lebenszeit ist! Wie vergänglich hast du alle Menschenkinder erschaffen!
49 Wer ist der Mann, der lebt und den Tod nicht sehen muß, und der seine Seele erretten könnte aus der Gewalt des Totenreichs? (Sela.)
50 Wo sind, o Herr, deine früheren Gnadenerweise, die du dem David in deiner Treue zugeschworen hast?
51 Gedenke, o Herr, an die Schmach, die deinen Knechten angetan wird, die ich in meinem Gewand trage von all den vielen Völkern,
52 mit der deine Feinde dich, Herr, schmähen, mit der sie schmähen die Fußstapfen deines Gesalbten!
53 Gepriesen sei der Herr ewiglich! Amen, ja, Amen!

Viertes Buch

(Psalm 90 – 106)

Psalm 90

1 Ein Gebet Moses, des Mannes Gottes.
1 Herr, du bist unsere Zuflucht von Geschlecht zu Geschlecht!
2 Ehe die Berge wurden und du die Erde und den Erdkreis hervorbrachtest, ja, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott!
3 Du läßt den Menschen zum Staub zurückkehren und sprichst: Kehrt zurück, ihr Menschenkinder![310]w. Söhne Adams (vgl. Pred 12,7).
4 Denn tausend Jahre sind vor dir wie der gestrige Tag, der vergangen ist, und wie eine Nachtwache.
5 Du läßt sie dahinfahren wie eine Wasserflut,[311]w. du schwemmst sie hinweg. sie sind wie ein Schlaf, wie das Gras, das am Morgen aufsprießt;
6 am Morgen blüht es und sprießt, am Abend welkt es und verdorrt.
7 Denn wir werden aufgerieben durch deinen Zorn und schnell hinweggerafft durch deinen Grimm.
8 Du hast unsere Missetaten vor dich hingestellt, unser geheimstes Tun[312]w. unser Verborgenes. in das Licht deines Angesichts.
9 Denn alle unsere Tage schwinden dahin durch deinen Zorn; wir verbringen unsere Jahre wie ein Geschwätz[313]od. wie einen Seufzer. .
10 Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind's achtzig Jahre; und worauf man stolz ist, das war Mühsal und Nichtigkeit, denn schnell enteilt es, und wir fliegen dahin.
11 Wer erkennt aber die Stärke deines Zorns, deinen Grimm, so wie es der Furcht vor dir entspricht?
12 Lehre uns unsere Tage richtig zählen, damit wir ein weises Herz erlangen![314]Luther übersetzte: Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden.
13 Kehre zurück,[315]Andere Übersetzung: Wende dich wieder zu uns. o Herr! Wie lange noch? Und hab Erbarmen mit deinen Knechten!
14 Sättige uns früh mit deiner Gnade, so wollen wir jubeln und fröhlich sein unser Leben lang.
15 Erfreue uns so viele Tage, wie du uns beugtest, so viele Jahre, wie wir Unglück sahen.
16 Laß deinen Knechten dein Walten sichtbar werden, und deine Herrlichkeit ihren Kindern!
17 Und die Freundlichkeit des Herrn, unsres Gottes, sei über uns, und das Werk unsrer Hände fördere[316]od. befestige / laß Bestand haben. du für uns, ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!

Psalm 91

1 Wer unter dem Schirm[317]w. im Verborgenen. des Höchsten sitzt, der bleibt unter dem Schatten des Allmächtigen.
2 Ich sage zu dem Herrn: Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich traue!
3 Ja, er wird dich retten vor der Schlinge des Vogelstellers und vor der verderblichen Pest;
4 er wird dich mit seinen Fittichen decken, und unter seinen Flügeln wirst du dich bergen; seine Treue ist Schirm und Schild.
5 Du brauchst dich nicht zu fürchten vor dem Schrecken der Nacht, vor dem Pfeil, der bei Tag fliegt,
6 vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag verderbt.
7 Ob tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen;
8 ja, mit eigenen Augen wirst du es sehen, und zuschauen, wie den Gottlosen vergolten wird.
9 Denn du [sprichst]: Der Herr ist meine Zuversicht! Den Höchsten hast du zu deiner Zuflucht gemacht;
10 kein Unglück wird dir zustoßen und keine Plage zu deinem Zelt sich nahen.
11 Denn er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen.
12 Auf den Händen werden sie dich tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.
13 Auf den Löwen und die Otter wirst du den Fuß setzen, wirst den Junglöwen und den Drachen zertreten.
14 »Weil er sich an mich klammert[318]Andere Übersetzung: Weil er [in Liebe] an mir hängt. , darum will ich ihn erretten; ich will ihn beschützen, weil er meinen Namen kennt.
15 Ruft er mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn befreien und zu Ehren bringen[319]od. Ich will ihn herausreißen und verherrlichen. .
16 Ich will ihn sättigen mit langem Leben und ihn schauen lassen mein Heil!«

Psalm 92

1 Ein Psalmlied. Für den Sabbattag.
2 Gut ist's, dem Herrn zu danken, und deinem Namen zu lobsingen, du Höchster;
3 am Morgen deine Gnade zu verkünden und in den Nächten deine Treue,
4 auf der zehnsaitigen Laute und der Harfe, mit dem Klang der Zither.
5 Denn du hast mich erfreut, o Herr, durch dein Tun, und ich juble über die Werke deiner Hände:
6 Herr, wie sind deine Werke so groß; deine Gedanken sind sehr tief!
7 Ein unvernünftiger Mensch erkennt das nicht, und der Törichte begreift es nicht.
8 Wenn die Gottlosen sprossen wie das Gras und alle Übeltäter blühen, so ist's doch nur, damit sie für immer vertilgt werden.
9 Du aber, Herr, bist auf ewig erhaben!
10 Denn siehe, Herr, deine Feinde, siehe, deine Feinde kommen um; alle Übeltäter sollen zerstreut werden!
11 Aber mein Horn erhöhst du wie das eines Büffels; ich bin übergossen mit frischem Öl.
12 Mein Auge wird mit Freuden herabschauen auf die, die mir auflauern, und mein Ohr wird mit Freuden hören vom Geschick der Bösen, die sich gegen mich erheben.
13 Der Gerechte wird sprossen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon.
14 Die gepflanzt sind im Haus des Herrn, sie werden gedeihen in den Vorhöfen unsres Gottes;
15 noch im Alter tragen sie Frucht, sind saftvoll und frisch,
16 um zu verkünden, daß der Herr gerecht ist. Er ist mein Fels, und kein Unrecht ist an ihm!

Psalm 93

1 Der Herr regiert als König![320]od. Der Herr hat die Königsherrschaft angetreten (vgl. Ps 96,10; 97,1; 99,1). Er hat sich mit Majestät bekleidet; der Herr hat sich bekleidet, er hat sich umgürtet mit Macht; auch der Erdkreis steht fest und wird nicht wanken.
2 Dein Thron steht fest von Anbeginn; von Ewigkeit her bist du!
3 Die Wasserströme brausen, o Herr, die Wasserströme brausen stark, die Wasserströme schwellen mächtig an;
4 doch mächtiger als das Brausen großer Wasser, mächtiger als die Meereswogen ist der Herr in der Höhe!
5 Deine Zeugnisse sind sehr zuverlässig; deinem Haus geziemt Heiligkeit,[321]od. Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses. o Herr, für alle Zeiten.

Psalm 94

1 Du Gott der Rache,[322]Andere Übersetzung: Gott der Vergeltungen; gemeint ist: Du Gott, dem allein die Vergeltung des Bösen vorbehalten ist. o Herr, du Gott der Rache, leuchte hervor![323]od. erscheine im Lichtglanz.
2 Erhebe dich, du Richter der Erde, gib den Hochmütigen ihren Lohn!
3 Wie lange sollen die Gottlosen, o Herr, wie lange sollen die Gottlosen frohlocken?
4 Sie halten viele und freche Reden; stolz überheben sich alle Übeltäter.
5 Dein Volk, o Herr, zertreten sie und unterdrücken dein Erbteil.
6 Witwen und Fremdlinge erwürgen sie und ermorden Waisen;
7 und dann sagen sie: »Der Herr sieht es nicht, und der Gott Jakobs achtet nicht darauf!«
8 Nehmt doch Verstand an, ihr Unvernünftigen unter dem Volk! Ihr Toren, wann wollt ihr einsichtig werden?
9 Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gebildet hat, sollte der nicht sehen?
10 Der die Völker züchtigt, sollte der nicht strafen, er, der die Menschen Erkenntnis lehrt?
11 Der Herr erkennt die Gedanken der Menschen, daß sie nichtig[324]Andere Übersetzung: ein Hauch. sind.
12 Wohl dem Mann, den du, Herr, züchtigst, und den du aus deinem Gesetz[325]od. aus deiner Weisung / Lehre (hebr. torah). belehrst,
13 um ihm Ruhe zu geben vor den Tagen des Unglücks, bis dem Gottlosen die Grube gegraben wird.
14 Denn der Herr wird sein Volk nicht verstoßen und sein Erbteil nicht verlassen;
15 denn zur Gerechtigkeit kehrt das Gericht zurück,[326]d.h. Gottes richterliches Walten wird wieder Gerechtigkeit herstellen. und alle von Herzen Aufrichtigen werden ihm folgen!
16 Wer steht mir bei gegen die Bösen, wer tritt für mich ein gegen die Übeltäter?
17 Wäre der Herr nicht meine Hilfe gewesen – wenig fehlte, und meine Seele hätte in der Totenstille[327]od. im Reich des Schweigens. gewohnt!
18 So oft ich aber sprach: »Mein Fuß ist wankend geworden!«, hat deine Gnade, o Herr, mich gestützt.
19 Bei den vielen Sorgen in meinem Herzen erquickten deine Tröstungen meine Seele.
20 Sollte der Thron des Verderbens mit dir Gemeinschaft haben, der Unheil schafft durch Gesetz?
21 Sie rotten sich zusammen gegen die Seele des Gerechten und verurteilen unschuldiges Blut.
22 Aber der Herr ist meine sichere Burg geworden, mein Gott der Fels, bei dem ich Zuflucht gefunden habe.
23 Und er läßt ihr Unrecht auf sie selber zurückfallen, und er wird sie durch ihre eigene Bosheit vertilgen; der Herr, unser Gott, wird sie vertilgen.

Psalm 95

1 Kommt, laßt uns dem Herrn zujubeln und jauchzen dem Fels unsres Heils!
2 Laßt uns ihm begegnen mit Lobgesang und mit Psalmen ihm zujauchzen!
3 Denn der Herr ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter[328]d.h. Engelmächte oder Richter. .
4 In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Gipfel der Berge gehören ihm.
5 Sein ist das Meer, denn er hat es gemacht, und seine Hände haben das Festland bereitet.
6 Kommt, laßt uns anbeten und uns beugen, laßt uns niederfallen vor dem Herrn, unserem Schöpfer!
7 Denn er ist unser Gott, und wir sind das Volk seiner Weide[329]d.h. das Volk, das er als Hirte weidet. und die Schafe seiner Hand. »Heute, wenn ihr seine Stimme hört,
8 so verstockt eure Herzen nicht, wie bei der Herausforderung,[330]od. in Meriba (vgl. 2Mo 17,7; 4Mo 20,13; 27,14; 5Mo 32,51; 33,8; Ps 81,8). am Tag der Versuchung[331]od. am Tag von Massa (2Mo 17,7; 5Mo 33,8). in der Wüste,
9 wo mich eure Väter versuchten; sie prüften mich – und sahen doch mein Werk!
10 Vierzig Jahre empfand ich Ekel vor diesem Geschlecht; und ich sprach: Sie sind ein Volk, das in seinem Herzen in die Irre geht, und sie haben meine Wege nicht erkannt,
11 so daß ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht in meine Ruhe eingehen!«[332]w. Wenn sie in meine Ruhe eingehen,  (hebr. Schwurformel).

Psalm 96

1 Singt dem Herrn ein neues Lied, singt dem Herrn, alle Welt![333]w. ganze Erde; so auch V. 9.
2 Singt dem Herrn, preist seinen Namen, verkündigt[334]Andere Übersetzung: verkündet als gute Botschaft. Tag für Tag sein Heil!
3 Erzählt unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern!
4 Denn groß ist der Herr und hoch zu loben; er ist furchtbar über alle Götter.
5 Denn alle Götter der Völker sind nichtige Götzen; aber der Herr hat die Himmel gemacht.
6 Pracht und Majestät sind vor seinem Angesicht, Stärke und Herrlichkeit in seinem Heiligtum.
7 Bringt dar dem Herrn, ihr Völkerstämme, bringt dar dem Herrn Ehre und Lob!
8 Bringt dar dem Herrn die Ehre seines Namens, bringt Gaben dar und geht ein zu seinen Vorhöfen!
9 Betet den Herrn an in heiligem Schmuck; erbebt vor ihm, alle Welt!
10 Sagt unter den Heiden: Der Herr regiert als König! Darum steht auch der Erdkreis fest und wankt nicht. Er wird die Völker gerecht richten.
11 Es freue sich der Himmel, und die Erde frohlocke, es brause das Meer und was es erfüllt!
12 Es jauchze das Feld und alles, was darauf ist! Dann sollen alle Bäume des Waldes jubeln
13 vor dem Herrn, denn er kommt, denn er kommt, um die Erde zu richten! Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker in seiner Treue.

Psalm 97

1 Der Herr regiert als König; es frohlocke die Erde, die vielen Länder[335]od. Gebiete (der Heidenvölker); w. Inseln. sollen sich freuen!
2 Wolken und Dunkel sind um ihn her, Gerechtigkeit und Recht sind die Grundfeste seines Thrones.
3 Feuer geht vor ihm her und verbrennt seine Feinde ringsum.
4 Seine Blitze erleuchten den Erdkreis; die Erde sieht es und erschrickt.
5 Die Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem Herrn, vor dem Herrscher der ganzen Erde.
6 Die Himmel verkünden seine Gerechtigkeit, und alle Völker sehen seine Herrlichkeit.
7 Schämen müssen sich alle, die den Götzenbildern dienen und sich wegen der nichtigen Götzen[336]w. der Nichtse. rühmen; vor Ihm werfen sich alle Götter[337]vgl. Fn. zu Ps 95,3. nieder.
8 Zion hört es und ist froh; und die Töchter Judas frohlocken um deiner Gerichte willen, o Herr.
9 Denn du, Herr, bist der Höchste über die ganze Erde; du bist hoch erhaben über alle Götter.
10 Die ihr den Herrn liebt, haßt das Böse! Er bewahrt die Seelen seiner Getreuen und rettet sie aus der Hand der Gottlosen.
11 Licht wird dem Gerechten gesät und Freude den von Herzen Aufrichtigen.
12 Freut euch an dem Herrn, ihr Gerechten, und preist seinen heiligen Namen!

Psalm 98

1 Ein Psalm.
1 Singt dem Herrn ein neues Lied! Denn er hat Wunder getan; seine Rechte hat ihm den Sieg verschafft und sein heiliger Arm.
2 Der Herr hat sein Heil[338]hebr. jeschuah; dieses Wort ist verwandt mit Jehoschuah = Jesus; so auch V. 3. kundwerden lassen; er hat vor den Augen der Heiden seine Gerechtigkeit geoffenbart.
3 Er gedachte an seine Gnade und Treue gegenüber dem Haus Israel; alle Enden der Erde haben gesehen das Heil unseres Gottes.
4 Jauchzt dem Herrn, alle Welt; brecht in Jubel aus, frohlockt und lobsingt!
5 Lobsingt dem Herrn mit der Laute, mit der Laute und mit klangvoller Stimme,
6 mit Trompeten und Hörnerschall; jauchzt vor dem König, dem Herrn!
7 Es brause das Meer und was es erfüllt, der Erdkreis und die darauf wohnen;
8 die Ströme sollen in die Hände klatschen, die Berge allesamt sollen jubeln
9 vor dem Herrn, denn er kommt, um die Erde zu richten! Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

Psalm 99

1 Der Herr regiert als König – die Völker erzittern; er thront über[339]od. zwischen. den Cherubim – die Erde wankt!
2 Der Herr ist groß in Zion und hoch erhaben über alle Völker.
3 Loben sollen sie deinen Namen, den großen und furchtgebietenden – heilig ist er! –,
4 und die Stärke des Königs, der das Recht liebt. Du hast die Redlichkeit fest gegründet; Recht und Gerechtigkeit hast du in Jakob geübt.
5 Erhebt den Herrn, unseren Gott, und fallt nieder vor dem Schemel seiner Füße – heilig ist er!
6 Mose und Aaron unter seinen Priestern und Samuel unter denen, die seinen Namen anriefen, sie riefen den Herrn an, und er erhörte sie.
7 In der Wolkensäule redete er zu ihnen; sie bewahrten seine Zeugnisse und die Satzung, die er ihnen gab.
8 Herr, unser Gott, du hast sie erhört; du warst ihnen ein vergebender Gott, doch auch ein Rächer ihrer Missetat.
9 Erhebt den Herrn, unseren Gott, und betet an auf seinem heiligen Berg, denn heilig ist der Herr, unser Gott!

Psalm 100

1 Ein Psalm zum Dankopfer.
1 Jauchzt dem Herrn, alle Welt![340]w. ganze Erde.
2 Dient dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Jubel!
3 Erkennt, daß der Herr Gott ist! Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst, zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
4 Geht ein zu seinen Toren mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; dankt ihm, preist seinen Namen!
5 Denn der Herr ist gut; seine Gnade währt ewiglich und seine Treue von Geschlecht zu Geschlecht.

Psalm 101

1 Ein Psalm Davids.
1 Von Gnade und Recht will ich singen; dir, Herr, will ich spielen!
2 Ich will achthaben auf den vollkommenen Weg.[341]Andere Übersetzung: Ich will weislich handeln auf dem untadeligen Weg. Wann wirst du zu mir kommen? Ich will mit lauterem Herzen wandeln im Innern meines Hauses.
3 Ich will nichts Schändliches[342]w. keine Belialssache. vor meine Augen stellen; das Tun der Abtrünnigen hasse ich, es soll mir nicht anhaften!
4 Ein verkehrtes Herz soll von mir weichen; von Bösem will ich nichts wissen![343]od. den Bösen will ich nicht kennen.
5 Wer seinen Nächsten heimlich verleumdet, den will ich vertilgen; wer stolze Augen und ein hochmütiges Herz hat, den will ich nicht dulden.
6 Ich achte auf die Treuen im Land, sie sollen bei mir wohnen; wer auf unsträflichem Weg wandelt, der soll mir dienen.
7 In meinem Haus soll keiner wohnen, der Betrug verübt; wer Lügen redet, soll nicht bestehen vor meinen Augen.
8 Jeden Morgen will ich alle Gottlosen im Land vertilgen, um aus der Stadt des Herrn alle auszurotten, die Böses tun.

Psalm 102

1 Ein Gebet des Elenden, wenn er verzagt ist und seine Klage vor dem Herrn ausschüttet.[344]In Hebr 1,10-12 wird gezeigt, daß dieser Psalm auf den Messias Jesus hinweist.
2 O Herr, höre mein Gebet, und laß mein Schreien vor dich kommen!
3 Verbirg dein Angesicht nicht vor mir am Tag meiner Not[345]Andere Übersetzung: Drangsal. ! Neige dein Ohr zu mir; an dem Tag, da ich rufe, erhöre mich eilends!
4 Denn meine Tage sind in Rauch aufgegangen, und meine Gebeine glühen wie ein Brand.
5 Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras; ja, ich habe vergessen, mein Brot zu essen.
6 Vor meinem Stöhnen und Seufzen klebt mein Gebein an meinem Fleisch.
7 Ich gleiche einem Pelikan in der Wüste, bin wie ein Käuzchen in den Ruinen;
8 ich wache und bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.
9 Täglich schmähen mich meine Feinde, und die gegen mich toben, schwören bei mir;[346]d.h. die Feinde schwören, daß es ihnen so schlimm gehen soll wie ihm, wenn sie die Unwahrheit sagen oder wortbrüchig werden.
10 denn ich esse Asche wie Brot und mische meinen Trank mit Tränen
11 wegen deines Grimms und deines Zorns, denn du hast mich aufgehoben und hingeschleudert.
12 Meine Tage sind wie ein langgestreckter Schatten,[347]d.h. wie ein Schatten in der Abendsonne; kurz vor dem Ende. und ich verdorre wie Gras.
13 Aber du, o Herr, thronst auf ewig, und dein Gedenken[348]d.h. der Gottesname JHWH (= Herr), vgl. 2Mo 3,15. bleibt von Geschlecht zu Geschlecht.
14 Du wirst dich aufmachen und dich über Zion erbarmen; denn es ist Zeit, daß du ihr Gnade erweist; die Stunde[349]w. die bestimmte Zeit. ist gekommen!
15 Denn deine Knechte lieben [Zions] Steine und trauern über ihren Schutt.
16 Dann werden die Heiden den Namen des Herrn fürchten und alle Könige auf Erden deine Herrlichkeit,
17 wenn der Herr Zion gebaut hat und erschienen ist in seiner Herrlichkeit,
18 wenn er sich zu dem Gebet der Verlassenen gewendet und ihr Gebet nicht verachtet hat.
19 Das wird man aufschreiben für das spätere Geschlecht, und das Volk, das geschaffen werden soll, wird den Herrn loben;
20 denn er hat herabgeschaut von der Höhe seines Heiligtums, der Herr hat vom Himmel zur Erde geblickt,
21 um zu hören das Seufzen der Gefangenen und loszumachen die dem Tod Geweihten[350]w. die Kinder des Todes. ,
22 damit sie den Namen des Herrn verkündigen in Zion und sein Lob in Jerusalem,
23 wenn die Völker sich versammeln allesamt und die Königreiche, um dem Herrn zu dienen.
24 Er hat meine Kraft gebeugt auf dem Weg, hat verkürzt meine Tage.
25 Ich spreche: Mein Gott, nimm mich nicht hinweg in der Hälfte meiner Tage! Deine Jahre währen von Geschlecht zu Geschlecht.
26 Du hast vorzeiten die Erde gegründet, und die Himmel sind das Werk deiner Hände.
27 Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie alle werden wie ein Kleid zerfallen, wie ein Gewand wirst du sie wechseln, und sie werden verschwinden.
28 Du aber bleibst, der du bist,[351]d.h. der ewig Unveränderliche. und deine Jahre nehmen kein Ende!
29 Die Söhne deiner Knechte werden bleiben[352]w. wohnen (d.h. im verheißenen Land bleibend wohnen). , und ihr Same[353]d.h. ihre Nachkommen. wird vor dir bestehen.

Psalm 103

1 Von David.
1 Lobe den Herrn, meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen!
2 Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat![354]w. alle seine Wohltaten.
3 Der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen;
4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit;
5 der dein Alter[355]w. deinen Schmuck (vgl. Spr 20,29). mit Gutem sättigt, daß du wieder jung wirst wie ein Adler.[356]Ein Hinweis auf den jährlichen »verjüngenden« Federwechsel des Adlers.
6 Der Herr übt Gerechtigkeit und schafft Recht allen Unterdrückten.
7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israels seine Taten.
8 Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig[357]od. langmütig / langsam zum Zorn. und von großer Güte.
9 Er wird nicht immerzu rechten[358]Andere Übersetzung: Rechtsstreit führen. und nicht ewig zornig bleiben.
10 Er hat nicht mit uns gehandelt nach unseren Sünden und uns nicht vergolten nach unseren Missetaten.
11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so groß ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten;
12 so fern der Osten ist vom Westen, hat er unsere Übertretungen von uns entfernt.
13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, welche ihn fürchten;
14 denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er denkt daran, daß wir Staub sind.
15 Die Tage des Menschen[359]od. Sterblichen. sind wie Gras; er blüht wie eine Blume auf dem Feld;
16 wenn ein Wind darüber geht, so ist sie nicht mehr da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr.
17 Aber die Gnade des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit bis zu den Kindeskindern
18 bei denen, die seinen Bund bewahren und an seine Gebote gedenken, um sie zu tun.
19 Der Herr hat seinen Thron im Himmel gegründet, und seine Königsherrschaft regiert über alles.
20 Lobt den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausführt, gehorsam der Stimme seines Wortes!
21 Lobt den Herrn, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut!
22 Lobt den Herrn, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den Herrn, meine Seele!

Psalm 104

1 Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, du bist sehr groß; mit Pracht und Majestät bist du bekleidet,
2 du, der sich in Licht hüllt wie in ein Gewand, der den Himmel ausspannt wie eine Zeltbahn,
3 der sich seine Obergemächer zimmert in den Wassern, der Wolken zu seinem Wagen macht und einherfährt auf den Flügeln des Windes,
4 der seine Engel zu Winden macht, seine Diener zu Feuerflammen.[360]Andere Übersetzung: der Winde zu seinen Boten macht / Feuerflammen zu seinen Dienern (vgl. aber Hebr 1,7).
5 Er hat die Erde auf ihre Grundfesten gegründet, daß sie nicht wankt für immer und ewig.
6 Mit der Flut decktest du sie wie mit einem Kleid; die Wasser standen über den Bergen;
7 aber vor deinem Schelten flohen sie, vor deiner Donnerstimme suchten sie ängstlich das Weite.
8 Die Berge stiegen empor, die Täler senkten sich zu dem Ort, den du ihnen gesetzt hast.
9 Du hast [den Wassern] eine Grenze gesetzt, die sie nicht überschreiten sollen; sie dürfen die Erde nicht wiederum bedecken.
10 Du läßt Quellen entspringen in den Tälern; sie fließen zwischen den Bergen hin;
11 sie tränken alle Tiere des Feldes; die Wildesel löschen ihren Durst.
12 Über ihnen wohnen die Vögel des Himmels; die lassen aus den Zweigen ihre Stimme erschallen.
13 Du tränkst die Berge aus deinen Obergemächern; von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.
14 Du läßt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen, daß sie dem Menschen dienen, damit er Nahrung hervorbringe aus der Erde;
15 und damit der Wein das Herz des Menschen erfreue, und das Angesicht glänzend werde vom Öl, und damit Brot das Herz des Menschen stärke.
16 Die Bäume des Herrn trinken sich satt, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat,
17 wo die Vögel ihre Nester bauen und der Storch, der die Zypressen bewohnt.
18 Die hohen Berge sind für die Steinböcke, die Felsen sind eine Zuflucht für die Klippdachse.
19 Er hat den Mond gemacht zur Bestimmung der Zeiten; die Sonne weiß ihren Untergang.
20 Schaffst du Finsternis, und wird es Nacht, so regen sich alle Tiere des Waldes.
21 Die jungen Löwen brüllen nach Raub und suchen ihre Nahrung von Gott.
22 Geht die Sonne auf, so ziehen sie sich zurück und legen sich in ihre Verstecke;
23 der Mensch aber geht hinaus an sein Tagewerk, an seine Arbeit bis zum Abend.
24 Herr, wie sind deine Werke so viele! Du hast sie alle in Weisheit gemacht, und die Erde ist erfüllt von deinem Besitz[361]od. von deinen Gütern. .
25 Da ist das Meer, so groß und weit ausgedehnt; darin wimmelt es ohne Zahl von Tieren klein und groß;
26 da fahren die Schiffe, der Leviathan, den du gemacht hast, daß er sich darin tummle.
27 Sie alle warten auf dich, daß du ihnen ihre Speise gibst zu seiner Zeit.
28 Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt;
29 verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du ihren Odem weg, so vergehen sie und werden wieder zu Staub;
30 sendest du deinen Odem[362]od. Lebensatem / Geist. aus, so werden sie erschaffen, und du erneuerst die Gestalt der Erde.
31 Die Herrlichkeit des Herrn wird ewig währen; der Herr wird sich an seinen Werken freuen!
32 Blickt er die Erde an, so zittert sie; rührt er die Berge an, so rauchen sie.
33 Ich will dem Herrn singen mein Leben lang, meinem Gott lobsingen, solange ich bin.
34 Möge mein Nachsinnen[363]od. Reden. ihm wohlgefallen! Ich freue mich an dem Herrn.
35 Die Sünder sollen von der Erde vertilgt werden und die Gottlosen nicht mehr sein! Lobe den Herrn, meine Seele!
35 Hallelujah![364]Hallelu Jah = Lobt den Herrn (Hallelu = lobt; Jah = der Herr; poetische Kurzform von Jahweh).

Psalm 105

1 Dankt dem Herrn, ruft seinen Namen an, macht unter den Völkern seine Taten bekannt!
2 Singt ihm, lobsingt ihm, redet von allen seinen Wundern!
3 Rühmt euch seines heiligen Namens! Es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen!
4 Fragt nach dem Herrn und nach seiner Macht, sucht sein Angesicht allezeit!
5 Gedenkt an seine Wunder, die er getan hat, an seine Zeichen und die Urteile seines Mundes,
6 o Same Abrahams, seines Knechtes, o ihr Kinder Jakobs, seine Auserwählten!
7 Er, der Herr, ist unser Gott; auf der ganzen Erde gelten seine Rechtsurteile.
8 Er gedenkt auf ewig an seinen Bund, an das Wort, das er ergehen ließ auf tausend Geschlechter hin;
9 [an den Bund,] den er mit Abraham geschlossen, an seinen Eid, den er Isaak geschworen hat.
10 Er stellte ihn auf für Jakob als Satzung, für Israel als ewigen Bund,
11 als er sprach: »Dir gebe ich das Land Kanaan als das Los eures Erbteils«,
12 als sie noch leicht zu zählen waren, nur wenige und Fremdlinge darin.
13 Und sie zogen von einem Volk zum andern und von einem Königreich zum andern.
14 Er ließ sie von keinem Menschen bedrücken und züchtigte Könige um ihretwillen:
15 »Tastet meine Gesalbten nicht an und fügt meinen Propheten kein Leid zu!«
16 Und er rief eine Hungersnot herbei über das Land und zerschlug jede Stütze an Brot.[365]d.h. die Sicherheit der Nahrungsversorgung.
17 Er sandte einen Mann vor ihnen her; Joseph wurde als Knecht verkauft.
18 Sie zwangen seinen Fuß in einen Stock; sein Hals kam ins Eisen
19 – bis zu der Zeit, da sein Wort eintraf und der Ausspruch des Herrn ihn geläutert hatte.
20 Der König sandte hin und befreite ihn; der die Völker beherrschte, ließ ihn los.
21 Er setzte ihn zum Herrn über sein Haus und zum Herrscher über alle seine Güter,
22 daß er seine Fürsten nach Belieben binde und seine Ältesten Weisheit lehre.
23 Da zog Israel nach Ägypten, und Jakob wurde ein Fremdling im Land Hams.
24 Und er machte sein Volk sehr fruchtbar und ließ es stärker werden als seine Bedränger.
25 Er verwandelte ihr Herz, daß sie sein Volk haßten, arglistig handelten an seinen Knechten.
26 Er sandte Mose, seinen Knecht, Aaron, den er erwählt hatte.
27 Die taten seine Zeichen unter ihnen und Wunder im Land Hams.
28 Er sandte Finsternis, und es wurde Nacht,[366]w. und er verbreitete Dunkelheit. damit sie seinem Wort nicht widerstreben möchten[367]od. und sie waren nicht ungehorsam seinen Worten. .
29 Er verwandelte ihre Gewässer in Blut und tötete ihre Fische;
30 ihr Land wimmelte von Fröschen bis in die Gemächer ihrer Könige.
31 Er sprach, und es kamen Fliegenschwärme, Mücken über ihr ganzes Gebiet.
32 Er gab ihnen Hagel statt Regen, Feuerflammen auf ihr Land;
33 und er schlug ihre Weinstöcke und Feigenbäume und zerbrach die Bäume in ihrem Land.
34 Er sprach, da kamen Heuschrecken und Fresser ohne Zahl,
35 die fraßen alles Grün im Land und verzehrten ihre Feldfrüchte.
36 Und er schlug alle Erstgeburt in ihrem Land, die Erstlinge all ihrer Kraft.
37 Aber [Israel] ließ er ausziehen mit Silber und Gold, und es war kein Strauchelnder unter ihren Stämmen.
38 Ägypten war froh, daß sie gingen; denn Furcht vor ihnen war auf sie gefallen.
39 Er breitete vor ihnen eine Wolke aus als Decke[368]od. als Vorhang (vgl. 2Mo 14,19-20). und Feuer, um die Nacht zu erleuchten.
40 Sie forderten; da ließ er Wachteln kommen und sättigte sie mit Himmelsbrot.
41 Er öffnete den Felsen, da floß Wasser heraus; es floß als ein Strom in der Wüste.
42 Denn er gedachte an sein heiliges Wort, an Abraham, seinen Knecht.
43 Er ließ sein Volk ausziehen mit Freuden, mit Jubel seine Auserwählten.
44 Und er gab ihnen die Länder der Heiden, und was die Völker sich mühsam erworben hatten, das nahmen sie in Besitz,
45 damit sie seine Satzungen hielten und seine Lehren bewahrten.
45 Hallelujah!

Psalm 106

1 Hallelujah!
1 Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Gnade währt ewiglich!
2 Wer kann die Machttaten des Herrn beschreiben und all seinen Ruhm verkünden?
3 Wohl denen, die das Recht beachten, die Gerechtigkeit üben allezeit!
4 Gedenke an mich, o Herr, aus Gnade gegen dein Volk; suche mich heim mit deiner Rettung,
5 daß ich das Glück deiner Auserwählten schaue, daß ich mich freue an der Freude deines Volkes und mich rühme mit deinem Erbteil.
6 Wir haben gesündigt samt unseren Vätern, wir haben Unrecht getan, haben gottlos gehandelt.
7 Unsere Väter in Ägypten achteten nicht auf deine Wunder, sie gedachten nicht an deine große Gnade und waren widerspenstig am Meer, am Schilfmeer.
8 Aber er rettete sie um seines Namens willen, um seine Stärke offenbar zu machen.
9 Und er bedrohte das Schilfmeer, daß es vertrocknete, und ließ sie durch die Fluten[369]Andere Übersetzung: Tiefen. gehen wie auf einer Steppe.
10 Und er rettete sie von der Hand des Hassers und erlöste sie aus der Hand des Feindes.
11 Und das Wasser bedeckte ihre Bedränger; nicht einer von ihnen blieb übrig.
12 Da glaubten sie seinen Worten und sangen sein Lob.
13 Aber sie vergaßen seine Werke bald; sie warteten nicht auf seinen Rat,
14 sondern sie wurden begehrlich in der Wüste und versuchten Gott in der Einöde.
15 Und er gab ihnen, was sie forderten, aber er sandte Auszehrung in ihre Seelen.
16 Und sie wurden eifersüchtig auf Mose im Lager, auf Aaron, den Heiligen des Herrn.
17 Da tat sich die Erde auf und verschlang Dathan und bedeckte die Rotte Abirams;
18 und Feuer verzehrte ihre Rotte, eine Flamme versengte die Gottlosen.
19 Sie machten sich ein Kalb am Horeb und warfen sich nieder vor dem gegossenen Bild.
20 Sie vertauschten den, der ihre Herrlichkeit war, gegen das Abbild eines Stiers, der Gras frißt.
21 Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der Großes getan hatte in Ägypten,
22 Wunder im Land Hams, Furchtbares am Schilfmeer.
23 Und er gedachte sie zu vertilgen, wenn nicht Mose, sein Auserwählter, in den Riß getreten wäre vor ihm, um seinen Grimm abzuwenden, daß er sie nicht vertilgte.
24 Sie verachteten das liebliche Land, sie glaubten seinem Wort nicht.
25 Und sie murrten in ihren Zelten, sie gehorchten nicht der Stimme des Herrn.
26 Da erhob er seine Hand gegen sie [und schwor], sie niederzustrecken in der Wüste
27 und ihren Samen unter die Heidenvölker zu werfen und sie zu zerstreuen in die Länder.
28 Und sie hängten sich an den Baal-Peor und aßen Opfer der toten [Götzen],
29 und sie reizten ihn mit ihrem Tun; da brach die Plage unter ihnen aus.
30 Aber Pinehas trat auf und übte Gericht, so daß die Plage aufgehalten wurde.
31 Das wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet auf alle Geschlechter, in Ewigkeit.
32 Und sie erzürnten ihn am Haderwasser[370]od. am Wasser von Meriba (vgl. 4Mo 20,1-13). , und es erging Mose schlecht um ihretwillen.
33 Denn sie erbitterten sein Gemüt, so daß er unbedacht redete mit seinen Lippen.
34 Sie vertilgten die Völker nicht, wie ihnen der Herr geboten hatte;
35 sondern sie vermischten sich mit den Heidenvölkern und lernten ihre Werke.[371]od. übernahmen ihr Tun.
36 Und sie dienten ihren Götzen, und diese wurden ihnen zum Fallstrick.
37 Und sie opferten ihre Söhne und ihre Töchter den Dämonen.[372]d.h. den bösen Geistern, die hinter den Götzen stehen (vgl. 1Kor 10,19-20).
38 Und sie vergossen unschuldiges Blut, das Blut ihrer Söhne und ihrer Töchter, die sie den Götzen Kanaans opferten; und so wurde das Land durch Blutschuld entweiht.
39 Und sie machten sich unrein mit ihren Werken und begingen Hurerei mit ihrem Tun.
40 Da entbrannte der Zorn des Herrn gegen sein Volk, und er verabscheute sein Erbteil.
41 Und er gab sie in die Hand der Heidenvölker, daß ihre Hasser über sie herrschten.
42 Und ihre Feinde bedrückten sie, und sie wurden gedemütigt unter ihre Hand.
43 Er errettete sie oftmals; aber sie widerstrebten ihm mit ihren Plänen, und sie sanken immer tiefer durch ihre Ungerechtigkeit.
44 Aber er sah ihre Not an, als er ihr Schreien hörte,
45 und er gedachte an seinen Bund mit ihnen und empfand Mitleid nach seiner großen Gnade;
46 und er ließ sie Barmherzigkeit finden bei allen, die sie gefangen hielten.
47 Rette uns, Herr, unser Gott! Sammle uns aus den Heidenvölkern, daß wir deinem heiligen Namen danken und uns glücklich preisen, zu deinem Ruhm!
48 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und alles Volk soll sagen: Amen!
48 Hallelujah!

Fünftes Buch

(Psalm 107 – 150)

Psalm 107

1 »Dankt dem Herrn, denn er ist gütig[373]gut / freundlich (hebr. tov). , denn seine Gnade währt ewiglich!«
2 So sollen sagen die Erlösten des Herrn, die er erlöst hat aus der Hand des Bedrängers
3 und die er gesammelt hat aus den Ländern, von Osten und von Westen, von Norden und vom Meer.
4 Sie irrten umher in der Wüste, auf ödem Weg; sie fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten.
5 Hungrig und durstig waren sie, ihre Seele verschmachtete in ihnen.
6 Da schrieen sie zum Herrn in ihrer Not, und er rettete sie aus ihren Ängsten
7 und führte sie auf den rechten Weg, daß sie zu einer Stadt gelangten, in der sie wohnen konnten.
8 Sie sollen dem Herrn danken für seine Gnade und für seine Wunder an den Menschenkindern!
9 Denn er hat die durstige Seele getränkt und die hungrige Seele mit Gutem erfüllt!
10 Die in Finsternis und Todesschatten saßen, gebunden in Elend und Eisen,
11 weil sie den Worten Gottes widerstrebt und den Rat des Höchsten verachtet hatten,
12 so daß er ihr Herz durch Unglück beugte –
12 sie strauchelten, und niemand half ihnen.
13 Da schrieen sie zum Herrn in ihrer Not, und er rettete sie aus ihren Ängsten.
14 Er führte sie heraus aus Finsternis und Todesschatten und zerriß ihre Fesseln.
15 Sie sollen dem Herrn danken für seine Gnade und für seine Wunder an den Menschenkindern.
16 Denn er hat eherne Türen zerbrochen und eiserne Riegel zerschlagen!
17 Die Toren litten wegen ihres sündigen Wandels[374]w. wegen ihres Weges der Übertretung. und um ihrer Ungerechtigkeit willen.
18 Ihre Seele verabscheute alle Nahrung, und sie gelangten bis an die Pforten des Todes.
19 Da schrieen sie zum Herrn in ihrer Not, und er rettete sie aus ihren Ängsten.
20 Er sandte sein Wort und machte sie gesund und ließ sie aus ihren Gräbern entkommen.
21 Sie sollen dem Herrn danken für seine Gnade und für seine Wunder an den Menschenkindern!
22 Sie sollen ihm Dankopfer[375]vgl. 3Mo 7,12. bringen und jubelnd seine Taten erzählen!
23 Die in Schiffen sich aufs Meer begaben und Handel trieben auf großen Wassern,
24 die sahen die Werke des Herrn und seine Wunder auf hoher See.[376]w. in der Tiefe.
25 Er sprach und erregte einen Sturmwind, der die Wellen in die Höhe warf;
26 sie fuhren empor zum Himmel und hinab zur Tiefe, und ihre Seele verging vor Angst;
27 sie taumelten und schwankten wie ein Trunkener, und alle ihre Weisheit war dahin.
28 Da schrieen sie zum Herrn in ihrer Not, und er führte sie heraus aus ihren Ängsten.
29 Er stillte den Sturm, daß er schwieg und die Wellen sich beruhigten;
30 und jene freuten sich, daß sie sich legten; und er führte sie in den ersehnten Hafen.
31 Sie sollen dem Herrn danken für seine Gnade und für seine Wunder an den Menschenkindern;
32 sie sollen ihn erheben in der Versammlung des Volkes und ihn rühmen im Rat[377]od. in der Sitzung, dort wo die Ältesten zusammensitzen und sich beraten; dasselbe Wort wie Ps 1,1: »wo die Spötter sitzen«. der Ältesten!
33 Er machte Ströme zur Wüste und Wasserquellen zu dürstendem Land,
34 fruchtbares Land zur Salzwüste wegen der Bosheit derer, die es bewohnten.
35 Er machte aber auch die Wüste zum Wasserteich und dürres Land zu Wasserquellen;
36 und er ließ Hungrige dort siedeln, und sie gründeten eine Stadt, in der sie wohnen konnten.
37 Und sie säten Äcker an und pflanzten Weinberge, die reichen Ertrag an Früchten brachten;
38 und er segnete sie, daß sie sich stark mehrten, und auch ihr Vieh ließ er nicht wenig sein.
39 Dann aber nahmen sie ab und wurden gebeugt durch Bedrückung, Unglück und Kummer.
40 Auf Fürsten goß er Verachtung aus und ließ sie umherirren in unwegsamer Öde;
41 den Armen aber hob er aus dem Elend empor und mehrte sein Geschlecht wie eine Herde.
42 Die Redlichen werden es sehen und sich freuen, und alle Bosheit wird ihr Maul verschließen!
43 Wer weise ist, wird dies beachten, und er wird die Gnadenerweise des Herrn verstehen.

Psalm 108

1 Ein Psalmlied.[378]Abgesehen von kleinen Abweichungen entsprechen die Verse 2-6 Ps 57,8-12 und die Verse 7-14 Ps 60,7-14. Von David.
2 Mein Herz ist getrost[379]od. fest / bereit. , o Gott: ich will singen und spielen, auch meine Seele!
3 Harfe und Laute, wacht auf! Ich will die Morgenröte wecken.
4 Herr, ich will dich preisen unter den Völkern und dir lobsingen unter den Nationen;
5 denn groß bis über die Himmel hinaus ist deine Gnade, und deine Treue bis zu den Wolken.
6 Erhebe dich über die Himmel, o Gott, und über der ganzen Erde sei deine Herrlichkeit!
7 Damit deine Geliebten errettet werden, hilf durch deine Rechte[380]d.h. durch deine rechte Hand. und erhöre mich!
8 Gott hat gesprochen in seinem Heiligtum: »Ich will frohlocken! Ich will Sichem[381]d.h. das heutige Nablus. verteilen und das Tal Sukkoth ausmessen;
9 Gilead gehört mir, Manasse gehört mir, und Ephraim ist die Festung meines Hauptes, Juda mein Herrscherstab;
10 Moab ist mein Waschbecken, auf Edom werfe ich meinen Schuh,[382]vgl. Fn. zu Ps 60,10. über das Philisterland jauchze ich!«
11 Wer führt mich in die feste Stadt, wer geleitet mich nach Edom?
12 Hast du uns, o Gott, nicht verstoßen, und ziehst nicht aus, o Gott, mit unseren Heeren?
13 Schaffe uns Hilfe in der Drangsal; Menschenhilfe ist ja nichtig!
14 Mit Gott werden wir Gewaltiges vollbringen,[383]od. werden wir den Sieg erringen. und er wird unsere Feinde zertreten.

Psalm 109

1 Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids.[384]Das NT zeigt, daß dieser Psalm prophetisch auf den Messias Jesus hinweist (vgl. V. 8 mit Apg 1,20).
1 O Gott, den ich rühme, schweige nicht!
2 Denn der Mund des Gottlosen und des Betrügers hat sich gegen mich aufgetan; mit lügnerischer Zunge sprechen sie zu mir.
3 Sie umringen mich mit gehässigen Worten und bekämpfen mich ohne Grund.
4 Dafür, daß ich sie liebe, sind sie mir feind;[385]od. klagen sie mich an. ich aber bete.
5 Sie erweisen mir Böses für Gutes und Haß für Liebe.
6 Setze einen Gottlosen über ihn, und ein Ankläger[386]hebr. Satan, so auch in V. 20 u. 29. stehe zu seiner Rechten!
7 Wenn er gerichtet wird, soll er schuldig gesprochen werden, und sein Gebet werde ihm zur Sünde!
8 Seine Tage seien wenige, und sein Amt empfange ein anderer!
9 Seine Kinder sollen Waisen werden und seine Frau eine Witwe!
10 Seine Kinder sollen umherwandern und betteln, nach [Brot] suchen fern von ihren zerstörten Wohnungen!
11 Der Gläubiger nehme ihm alles weg, und Fremde sollen plündern, was er sich erworben hat.
12 Niemand gebe ihm Gnadenfrist, und keiner erbarme sich über seine Waisen!
13 Seine Nachkommen sollen ausgerottet werden, ihr Name erlösche in der nächsten Generation!
14 Der Missetat seiner Väter werde gedacht vor dem Herrn, und die Sünde seiner Mutter werde nicht ausgetilgt!
15 Sie sollen allezeit dem Herrn vor Augen stehen, und ihr Angedenken werde von der Erde vertilgt,
16 weil er nicht daran dachte, Barmherzigkeit zu üben, sondern den Elenden und Armen verfolgte und den Niedergeschlagenen[387]w. den, der verzagten Herzens ist. , um ihn zu töten.
17 Da er den Fluch liebte, so komme er über ihn; und da er den Segen nicht begehrte, so sei er fern von ihm!
18 Er zog den Fluch an wie sein Gewand; so dringe er in sein Inneres wie Wasser und wie Öl in seine Gebeine!
19 Er sei ihm wie das Gewand, das er anzieht, und wie der Gurt, mit dem er sich ständig umgürtet!
20 Das sei der Lohn für meine Widersacher von seiten des Herrn, für die, welche Böses gegen meine Seele reden!
21 Du aber, o Herr, [mein] Herr, handle an mir um deines Namens willen; deine Gnade ist gut; darum errette mich!
22 Denn ich bin elend und arm, und mein Herz ist verwundet[388]od. durchbohrt. in meiner Brust.
23 Wie ein Schatten, wenn er sich neigt, schleiche ich dahin; ich werde verscheucht wie eine Heuschrecke.
24 Meine Knie wanken vom Fasten, mein Fleisch magert gänzlich ab,
25 und ich bin ihnen zum Gespött geworden; wer mich sieht, schüttelt den Kopf.
26 Hilf mir, o Herr, mein Gott! Rette mich nach deiner Gnade,
27 so wird man erkennen, daß dies deine Hand ist, daß du, Herr, dies getan hast.
28 Sie mögen fluchen – du aber segne; erheben sie sich [gegen mich], so sollen sie zuschanden werden; aber dein Knecht soll sich freuen.
29 Meine Ankläger sollen Schmach anziehen und in ihre Schande sich hüllen wie in einen Mantel.
30 Ich will den Herrn laut preisen mit meinem Mund, und inmitten vieler will ich ihn rühmen,
31 weil er dem Armen zur Seite stand, um ihn zu retten vor denen, die ihn verurteilten.

Psalm 110

1 Ein Psalm Davids.[389]An zahlreichen Stellen im NT wird dieser Psalm auf Christus bezogen (vgl. z.B. Mt 22,44; Apg 2,34; 1Kor 15,25; Hebr 1,13; 7,21; 10,13).
1 Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füße!
2 Der Herr wird das Zepter deiner Macht ausstrecken von Zion: Herrsche inmitten deiner Feinde!
3 Dein Volk ist willig am Tag deines Kriegszuges; in heiligem Schmuck, aus dem Schoß der Morgenröte, tritt der Tau deiner Jungmannschaft hervor.
4 Der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks![390]d.h. in derselben Art und Weise wie Melchisedek (vgl. Hebr 7,17).
5 Der Herr zu deiner Rechten zerschmettert Könige am Tag seines Zorns.
6 Er wird Gericht halten unter den Heiden, es wird viele Leichen geben; er zerschmettert das Haupt über ein großes Land.
7 Er wird trinken aus dem Bach am Weg; darum wird er das Haupt erheben.

Psalm 111

1 Hallelujah! [391]Die Anfangsbuchstaben der 22 Verszeilen in diesem Psalm folgen dem hebräischen Alphabet.
1 Ich will den Herrn loben von ganzem Herzen im Kreis[392]od. im vertrauten Rat. der Aufrichtigen und in der Gemeinde.
2 Groß sind die Werke des Herrn, erforscht von allen, die sie lieben.
3 Voll Majestät und Hoheit ist sein Tun, und seine Gerechtigkeit besteht ewiglich.
4 Er hat ein Gedenken seiner Wunder gestiftet; gnädig und barmherzig ist der Herr.
5 Er hat Speise gegeben denen, die ihn fürchten, er wird ewiglich gedenken an seinen Bund.
6 Er hat seinem Volk seine gewaltigen Taten zu erkennen gegeben, indem er ihnen das Erbe der Heiden gab.
7 Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht; alle seine Verordnungen sind unwandelbar[393]od. zuverlässig. ,
8 bestätigt für immer und ewig, ausgeführt in Treue und Aufrichtigkeit.
9 Er hat seinem Volk Erlösung gesandt, auf ewig verordnet seinen Bund; heilig und furchtgebietend ist sein Name.
10 Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit; sie macht alle einsichtig, die sie befolgen. Sein Ruhm bleibt ewiglich bestehen.

Psalm 112

1 Hallelujah!
1 Wohl dem, der den Herrn fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten![394]Die Anfangsbuchstaben der 22 Verszeilen in diesem Psalm folgen dem hebräischen Alphabet.
2 Sein Same[395]d.h. seine Nachkommenschaft. wird gewaltig sein auf Erden; das Geschlecht der Aufrichtigen wird gesegnet sein.
3 Reichtum und Fülle ist in seinem Haus, und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich bestehen.
4 Den Aufrichtigen geht ein Licht auf in der Finsternis: der Gnädige, Barmherzige und Gerechte.[396]od. er ist gnädig, barmherzig und gerecht.
5 Wohl dem, der barmherzig ist und leiht; er wird sein Recht behaupten im Gericht,
6 denn er wird ewiglich nicht wanken; an den Gerechten wird ewiglich gedacht.
7 Vor der Unglücksbotschaft fürchtet er sich nicht; sein Herz vertraut fest auf den Herrn.
8 Sein Herz ist getrost, er fürchtet sich nicht, bis er seine Lust an seinen Feinden sieht.
9 Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit besteht in Ewigkeit, sein Horn wird emporragen in Ehren.
10 Der Gottlose wird es sehen und sich ärgern; er wird mit den Zähnen knirschen und vergehen; das Verlangen der Gottlosen bleibt unerfüllt.

Psalm 113

1 Hallelujah!
1 Lobt, ihr Knechte des Herrn, lobt den Namen des Herrn![397]Der Lobgesang, den Jesus Christus nach dem Passahmahl mit seinen Jüngern sang, bestand nach der jüdischen Sitte aus Ps 113 bis 118 (vgl. Mt 26,30).
2 Gepriesen sei der Name des Herrn von nun an bis in Ewigkeit!
3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobt der Name des Herrn!
4 Der Herr ist erhaben über alle Heidenvölker, seine Herrlichkeit ist höher als die Himmel.
5 Wer ist wie der Herr, unser Gott, der in solcher Höhe thront?
6 Der so tief heruntersieht[398]w. der sich herabneigt, um zu schauen. auf den Himmel und auf die Erde;
7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staub und den Armen erhöht aus dem Kot,
8 um ihn neben Fürsten zu setzen, neben die Fürsten seines Volkes;
9 der die unfruchtbare Frau des Hauses wohnen läßt als eine fröhliche Mutter von Söhnen.
9 Hallelujah!

Psalm 114

1 Als Israel aus Ägypten zog, das Haus Jakob aus dem Volk fremder Sprache,
2 da wurde Juda sein Heiligtum, Israel sein Herrschaftsgebiet.
3 Das Meer sah es und floh, der Jordan wandte sich zurück;
4 die Berge hüpften wie Widder, die Hügel wie junge Schafe.
5 Was kam dich an, o Meer, daß du geflohen bist, du Jordan, daß du dich zurückwandtest,
6 ihr Berge, daß ihr hüpftet wie Widder, ihr Hügel wie junge Schafe?
7 O Erde, erbebe vor dem Angesicht des Herrschers, vor dem Angesicht des Gottes Jakobs,
8 der den Fels verwandelte in einen Wasserteich, den Kieselfels in einen Wasserquell!

Psalm 115

1 Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre, um deiner Gnade und Treue[399]od. Wahrheit. willen!
2 Warum sollen die Heiden sagen: »Wo ist denn ihr Gott?«
3 Aber unser Gott ist im Himmel; er tut alles, was ihm wohlgefällt.
4 Ihre Götzen sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht.[400]Die Verse 4-8 entsprechen in etwa Ps 135,15-18.
5 Sie haben einen Mund und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht;
6 Ohren haben sie und hören nicht, eine Nase haben sie und riechen nicht;
7 Hände haben sie und greifen nicht, Füße haben sie und gehen nicht; mit ihrer Kehle geben sie keinen Laut.
8 Ihnen gleich werden die, welche sie machen, alle, die auf sie vertrauen.
9 Israel, vertraue auf den Herrn! Er ist ihre Hilfe und ihr Schild.
10 Haus Aaron, vertraut auf den Herrn! Er ist ihre Hilfe und ihr Schild.
11 Die ihr den Herrn fürchtet, vertraut auf den Herrn! Er ist ihre Hilfe und ihr Schild.
12 Der Herr wolle an uns gedenken; er wolle segnen! Er segne das Haus Israel, er segne das Haus Aaron!
13 Er segne, die den Herrn fürchten, die Kleinen samt den Großen!
14 Der Herr mehre euch, euch und eure Kinder!
15 Gesegnet seid ihr von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
16 Der Himmel ist der Himmel des Herrn; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben.
17 Die Toten rühmen den Herrn nicht, keiner, der zum Schweigen hinabfährt.
18 Wir aber wollen den Herrn preisen von nun an bis in Ewigkeit.
18 Hallelujah!

Psalm 116

1 Ich liebe den Herrn, denn er hat erhört meine Stimme und mein Flehen;
2 denn er hat sein Ohr zu mir geneigt; darum will ich ihn anrufen mein Leben lang.
3 Die Fesseln[401]od. Wehen. des Todes umfingen mich und die Ängste des Totenreichs trafen mich; ich kam in Drangsal und Kummer.
4 Da rief ich den Namen des Herrn an: »Ach, Herr, errette meine Seele!«
5 Der Herr ist gnädig und gerecht, ja, unser Gott ist barmherzig.
6 Der Herr behütet die Einfältigen; ich war ganz elend, aber er half mir.[402]Andere Übersetzung: rettete mich.
7 Kehre zurück, meine Seele, zu deiner Ruhe, denn der Herr hat dir wohlgetan!
8 Denn du hast meine Seele vom[403]od. aus dem. Tod errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Fall.
9 Ich werde wandeln vor dem Herrn[404]od. vor dem Angesicht des Herrn. im Land der Lebendigen.
10 Ich habe geglaubt, darum rede ich; ich wurde aber sehr gebeugt.
11 Ich sprach in meiner Bestürzung: »Alle Menschen sind Lügner!«
12 Wie soll ich dem Herrn vergelten all seine Wohltaten an mir?
13 Den Kelch des Heils will ich nehmen und den Namen des Herrn anrufen;
14 meine Gelübde will ich dem Herrn erfüllen, ja, vor seinem ganzen Volk.
15 Kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner Getreuen.
16 Ach, Herr, ich bin ja dein Knecht, ich bin dein Knecht, der Sohn deiner Magd; du hast meine Fesseln gelöst.
17 Dir will ich Dankopfer darbringen und den Namen des Herrn anrufen;
18 meine Gelübde will ich dem Herrn erfüllen, ja, vor seinem ganzen Volk,
19 in den Vorhöfen des Hauses des Herrn, in deiner Mitte, Jerusalem.
19 Hallelujah!

Psalm 117

1 Lobt den Herrn, alle Heiden! Preist ihn, alle Völker!
2 Denn seine Gnade ist mächtig über uns, und die Treue[405]Andere Übersetzung: Wahrheit. des Herrn währt ewig.
2 Hallelujah!

Psalm 118[406]Nach dem Zeugnis des NT bezieht sich dieser Psalm auf den Messias (vgl. z.B. V. 22 mit Mt 21,42; Mk 12,10; Lk 20,17; 1Pt 2,7; und V. 26a mit Mt 21,9; 23,39; Mk 11,9; Lk 13,35; 19,38; Joh 12,13).

1 Dankt dem Herrn, denn er ist gütig[407]od. gut / freundlich. , ja, seine Gnade währt ewiglich!
2 So soll denn Israel sprechen: Ja, seine Gnade währt ewiglich!
3 So soll denn das Haus Aaron sprechen: Ja, seine Gnade währt ewiglich!
4 So sollen denn, die den Herrn fürchten, sprechen: Ja, seine Gnade währt ewiglich!
5 Ich rief zum Herrn in meiner Not, der Herr antwortete mir und befreite mich.
6 Der Herr ist für mich, ich fürchte mich nicht; was kann ein Mensch mir antun?
7 Der Herr ist für mich, er kommt mir zu Hilfe, und ich werde meine Lust sehen an denen, die mich hassen.
8 Besser ist's, bei dem Herrn Schutz zu suchen, als sich auf Menschen zu verlassen;
9 besser ist's, bei dem Herrn Schutz zu suchen, als sich auf Fürsten zu verlassen!
10 Alle Heiden haben mich umringt; im Namen des Herrn schlage ich sie!
11 Sie haben mich umringt, ja, sie haben mich umringt; im Namen des Herrn schlage ich sie.
12 Sie haben mich umringt wie Bienen; sie sind erloschen wie ein Dornenfeuer; im Namen des Herrn schlage ich sie.
13 Du hast mich hart gestoßen, daß ich fallen sollte; aber der Herr half mir.
14 Der Herr ist meine Stärke und mein Lied, und er wurde mir zum Heil.
15 Stimmen des Jubels und des Heils ertönen in den Zelten der Gerechten: Die Rechte des Herrn hat den Sieg errungen!
16 Die Rechte des Herrn ist erhöht, die Rechte des Herrn hat den Sieg errungen!
17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und die Taten des Herrn verkünden.
18 Der Herr hat mich wohl hart gezüchtigt; aber dem Tod hat er mich nicht preisgegeben.
19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, daß ich durch sie einziehe und den Herrn preise!
20 Dies ist das Tor des Herrn[408]od. zum Herrn. ; die Gerechten werden durch es eingehen.
21 Ich danke dir, denn du hast mich erhört und wurdest mein Heil!
22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden;
23 vom Herrn ist das geschehen; es ist wunderbar in unseren Augen!
24 Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen uns freuen und fröhlich sein in ihm!
25 Ach, Herr, hilf![409]hebr. hoschianna (vgl. »Hosianna« in Mt 21,9.15; Mk 11,9.10; Joh 12,13) Ach, Herr, laß wohl gelingen!
26 Gepriesen sei[410]od. Willkommen sei; entspr. nachher: Wir heißen euch willkommen. der, welcher kommt im Namen des Herrn! Wir segnen euch vom Haus des Herrn aus.
27 Der Herr ist Gott, er hat uns Licht gegeben. Bindet das Festopfer mit Stricken an die Hörner des Altars!
28 Du bist mein Gott, ich will dich preisen! Mein Gott, ich will dich erheben!
29 Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, ja, seine Gnade währt ewiglich!

Psalm 119

Aleph[411]Jede der 22 Strophen dieses Psalms umfaßt 8 Verse, die alle mit demselben hebr. Konsonanten beginnen, und zwar geordnet vom ersten Buchstaben des Alphabets (Aleph) bis zum letzten (Thaw).

1 Wohl denen, die im Weg untadelig sind,[412]Andere Übersetzung: Glückselig die, welche im Weg unbefleckt sind. »Weg« (hebr. derech) ist einer der 10 Namen für das Wort Gottes, die in Ps 119 oft vorkommen und in unseren Fußnoten angeführt werden. die wandeln nach dem Gesetz[413]od. der Weisung / Lehre (hebr. torah = Weisung, Unterweisung, Gesetz). An bestimmten Stellen im Ps 119 wird »Gesetz« eher im umfassenden Sinn von »Weisung, Unterweisung« verwendet und steht für das ganze Wort Gottes, ebenso z.B. in Ps 19,8. des Herrn!
2 Wohl denen, die seine Zeugnisse[414]d.h. das, was Gott in seinem Wort bezeugt hat (hebr. edah / edut). bewahren, die ihn von ganzem Herzen suchen,
3 die auch kein Unrecht tun, die auf seinen Wegen gehen!
4 Du hast deine Befehle[415]od. Aufträge / Anweisungen (hebr. pikkud; Anweisungen, die Gott den Menschen anvertraut hat). gegeben, daß man sie eifrig befolge.
5 O daß meine Wege dahin zielten, deine Anweisungen[416]od. Satzungen / Vorschriften (hebr. chok / chukka; die auf Gottes Anweisung »festgeschriebenen« Gebote und Ordnungen). zu halten!
6 Dann werde ich nicht zuschanden, wenn ich auf alle deine Gebote[417]hebr. mitzwah; das, was Gott aufgerichtet und festgesetzt hat, damit wir es tun. achte.
7 Ich werde dir danken mit aufrichtigem Herzen, wenn ich die Bestimmungen[418]hebr. mischpat; Rechtsentscheidungen und Bestimmungen, die Gott als oberster Herrscher und Richter trifft; auch mit »Rechtsurteile«, »Rechtsbestimmungen« und »Ordnungen« übersetzt. In Ps 119 kommt dieser Begriff noch vor in V. 13; 20; 30; 39; 43; 52; 62; 75; 84; 91; 102; 106; 108; 120; 121 (»Recht«); 132 (»Rechtsspruch«); 137; 149; 156; 160; 164; 175. deiner Gerechtigkeit[419]hebr. zedek / zedakah; manchmal auch als Eigenschaftswort »gerecht« übersetzt. lerne.
8 Deine Anweisungen will ich halten; verlaß mich niemals![420]Andere Übersetzung: Verlaß mich nicht ganz und gar!

Beth

9 Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen[421]od. rein erhalten / in Reinheit gehen. ? Indem er ihn bewahrt nach deinem Wort[422]hebr. davar (vgl. gr. logos) ; der wichtigste hebr. Begriff für »Wort«. !
10 Von ganzem Herzen suche ich dich; laß mich nicht abirren von deinen Geboten!
11 Ich bewahre dein Wort[423]hebr. imrah (vgl. gr. rhema); auch mit »Verheißung« übersetzt (dasselbe hebr. Wort im Ps 119 in den Versen 38; 41; 50; 58; 67; 76; 82; 103; 116; 123; 133; 140; 148; 154; 158; 162; 170; 172). in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige.
12 Gelobt seist du, o Herr! Lehre mich deine Anweisungen.
13 Mit meinen Lippen verkünde ich[424]od. zähle ich auf; d.h. verkünde und lehre ich Punkt für Punkt. alle Bestimmungen deines Mundes.
14 Ich freue mich an dem Weg, den deine Zeugnisse weisen, wie über lauter Reichtümer.
15 Ich will über deine Befehle nachsinnen und auf deine Pfade achten.
16 Ich habe meine Lust an deinen Anweisungen; dein Wort vergesse ich nicht.

Gimel

17 Gewähre deinem Knecht, daß ich lebe und dein Wort befolge!
18 Öffne mir die Augen, damit ich sehe die Wunder in deinem Gesetz[425]od. an deiner Weisung / Lehre. !
19 Ich bin ein Fremdling auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir!
20 Meine Seele verzehrt sich vor Sehnsucht nach deinen Bestimmungen allezeit.
21 Du hast die Frechen[426]Andere Übersetzung: Überheblichen / Übermütigen (so auch V. 51; 69; 78; 85; 122). gescholten, die Verfluchten, die abirren von deinen Geboten.
22 Wälze Schimpf und Schande von mir ab, denn ich habe deine Zeugnisse bewahrt!
23 Sogar Fürsten sitzen und beraten sich gegen mich; aber dein Knecht sinnt nach über deine Anweisungen.
24 Ja, deine Zeugnisse sind meine Freude; sie sind meine Ratgeber.

Daleth

25 Meine Seele klebt am Staub; belebe mich nach deinem Wort!
26 Ich habe meine Wege erzählt, und du hast mir geantwortet; lehre mich deine Anweisungen!
27 Laß mich den Weg verstehen, den deine Befehle weisen, so will ich reden über deine Wundertaten.
28 Meine Seele weint vor Kummer; richte mich auf nach deinem Wort!
29 Halte den Weg der Lüge fern von mir und begnadige mich mit deinem Gesetz[427]od. mit deiner Weisung / Lehre. !
30 Den Weg der Treue habe ich erwählt und deine Bestimmungen vor mich hingestellt.
31 Ich halte fest[428]od. hänge an (dasselbe Wort wie 1Mo 2,24). an deinen Zeugnissen; Herr, laß mich nicht zuschanden werden!
32 Ich laufe den Weg deiner Gebote, denn du machst meinem Herzen Raum.[429]od. denn du tröstest mein Herz.

He

33 Lehre mich, Herr, den Weg deiner Anweisungen, daß ich ihn einhalte bis ans Ende.
34 Gib mir Verständnis, so will ich dein Gesetz bewahren und es befolgen von ganzem Herzen.
35 Laß mich wandeln auf dem Pfad deiner Gebote, denn ich habe Lust an ihm.
36 Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zur Habgier!
37 Halte meine Augen davon ab, nach Nichtigem zu schauen; belebe mich in deinen Wegen!
38 Erfülle an deinem Knecht dein Wort, das denen gilt, die dich fürchten.
39 Wende von mir die Schmach, die ich fürchte; denn deine Bestimmungen sind gut!
40 Siehe, ich sehne mich nach deinen Befehlen; belebe mich durch deine Gerechtigkeit!

Waw

41 Herr, laß mir deine Gnade widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort,
42 damit ich dem antworten kann, der mich schmäht; denn ich verlasse mich auf dein Wort!
43 Und nimm nur nicht das Wort der Wahrheit von meinem Mund; denn ich hoffe auf deine Bestimmungen!
44 Ich will dein Gesetz stets bewahren, immer und ewiglich.
45 Und ich werde wandeln in weitem Raum; denn ich suche deine Befehle.
46 Ja, ich will vor Königen von deinen Zeugnissen reden und mich nicht schämen.
47 Und ich will mich erfreuen an deinen Geboten, die ich liebe.
48 Ich will meine Hände ausstrecken nach deinen Geboten, die ich liebe, und will über deine Anweisungen nachsinnen.

Zajin

49 Gedenke an das Wort für deinen Knecht, auf das du mich hast hoffen lassen!
50 Das ist mein Trost in meinem Elend, daß dein Wort mich belebt.
51 Die Frechen haben mich arg verspottet; dennoch bin ich von deinem Gesetz nicht abgewichen.
52 Wenn ich an deine ewigen Ordnungen[430]od. an deine Rechtsbestimmungen / Ordnungen von alters her. denke, o Herr, so werde ich getröstet.
53 Zornglut hat mich ergriffen wegen der Gottlosen, die dein Gesetz verlassen.
54 Deine Anweisungen sind meine Lieder geworden in dem Haus, in dem ich als Fremdling wohne.
55 Bei Nacht denke ich an deinen Namen, o Herr, und ich bewahre dein Gesetz.
56 Das ist mir zuteil geworden, daß ich deine Befehle befolgen darf.[431]od. weil ich deine Befehle bewahrte.

Cheth

57 Ich sage: Das ist mein Teil, o Herr, daß ich deine Worte befolge.[432]Andere Übersetzung: Ich sagte: Mein Teil ist der Herr/ daß ich deine Worte bewahre.
58 Ich flehe von ganzem Herzen um deine Gunst: Sei mir gnädig nach